Ausgabe 
21.3.1893
 
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Fall war-

Die seidenen Frühjahrskleider zeigen meist auch changieren­den Fonds mit ein« oder mehrfarbigen Mustern in einfachem Faoonns- oder Relief-Genre. Alle lila, grünen oder altrosa Töne sind modern- Auch hier ist Cröpe de Chine mit Spitzen« | aarnierungen, mit Sammetärmeln und Jäckchen, mit ombrrerten Seidenecharpes und breiten Perlfranzen sehr beliebt. Neu ist reinfarbig ponceaurother Crspe de Chine zum ganzen Anzug, nur auf gleichfarbigem Surrahfonds gearbeitet, aber ohne zeg- lichen Aufputz, höchstens am unteren Rande des Rockes mit schmaler Einzel« oder Doppelfraisur umgeben. Eine andere sehr elegante Robe besteht aus lachsrosa Crche de Chine und ist untenherum zweimal mit Ecru Duchesse-Spitze besetzt. Die rosa Crepe-Taille hat große Fraise-Sammt-Puffenärmel, die nur etwas über den Ellenbogen hinabreichen und hier gleich­falls mit Ecru-Spitzen'Manschette enden, so daß dazu lange Landschuhe getragen werden müffen. Ueber der Taille wird ein vorn weit offenes, hinten mit Postillonschoß gearbeitetes Jäckchen aus Fraise-Sammet ohne Aermel gezogen. Selbst­verständlich sieht ein solches Costüm ziemlich theatralisch aus, aber wie schon oben bemerkt, trägt der größte Theil der neuen Robenmodelle einen etwas extravaganten Charakter.

Die neuen Frühjahrsconfections sind eigentlich durchweg geschmackvoll, in Capeform, kleinen Paletots, langen Regen­mänteln rc. Hier herrscht neben den klein karrierten englischen Geweben der doppelseitige Stoff, der auf einer Fläche changierend, auf der anderen einfarbig wirkt. Gleichviel ob Paletots, Capes

Rcdaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.

oder Mäntel, immer sind zwei- oder dreifache Schulterkrageü auf den Confections angebracht, außer dem üblichen Halsab- schluß, der in Stehkragen, Maria Theresia-Fraisen. Kaskaden- Rüschen rc. besteht und meist vorn noch eine Schleife mit langen Enden hat. Viele von den Capes sind ä jour gearbeitet, d.h. sie sind aus Stoff« und Paflementeriestreifen aowechselnd Zusammengesetzt. Die Paletots sind meist mit buntseidenem Futter versehen, für sehr junge Mädchen mit schottisch karrier- tem Surrah, was sehr hübsch aussieht.

Die neuen Damenhüte haben gekräuselte Ränder aus Crepe, Surrah oder Sammet, die Köpfe sind zum großen Theil sehr klein und aus durchsichtigen Paffementerien oder Tüllstickereien mit Pailletten hergestellt. Zur Garnierung werden sehr phan- tastische bunte Vögel und Flügel, in verschiedenen Farben i schillernd, schmale und breite Sammetschleifen, viele Reiher« aigretten' Sammet-Blumen, Aehren und Früchte verwendet. Sämmtliche Hüte haben Bindeecharpes. Für junge Mädchen werden breite schräggeschnittene Sammetschleifen, Posen von den verschiedensten Vogelarten und volle Rosetten aus Babybändern I in allen Farben verwendet. Hier fehlen natürlich die Binde-

Unter den Frühjahrs-Reuheiten für Schirme zeichnet sich besonders ein sehr leichter, feiner, graciöser Entoutcas aus, dessen Gestell außerordentlich dünn ist, und der deßhalb semen NamenGracioso" vollständig rechtfertigt. Man bezieht ihn häufig mit Seidenstoff von den Kleidern, zu denen man ihn tragen will und gibt ihm eine eben solche Kappe. Er ist aller­dings nicht übermäßig dauerhaft, da er niemals mit schwerem Stoff bezogen wird. Er hat oben am Griff eine Schlupsöse aus drei Finger breitem Moirseband, das immer zur Farbe des Bezuges paßt.Gracioso" ist kein sehr HA Scharm, I aber doch immerhin groß genug, um ihn als Stutze zu be

nutzen. ______________

Irühjahrsmoden. |

Die Frühjahrstoiletten für dis kommende Saison sind, - wie dieMagdeb. Ztg." schreibt, von unbeschreiblicher Grazie, allerdings zum Theil auch so eigenartig, daß sie kaum den Eindruck von Alltags- und Straßenklsidern machen, sondern vielmehr an Costüme erinnern, die für besondere Festlichkeiten bestimmt sind. Schon die Gewebe sind von ungewöhnlicher Eleganz dadurch, daß wenigstens die Hälfte der ney erschienenen Stoffe mit Seide durchwtrkt ist, was natürlich reizende Effecte erzielt, natürlich auch die Materialien viel theurer macht. Dw meisten Zeuge sind in changierendem Genre gewirkt, wodurch auch für die Garnierungen ein weiterer Raum geschaffen ff. Reizend sind z. B. Lodenstoffe in sraise und blau, in resedagrün und Modefarben, in Heliotrop und Creme, und diese werden noch gehoben durch große Sammt - Puffärmel, Gürtel und Schleifen in denselben Farben changierend, event. auch durch gleichartige Perlpaffementerien, Treffen rc. Neben den Loden- stoffen sind einfache und changierende Cachemirs glatt und vicotiert, d. h. mit keinen erhabenen Knötchen bedeckt, vor- Händen, Popline in einfarbig und changiert. Ein besonderes Reich für sich bilden die Crepons mit ihrer krausen Außenseite, die verarbeitet eigenartige Toiletten geben. Zu ihrem Ausputz werden Seidenstoffe und Spitzen verwendet, denn sie reprasen- Heren sich als ein leichteres Genre, und deshalb hält man ihnen auch die schweren Garnituren fern. Sie eignen sich besonders für die Robe mit dem neuen Glockenrock, der oben fest wie ein Handschuh um die Hüften schließt, nach unten sehr weit ausfällt und in mehreren Stufen besetzt ist. Sehr graciüs ist z. B. das Arrangement von fünf schrägen Doppelvolants, von denen das untere handbreit aus Surrah oder anderer leichter Seide besteht, während die obere schmal, Fraisur aus dem Stoff des Kleides gemacht ist. Zwischen jedem dieser Sätze ist ein etwas über handbreiter freier Raum, so daß das letzte Volants-Paar bis über die Knies hinauf reicht. Modern ist auch ein Besatz von fünf Puffen, gleichfalls in regelmäßigen Zwifchensätzen angebracht, oder ein fünfmaliges Arrangement aus je drei oder fünf Linien schmalem Sammtband bestehend. Selbstverständlich sind die Taillen jedes Mal entsprechend gar­niert; der sehr weite Puff am Oberärmel ist noch immer fest- gehalten, sieht in den leichteren Materialien auch bei weitem nicht so unmöglich aus, wie dies bei den schweren Stoffen der

Vermischtes.

Rache ist süß. Er:.....und mit der Zeit würden

Sie es lernen, mich zu lieben!" Sie (hochmüthig):Sie irren sich ich werde es niemals lernen!" Er:Ganz Unrecht kann ich Ihnen schließlich nicht geben. Sie sind viel­leicht schon zu - alt, um noch zu lernen."

Natürliche Wirkung*Die Sommerfrische scheint recht kräftigend auf Sie gewirkt zu haben; als Sie hier weg­reisten, fchlotterte der Anzug nur so um Ihre Glieder und jetzt sitzt er wie angegoffen."Freilich, s hat za auch alle Tage geregnet!" * ,

Die kleine Social demokratin. Die kleine Hedwig (hat eine politische Unterhaltung ihrer Eltern belauscht):Papa, ich will aber auch meinen Zukunftsstaat!" Papa:Du? Haha! Was ist denn Dein Zukunstsstaat?" Die kleine Hedwig:Ein Brautschleier und ein Myrtenkranz/

Vor der Saison. Hausarzt: . . . Gnädige Frau können ganz beruhigt sein Sie haben keine Spur von einem Leberletden." Dame (die für Karlsbad schwärmt):Leb- ster, bester Herr Doctor, wenn ich* Sie aber darum bitte!

Ein kleines Mißverständnis Die Lehrerin hat ihrer Schülerschaar mitgetheilt, daß am nächsten Tage m Heimathkunde unterrichtet werde. Die kleine Ella kommt ver­gnügt nach Hause und rüst der Mutter frohlockend zu:Mama, aber morgen giebs was Feines in der Schule.'Wm denn?"Etwas Reizendes," versichert Ella.Wir be­kommen jetzt Unterricht in Heirathskunde" - .

Junge Frau (im Schlächterladen):Ich bitte um ein I Stück von der Kalbstaille."