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Der als Förderer der Kunst, wie als persönlicher Freund . - „„„
Goethes hochgeehrte Großvater der Kaiserin. Augusta, Karl glaubte, daß ihr Gatte mindestens in's Zuchthaus müsse. August von Weimar, fühlte sich in seinen letzten Lebensjahren ----- "
nirgends wohler, als in den schattigen Gängen des Parkes von Weimar. Im Borkenhäuschen und im römischen Hause nahm er gern auf längere Zeit Quartier, und wie sehr ihm diese Einsamkeit behagte, dafür legen seine Briefe Zeugniß ab. An einem schönen Maienabend saß er denn auch einmal vor dem römischen Hause und kehrte dem Wege, der zur Stadt führt, den Rücken zu; er lehnte, die Thonpfeife im Munde, die Hände in den Taschen seiner grauen Pekesche, im Schaukelstuhl und schaute zum Sternenhimmel und lauschte dem Schlagen der Nachtigallen.
Dort brauchte er nicht lange zu warten; der Landesherr ließ ihn sofort vor sich bescheiden.
„Weiß Er, was Er verdient?" fragte Karl August den Zitternden streng und schaute ihn mit durchbohrenden Blicken an.
„Gnade, Gnade, Hoheit!" rief der Miffethäter und warf sich auf die Kniee, allein der Großherzog befahl: „Aufstehen! — Er soll sich seine Strafe selbst wählen! — Nun?"
Endlich war das römische Haus erreicht und mit Zittern und Zagen betrat der Aermste das Vorzimmer-
daß er diesen Kelch an ihr vorübergehen lassen möge- Es half aber nichts. Meister H. mußte sich in seinen Sonntagsstaat werfen und dem ihm so verhaßten Kammerdiener folgen. Mehr todt als lebendig wankte er fort und vermeinte nicht anders, als daß es an den Pranger ginge, während seine bessere Hälfte
„Hoheit - . ." stammelte der Meister; das war aber Alles, Ganz in Gedanken verloren und im Anschauen der Natur I 1008 Stypen brachte.
versunken, bemerkte er einen vom Dorfe Ober-Weimar des m sagte Karl August, „Er scheint noch zwischen
Weges einherschreitenden Mann nicht. Dieser, der Sattler- Pranger und Elsen zu schwanken. Gut, so wtll ich seine Strafe meister H., war ausgegangen gewesen, um den schönen Nach- ^°ictiren. Also — erstens ist seins Tochter heute über vier mittag zu genießen, jedoch in's Wirthshaus gerathen und hatte 2~?d^n ore Frau desjenigen Mannes, den Er gestern durch« dort Etliche über den Durst getrunken. Näher kommend, hatte ? r?eln und der von heute ab den doppelten Lohn er« der biedere Sattermeister die Gestalt in der grauen Pekesche halten wird Zweitens . . ." Der Großherzog mußte einhalten kaum erblickt, so näherte er sich derselben. Im Fliederbaum ™ lächeln unterdrücken, denn die Miene des verblüfften schlug die Nachtigall. Karl August lauscht mit Entzücken — Meisters war urkomisch. — „Und zweitens," fuhr er dann da zischt plötzlich ein Knotenstock durch die Luft ... Zm Nu . ' "1°^ von nun an alle Tage an den Mann sich ersteht der Fürst auf den Füßen, greift nach seinem Rücken und dem er einen Hieb versetzt hat, das will sagen: Er
ruft: „Himmeldonnerwetter!" I vrmgt ein Schild mrt großen Buchstaben über seiner Thür an
Dieser Ruf reichte hin, den Attentäter völlig zu ernüch- den Worten „Hofjattler" und dieses Schild sieht er jeden tern. In seinem Schrecken taumelte er gegen einen Baum Tag ordentlich an und denkt: Pfui, schäme Dich, Du bist dann aber raffte er sich zusammen und gab Fersengeld. Außer I ? . er °J8 Weimarischen Hofes und hast den Ersten von diesem Athem und als ob ihn der „Gott sei bei uns" verfolge flieht geschlagen! — Verstanden? Also, marsch!" Mit diesen er in der Richtung nach der Stadt davon. Worten verließ der Großherzog oas Zimmer und unser Meister
„He, Du, Du," rief Karl August in das Haus hinein, ?*u6te nid^ wie ihm geschah und wie er in das Vorgemach seinem Kammerdiener zu. „Komm' geschwind heraus; ein ver« tam* Q f
stuchter Kerl hat mich durchgebläut. Laufe rasch hinter ihm r , al8 er tn den Armen seines „lieben Schwieger« her und steh' nach, wer er ist!" I whnes" lag, wurde ihm klar, daß er nicht geträumt habe. —
Natürlich eilte der Kammerdiener sofort aus dem Hause I Sturmschritte eilte der Ueberglückliche nach Hause, seiner dem Miffethäter nach. Bald darauf kam er zurück und be« »rQU seiner Tochter sein Glück zu verkünden und ihnen richtete den Namen und den Stand des verwegenen Attentäters I ""tzutheflen, daß er nicht als Hochverräther am Pranger zu den er noch richtig eingeholt hatte. ' stehen brauche, sondern daß sein Name mit dem Zusatz „Hof-
Keuchend meldete der Diener: „Er hat Eure Hoheit für Ln Ir" ari ^inem Hausschilde prangen und daß binnen vier
1 mich gehalten, weil ich Ihre abgelegte Pekesche trage und auf •JBod9en 'eine Tochter des Kammerdieners Gattin fein würde.
mich hatte er es abgesehen, — weil mir seine Tochter gut ist." I
»So, so? Wetter, weiter!" sagte der Herzog, aufblickend.
„Ja, und weil ich arm bin, will er mir seine Tochter . > o», 2
nicht geben," fuhr der Kammerdiener fort und seufzte: „Und I
doch sind wir Beide uns von Herzen zugethan!" -----
„<So, so? Weiter, weiter!" Weintrauben erhält man lange Zeit bis Ende Januar
„Und nun blldet der Mann sich noch ein, ich hätte Hoheit frisch, wenn man sie mit dem Fruchtreben abschneivet und diese
beredet, ihn nicht zum Hofsattler zu machen. Deshalb hat er 'N Gefäße mit Wasser an einem kühlen, srostfreien Orte mit
sich an mir rächen und mich einmal gründlich durchbläuen reiner Luft stellt und aufbewahrt. Oder man taucht die roon am av Traubenstiele 'mit der Schnittfläche in geschmolzenes Paraffin
„Also Dir war der Hieb bestimmt ?" sagte der Fürst oder Wachs und legt sie dann in Watte in eine Kiste, nachdem langgedehnt. — „So, so? Ja, das ist etwas Anderes! Und faule oder unreife Beeren entfernt wurden.
lieb hast Du feine Tochter und lieb habt Ihr Beide Euch, » •
100^5011? Hm, hm, freilich, mit Deinem Einkommen kannst I tc» tx -i.. - «.,
Du Frau und Kinder nicht satt machen. Weißt Du 's ift .suppe. Emen Kürbis schneidet man m kleine
mir aber lieber, wenn Du meine alten Röcke nicht mehr tränft • ® e' lhut einige Pfefferkörner daran, kocht diese in Milch
We B=rw«W>mgen «JX wSÄ & ®"W«6 a*i4«i wirb,
mir nicht gerade besonders angenehm" 8 bte8 geschehen, dann vermischt man den Brei mit einigen
Damit war die AtWonJLu ü r, . ,,. . Litern kochender Milch, thut zuletzt ein gutes Stück Butter
™u Die Angelegenheit für heute erledigt. - und etwas Salz hinzu.
Morgen ttat Karl Augusts Kammerdiener in * • *
den befehl überbrachte Kalbsleber auf italienische Art. Man schneidet
dem römischen ^"gleich nach eine Kalbsleber der Länge nach in 2 Centimeter dicke Scheiben,
Äme6 «rbS« tom Sl, und saht |ie, menM s,- in M-Hl Md läßt (le auf j-d-r
k.° S t2.„ dieser Scht-ck-n«. Seite 3 Minuten taug in 120 Stamm Butler sich Bräunen, und Tockter hmmX« schlotternden Knteen, während Frau Dann nimmt man sie vom Feuer, ohne sie jedoch erkalten zu ^amilie 2e oan» Herzensangst hatte die lassen, bringt zu der Butter 25 Gramm Mehl, 10 Gramm
ie ganze Nacht hindurch geweint und zu Gott gebetet, I gehackte Schalotten, sowie einige gehackte Champignons, fügt
Hine Verwechselung.
. Von E. Drole.
—: (Nachdruck verboten.)


