Ausgabe 
21.10.1893
 
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unter fortwährendem Umrühren über dem Feuer Vs Liter Weißwein und Vs Liter starke Auflösung vön Liebigs Fleisch- extract hinzu, läßt die Sauce 10 Minuten einkochen und gießt sie über die Leber, wobei man einen Theelöffel gehackte Peter­silie beifügt.

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Straßburger Kartoffeln. Man schwitzt in 125 Gramm Butter gehackte Zwiebeln und Mehl, gießt Kalbs- oder Geflügel­brühe und ebensoviel Milch daran, dann zerrührt man Härings- mtlch mit Salz und Pfeffer und thut sie mit würfelig geschnittenem Häring und in Scheiben geschnittenen gekochten Kartoffeln auf eine mit Butter bestrichene, mit geriebener Semmel bestreute Schüffel, streut Parmesankäse darüber, sowie Semmelbrösel und backt sie eine halbe Stunde.

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Gelbe Wäsche. Um gelbe Wäsche weißer als mittelst des ätzenden Chlorkalkes herzustellen, wird folgendes unschäd­liche Mittel empfohlen: Drei Theile starken Spiritus und drei Theile Terpentinöl schüttelt man zusammen und thut von dieser Mischung zwei Eßlöffel voll auf je einen Eimer des Blau- waffers oder mischt sie unter die Stärke. Das Trocknen der Wäsche kann dann im Freien oder auch auf dem Boden er­folgen, nur muß die Wäsche auf dem Boden genügendes Licht erhalten, um schön weiß zu werden.

Leinwand erhält nach der Wäsche die Appretur und den schönen Glanz wieder, wenn beim Bügeln sogenannte Glanzstärke, das ist eine Mischung von 1 Kilogramm Weizen­stärke mit 60 bis 70 Gramm Stearin in gepulvertem Zu­stande, der Stärke zugefügt wird.

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Ans Atlasfächer kann man sowohl mit Del, als auch mit Aquarellfarben malen; für Fächer halte ich Aquarellmalerei für paffender, zarter und duftiger. Auch hinterlaffen Del* färben immer einen Fettrand, was besonders bei hellerem Atlas bemerkbar wird. Mit Aquarellfarben malt man direct auf den Atlas. Um vollständig decken zu können, nimmt man etwas Weiß hinzu beim Untermalen. Uebermalt wird klar, ganz ohne Weiß; damit die Farben leichter haften und sich besser halten, taucht man beim Malen von Zeit zu Zeit den Pinsel in Dchsengalle.

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Kitt für Fässer und Eimer. Hölzerne Gefäße, wie Eimer und Fässer, trocknen gar oft ein und besonders in warmer Jahreszeit, so daß die Fugen auseinander stehen und die Gesäße das Wasser laufen lassen. Um diesen Uebelstand zu beseitigen, rühre man 60 Gramm Schweineschmalz, 40 Gramm Salz und 33 Gramm Wachs zusammen und lasse diese Mischung langsam über dem Feuer zergehen. Alsdann füge man der flüssigen Masse noch 40 Gramm Holzasche hinzu. Die rinnenden Stellen der Holzgefäße trocknet man sauber ab und verstreicht sie mit dem noch warmen Kitt. Ist letzterer trocken geworden, so sind die Fässer vollkommen dicht. Bleibt von dem Kitt noch etwas übrig, so bewahre man denselben an einem trockenen Drte auf. Soll er wieder benutzt werden, so erwärme man ihn zuvor.

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Lüften der Betten. Das Letzte, welches das Schlaf­zimmer verläßt, öffnet stets, auch im strengsten Winter, die Fenster weit; dann hat man die Gewißheit, daß alle Betten im Haus vollständig gelüftet sind, ehe sie gemacht werden. Es ist die Drdnungsliebe durchaus am unrechten Platz angebrächt, wenn die Betten sofort nach Aufstehen gemacht werden.

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Verquollene Schubladen wieder in Gang zu bringen. Man bestreiche die zu streng gehenden Theile mit geschabtem Federalaun, d. i. Speckstein oder venetianischer Kreide.

Vermischtes.

Spiele für die Jugend. Storch und Frösche.

Abzählreim: Fröschlein mitt gefangen sein,

Storch hupft nur auf einem Sein, Klapp, klipp, horch, Das ist der Storch I

Die Kinder wählen aus ihrer Mitte Einen, welcher btn Storch spielt, während die Uebrigen als Frösche gelten. Sir umspringen neckend und scherzend den Storch, verbergen sich vor ihm und lassen sich suchen, während dieser, stets auf einem Bein hüpfend, sich bemüht, ein Fröschchen zu fangen, indem er einen leichten Schlag auf die Schulter ertheilt. Es dürfen auch zwei oder mehrere Störche gewählt werden, je nach der Menge der Spielenden. Derjenige, welcher erhascht wich, muß sofort Storch spielen.

Kindlicher Kummer-Warum weinst Du denn, Fritzchen?"Meine Brüder haben Ferien und ich nicht!" Marie, hast Du denn keine Ferien?"Ich geh' je noch gar nicht in die Schule!"

Fortkommen. Lehrer *(am Stammtisch):Kartoffeln kommen auf jedem Boden fort" Jakob:Im Keller aber auch; gestern erst Han se mir wieder 'n Sack vull ge> stohl'n."

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Auch etwas. Chef:Haben Sie Gymnasialbildung?" Commis:Gymnasialbildung nicht, aber ich habe zehn Jahre gegenüber der Realschule gewohnt!"

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Berg-Romantik. Tourist:Madel, Du siehst wirk' lich aus wie die Rose, die der Thau geküßt hat!" Ros'l: Der Thau nöt, aber der HanslI"

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Auf der Seefahrt wendet sich eine Dame an einen Matrosen:Sagen Sie mal, das Wetter ist doch sehr schlimm, nicht?" Darauf der Gefragte:Ick will Se wat seggen, Madam so lang noch Damens an Deck sünd un dornah fragen, is dat Weder nicht.slimm!^

Das erste Mittagessen. Junger Ehemann:Aber sage mir doch, mein Herzchen, was hat denn dieser Rostbraten für einen eigenthümlichen Geruch?" Junge Frau (ängst' lich):Das begreif' ich wirklich nicht, ich habe doch selbst die Zwiebeln, um ihnen den widerwärtigen Geruch zu nehmen, mit E au de Cologne abgebrüht!"

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Feine» Tanzpublikum. Im Kretscham zu Panther, Kreis Liegnitz, las man bei Gelegenheit der Einladung zm Tanz auf einem Anschlagsplakat folgende Bemerkung:Damen ohne Schuhe werden zum Tanz nicht zugelassen!"

Dringendes Bedürfniß.Du, ick habe jelesen, daß sich die Vermehrung der Reichskassenscheine als dringendes Be­dürfniß herausjestellt habe."Det is janz richtig; ick sor meine Person habe entschieden zu wenig."

Die versteht's!Den Stoff zum neuen Kleid hätt' ich! Nun muß ich mir bloß noch den Besatz und den Macher­lohn zusammen weinen!"

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Prächtige Idee.Wissen's," sagte zu Holtei einst ein alter, weißhaariger, ungarischer Edelmann in einem Kaffee- Hause zu Wien,wissen's, hob ich da prächtige Idee zu Theater­stück!" -Ei, lassen Sie hören!" -Geht Vorhang aus. Scheint Mond, sitzt Madel am Brunnen und weint.' Gut, aber nun weiter."Weiter? Na, das müssen doch Sie wissen, wovor denn sein's Dichter!"

Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.