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fragte
merkte die Doctorin, den Amerikaner etwas verwundert betrachtend, „der Eigenthümer wird ihn dann gewiß zurückerhalten."
„Gewiß," sagte Warneck, „aber versäumen Sie es nicht, meine Damen 1“ „ t „
Nun, wenn Sie so besorgt darum sind," erwiderte Armgard zerstreut, „dann übernehmen Sie es selber, Herr Warneck !" „Ich gehe doch zur Polizei, meine Gnädige!" nahm Marbach, welcher einen Blick seines Freundes aufgefangen, rasch das Wort, „wenn Sie mir den Fund anvertrauen wollen —
„Mit Vergnügen," fiel Armgard ebenfalls verwundert em, „wäre dieser Ort zum Scherzen geignet, dann könnte man beinahe fürchten, als ob Sie uns vor der Aneignung fremden Eigenthums, also vor einer Versuchung bewahren möchten."
„Ja," meinte Warneck trocken, „es steht beinahe so aus, mein Fräulein! — Dieses Monogramm hier intereistrt mich indeß nur ein wenig und da ich, wie Sie wissen, mich so wie so mit der Polizei hier befreunden muß, so bin ich in der That auf den Eigenthümer dieses Knopfes neugierig."
„Ach, wegen jenes Herrn, der "
„Ja, mein Fräulein, jenes Herrn Wrllram Prien, meines lieben Freundes, den ich wie eine Stecknadel suche," stel Warneck ruhig ein- „Es kann ja auch ein Anderer sein, wie viele Menschen mit dem Monogramm W- P. gibt's nicht in der
Welt."
„Es gibt hier in unserer Stadt sogar einen mir sehr nahestehenden Herrn mit diesen beiden Buchstaben," sagte die Doc- torin, „meinen eigenen Mann, welcher den Namen Walter Peters führt, dem dieser Knopf aber nicht gehört. Sie sehen nur daran, wie leicht die Anfangsbuchstaben irre führen."
„O gewiß, Frau Doctorin, gebe ich das zu," versetzte Warneck, „gönnen Sie mir deßungeachtet die kleine Hoffnung, meinen lieben Flüchtling hier wieder zu finden."
Die Damen ließen ihm gern die Hoffnung und damit den Knopf, worauf sie gemeinschaftlich in die Stadt zurückkehrten. Bei dem Hause der Doctorin trennten sie sich mit der Verab- schiedung, sobald als möglich nach Hause zu fahren, worauf die beiden Herren langsam weiterschritlen.
„Glaubst Du wirklich an dieses Monogramm?" Marbach nach einer Weile. .
„Ich möchte darauf schwören, daß der Knopf meinem theuren Prien gehört, dieser also in jener Laube anwesend war."
Marbach blieb überrascht stehen.
„Woher hast Du diese Ueberzeugung so rasch gewonnen?" Warneck schritt langsam weiter.
„Nur kein unnöthiges Aufsehen machen, alter Junge! erwiderte er ruhig- „Warten wir damit bis im Gasthof."
Sie kehrten rasch dorthin zurück. Als sie sich in einem Zimmer unter vier Augen befanden, zog Warneck den Knopf
Marbach blickte den Freund erregt an, er war ganz blaß geworden. „
„Das läßt allerdings darauf schließen —
„Daß William Prien auf der Brandstätte gewesen ,st und dort diesen Knopf verloren hat," ergänzte Warneck.
Beide blickten sich an, wie von dem gleichen Gedanken
„Hältst Du diesen Menschen eines blutigen Verbrechens fähig?" fragte Marbach leise.
„Wenn er durch die Umstände dazu gezwungen wird, — ja!" erwiderte Warneck fest.
„Sollte er es gewußt haben, daß dre alte Dame vom Hause abwesend war?" „ . , , ., .
, Weshalb nicht, vielleicht hat er sie wegfahren sehen und sich dann näher nach ihr erkundigt. Jedenfalls glaubte er, mit der alten Person leicht fertig zu werden. Das Gewitter kam seinem Plane mächtig zu Hilfe und ohne diesen Knopf wäre jeder Verdacht gegen ihn ganz unmöglich gewesen.
Woher aber sollte dieser fremde Mensch es erfahren haben',' daß die Tante Hanna just eine bedeutende Summe im Hause hatte?" fragte Marbach kopfschüttelnd. „Wie es auch sehr leichtsinnig erscheinen könnte, weshalb sie dieselbe nicht mit hinaus nach Ebenheim genommen." .
„Ja, das sind Fragen, welche uns die Me leider niemals wird beantworten können," versetzte Marbach. „Vielleicht ist sie just um des Geldes willen in ihr Haus zurückgekehrt, wer kann's wiffen. Was die Kenntniß unseres William Prren anbetrifft, so kann derselbe ganz zufällig davon erfahren haben. Das wird oft von Dienern und Boten ganz arglos erzählt, sei es im Wirthshause, sei es auf der Straße. Ein solcher Ge- selle hat feine Ohren und rasche Auffassung.
„Seine Frau also soll aus dieser Gegend stammen?
Sie hat es mir oft erzählt und dabei den Namen des Fräulein Holten als den ihrer Freundin genannt"
„Und sie ist erst kürzlich gestorben?" fragte Marbach nach-
„Im December vorigen Jahres, die Sorgen mögen sie umgebracht haben, da Mister Prien fein Gehalt zu verspielen PfteSt,e‘®ie unglückliche Frau, sie hinterließ doch keine Kinder V
Ich glaube, es muß noch ein Kind vorhanden gewesen sein," erwiderte Warneck, „ob Knabe oder Mädchen, kann ich nicht verrathen, da es irgendwo in einer Pension war. Ich erinnere mich, daß sie mir einmal von ihren tobten Kindern erzählte, welche sie glücklich pries, da dieselben mit einem sol- chen Vater doch elend geworden wären."
„Das klingt von einer Mutter entsetzlich.
„Mag sein, lieber Freund, aber recht hatte sie doch, die arme Frau. Ich denke mir, daß die Zukunft und das Gluck der Kinder von der Lebensstellung und dem Character der Vaters hauptsächlich abhängen, daß der Mann die Familie hebt oder herabzieht und eine Heirath in solchen Fällen, die leider nur allzu häufig sind, allemal den Kindern zum Fluche wird. An Bildung waren diese beiden Menschen sich ja gleich, denn sonst ist die Kluft noch viel tiefer. Es ist eine Schmach, daß die meisten Menschen so kopflos in die Ehe springen, ohne sich klar zu machen, daß eine solche Kette an Gewicht zummmt und zur unerträglichen Folter werden kann. Gott sei Dank, daß ich keine Frau an mich ketten werde. — Doch zum Henker mit dem Philosophiren," unterbrach er sich lachend, „bin ja ganz vom Wege abzewichen. Wird wohl das Beste sem, setzt gleich mit einem gewiegten Criminalbeamten in Verbindung zu treten/*
,,Laß uns doch zu dem Commiflar gehen, welcher das Möbel auf der Brandstätte untersuchte," meinte Marbach.
„Gut, ihm werde ich die ganze Sache übertragen, — er wird den Fingerzeig freudig begrüßen."
„Und dann?" fragte Marbach zögernd. „Willst Du mit mir zurückfahren nach Rotenhof?" ,
„Nein, mein Junge, Du hast ja schon dre nöthlge Fracht. — Ich fuhr, wie Du weißt, mit einem Landmann hierher, weil ich die Unthätigkeit nicht ertragen kann und werde yem.
hervor.
„Besteh' ihn Dir genau," sagte er, Marbach denselben darreichend. „Untersuche jede F^che und merke Dir den Stempel. Hast Du?"
„Es scheint ein englischer Stempel zu sein," bemerkte Marbach.
Warneck nahm den Knopf, um ihn noch einmal zu unter- suchen. „Natürlich," sagte er, „besteh' ihn, bitte, recht genau."
„Ist bereits geschehen — es ist ein Stern mit der eng- lischen Umschrift: gold-wlght — also Goldgewicht und dem Namen Finch "
„Gut, das Monogramm auch gesehen?"
„Versteht sich, es sind doch die Buchstaben —"
Er hatte den Knopf umgewandt und starrte verblüfft darauf hin. „ , . ,, „ ,
„Zum Henker," brummte er, „hier stehen ,a die Buch- staben O- W."
„All right, old boy! — Otto Warneck, mein Monogramm, und hier ist der gefundene ganz gleiche Knopf, nur mit anderen Buchstaben versehen. Der Goldschmied Finch, von welchem ich meine Knöpfe gekauft habe, hat unzweifelhast auch diesen Knopf mit W. P. in seinem Laden gehabt, weil sein Name und Stempel auf demselben sich befindet. Dieser Finch aber wohnt in Chicago."


