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nahte sich der Thür. Er mochte sich verspätet haben, Mancher. I lei kann ja einen Knaben zurückhalten, sie stand am Fenster und lauschte gespannt hinaus. Die Sonne neigte sich dem Untergange zu und die Schatten wurden immer länger- Ob der Vater ihm verboten hatte, sie aufzusuchen, oder was konnte der Grund sein, daß er nicht kam? Und auch Erich war noch nicht zurückgekehrt l Aber — sie mußte nach Ering sehen, sie durste nicht auf Erich warten, und sie war im Begriff, sich nach Grashagen aufzumachen, als sie wieder inne hielt. Wie abgespannt und erschöpft mußte Erich sein, nachdem er zwei Tage und eine Nacht im Boot zugebracht hatte, durfte sie zu- geben, daß er nach Hause kam, die Thür verschloffen fand und sie, der er es anvertraut hatte, war nicht daheim? So trat sie in das Zimmer zurück zu neuem Harren und Warten, bis die Nacht niedersank, bis die Sterne wieder erblichen und ein junger Morgen die Welt mit seinem Licht begrüßte.
XL
Der Aufenthalt am Meer wird von den Aerzten als heil« kräftig angesehen, ganz besonders aber sollen Fahrten auf die See hinaus neue Lebensfrische in abgespannten, müden Men» fchen wecken, und wer Erich sah, als er von seinem Fischzug zurückkehrte, der ihn länger entfernt gehalten hatte, als er Anfangs meinte, weil eine ganze Flotille von Booten miteinander draußen war und sich nicht trennen wollte, der würde staunend über diese unerhörte Wirkung die Hände emporgehoben haben. Wo war das ernste, fchwermüthige Gesicht geblieben, das er bei der Ausfahrt gehabt hatte? Ein glückliches Licht strahlte aus den großen, dunklen Augen, und das frühere Lächeln, das in seinen Zügen jetzt so selten geworden war, umspielte seinen Mund, als er den Weg über die Dünen allein daherkam, denn die Gefährten waren mit den Fischereigeräthschaften schon vor längerer Zeit zum Dorf gegangen, während er noch am Strande verweilt hatte. Da sie nicht so sehr weit vom Hause auf dem Höwt angelegt hatten, weil der Wind günstig dorthin stand, | so war es nur natürlich gewesen, daß Erich, nachdem er ihnen geholfen hatte, die Boote zu sichern und die Netze zum Trocknen auszuspannen, sich von ihnen verabschiedete, um einmal nach dem alten, kranken Freunde zu sehen, was er in letzter Zeit mehr unterlassen hatte, als eigentlich recht und gut war. So hatte er sich denn daran gemacht, die steile Klippe zu ersteigen, als ihm auf halbem Wege Marie entgegengekommen war. Sie schien in großer Erregung zu sein; ihr sonst so stilles, sanftes Gesicht war dunkel geröthet und um ihre Lippen zuckte es rote in verhaltenem Weinen. Sein plötzliches Erscheinen hatte sie erschreckt, im Begriff, ihm beim schnellen Herabsteigen auszu> weichen, hatte sie nicht genug auf den schmalen Pfad geachtet und war in's Straucheln gekommen. Nur für einen Augenblick, aber es war lange genug gewesen, -daß er sie in feinen Armen ausgefangen hatte, und dann — ja, wie es dann gekommen war? Ob er es zuerst ihr gesagt hatte oder sie ihm? Wenn Erich sich jetzt fragte, so wußte er es selbst nicht, aber das Eine war ihm sicher, sie waren miteinander verbunden für Zeit und Ewigkeit! Dort am Strande hatten sie auf seinem heraufgezogenen Boote gesessen, die Hände fest zusammengefügt, während ihre Herzen eins im andern aufgingen. „Mein Name, mein vor der Welt entehrter Name," hatte er geklagt und sie hatte erwidert: „Er ist mir der liebste und schönste auf Erden, und ich will ihn hoch halten, wie mein bestes Gut," und dann hatte sie hinzugefügt: „Du hast es nicht bemerkt, Du stolzer und doch bescheidener Mann, was ich längst weiß, daß die Leute mit Achtung zu ihm und seinem Träger aufblicken. Du hast die bösen Gerüchte niedergelebt." Und als er traurig fragte: „Und mein verlorenes Erbe?" da hatte sie die Arme um" feinen Hals geschlungen: „Geliebter, ich will Dich, Dich ganz allein, nicht Hab und Gut. Gottes Segen und Derne fleißigen Hände werden den Wolf von unserer Thür halten, was brauchen wir mehr?"
„Und die Mutter?" fragte Erich mit leisem Zagen. Sie schwieg einen Augenblick und er fuhr fest fort: „Siehst Du, Marie, sie hat ja schlecht an mir gehandelt, aber — Du wirst mich auslachen, wenn ich sage, — ich hab's in diesen Tagen
gesehen, wie ich's nie geglaubt hätte, baß sie mich doch lieb hat. Marie, ich kann'« kaum ertragen, wie sie mir in die Augen sieht, als wollte sie mich bitten, Erbarmen mit ihr zu haben, und wie ihre Lippen zucken, als möchte sie sprechen und könnte doch nicht- Und wenn sie mehr, viel mehr auf dem Herzen hätte, als ich jetzt weiß, ich könnte sie nicht verstoßen, da sie in Grashagen keine Heimath mehr hat." Marie seufzte ein wenig, ein klein wenig, ehe sie sagte: „Wenn Du ihr ein Sohn bist, Erich, so will ich mit Gottes Hilfe versuchen, ob ich ihr eine Tochter werden kann."
Auch von Malte hatte sie gesprochen, daß er gestern wieder da gewesen war und daß der Vater ihr heute von Neuem seine Anträge mitgetheilt und vorgetragen habe, und dabei hatte ihm Marie gesagt — Erichs Gesicht, das im Andenken an die glückliche Stunde mit der Geliebten in ungewohnter Freude leuchtete, während er langsam dahinschritt, wurde plötzlich sehr ernst, war denn Ering krank, daß der Vater gesprochen hatte, als ob er der Besitzer von Grashagen sei? Der Gedanke beunruhigte ihn und er ging schneller dem Dorfe zu. Vor dem Eingang desselben kam ihm der Pastor entgegen und streckte ihm die Hand hin. „Ich komme aus Ihrem Hause und fand dort große Sorge Ihretwegen. Ihre Mutter wußte von der Heimkehr Ihrer Gefährten und konnte sich nicht vorstellen, was Sie —" Er hielt inne. War es nur das Licht der Sonne, das Erichs Wangen roth färbte, als er jetzt zaudernd sagte : „Wir legten nicht weit vom Höwt an, und —" ja, dann hielt er ebensalls inne.
Der Pastor wunderte sich nicht. Er war ein guter Menschenkenner, er wußte jetzt, woran er war. „Darf ich in Ihrer Rede sortfahren?" sagte er mit freundlichem Scherz: „Und ich traf Marie Locke, ich sagte ihr, wie lieb ich sie habe, und nun komme ich als glücklicher Bräutigam nach Hause zurück." Dann setzte er, Erichs Hand kräftig schüttelnd, ernst hinzu: „Gottes Segen wird einem Bunde nicht fehlen, der im Aufblick zu ihm geschloffen wird. Ich freue mich von ganzem Herzen, Erich Hagen, daß die Sonne seiner Gnade über Ihnen aufgeht. Aber nun sagen Sie mir, sind Ihre Gedanken zu sehr von Ihrem neuen Glück in Anspruch genommen oder haben Sie noch für andere Menschen übrig? Ich hatte Wichtiges mit Ihnen zu sprechen und darf Sie Ihrer Mutter nicht zu lange fernhalten. Was haben Sie ihr angethan, Erich, daß sie sich in Sorge um Sie verzehren möchte und daß Ihr Wohl ihr am Herzen liegt mehr als das eigene?"
„Ich kann es nicht sagen," begann Erich, aber der Pastor unterbrach ihn. „So will ich es aussprechen," sagte er lebhaft. „Die unverdiente Liebe, die sie bet Ihnen gefunden hat, hat ihr Herz erschüttert und sie zum Bewußtsein ihrer Schuld gebracht, zuerst Gott dem Herrn, dann Ihnen gegenüber. Sie sehnt sich nach seiner Vergebung und nach der Ihren. Das ist Ihr Werk, Erich, und wollte Gott, ich könnte mehr von den Wirkungen solcher Liebe in meiner Gemeinde sehen."
„Ich habe nichts gethan," sagte Erich wie beschämt, „es i ist Gottes Gnade."
„Sie haben Recht, vollkommen Recht," war die Antwort des Pastors. „Sie wußten nicht, daß Sie etwas thaten und das gerade war die Größe Ihres Thuns. Aber Erichs mein Freund, mein lieber Freund, jetzt kommt etwas, das Sie mit vollem Bewußtsein thun sollen, Sie müssen Ihrer Mutter die j Aussprache erleichtern, Sie müssen die Ängst von ihrer Seele nehmen, die sie zu Boden drückt. Sie war vorgestern bei mir Utlb „Hat sie Ihnen Alles gesagt?" fragte Erich schnell.
Der Pastor schüttelte den Kopf. „Ja und nein," antwortete er. «Sie kam, um mich zu fragen, ob sich das Testament Ihres Vaters auf irgend eine Weife annulliren lasse, | was ich natürlich in Abrede stellte- Dabei hob sie bisweilen i den Schleier, der das Geheimniß ihrer Seele verbirgt, danm ! erschrocken über das, was sie mich sehen ließ, zog sie ihn noch dichter davor. Eins weiß ich, ihre Schuld erscheint ihr groß, so groß, daß sie fürchtet, ein Bekenntniß würde Sie veran- lassen, ihr den Schutz Ihres Hauses zu entziehen. Das ant-
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