Ausgabe 
21.3.1893
 
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Dienstag, den 21. März.

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Nr. 34.

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Tante Hannas Geheimniß.

Original-Roman von E. v. Linden.

(Fortsetzung).

Das junge Mädchen küßte Hanna zärtlich und verließ dann schweigend mit der alten Doctorin das Krankenzimmer. Der Arzt folgte ihnen.

Wie geht's mit Ihrer kleinen Patientin, Fräulein Hol­ten?" fragte er rasch.Muß ich hinauskommen?"

Wenn Sie können, bitte ich darum, lieber Doctorl Ich möchte überhaupt eine Wärterin für die Kleine haben, da ich sie nun einmal"

Am Halse habe," ergänzte der Arzt, als sie zögerte. Ich besorge Ihnen eine barmherzige Schwester, mein liebes Fräulein werde sie Ihnen selber bringen)"

Herzlichen Dank!"

Der Doctor ging zu der Kranken zurück, die beiden Damen verabschiedeten sich im Hause und gingen dann fort, um nach der furchtbaren Erschütterung sich durch einen Spaziergang erst wieder zu beruhigen.

Ohne Verabredung, wie unter einem gemeinschaftlichen Zwange, schlugen sie den Weg ein, welcher aus dem Thore nach der Brandstätte führte. Dieselbe wurde von einer Feuer­wehrwache behütet, da mit der Aufräumung de« Schuttes des zweiten Feiertags halber erst am nächsten Tage begonnen wer­den konnte.

Stumm wanderten die beiden Damen, welche von der Wache die Erlaubniß dazu erhalten hatten, durch den Garten, welcher überall die Spuren jenes nächtlichen Ereigniffes trug. Sie wagten kein Wort zu sprechen vor tiefer schmerzlicher Er­regung und setzten sich einen Augenblick in die Laube, welche sich am Ende des Obst- und Gemüsegartens befand.

Nun wird Ihnen das kranke Kind auch recht lästig wer­den, Fräulein Armgard!" begann die Doctorin nach einer Weile.

Das junge Mädchen starrte sie wie aus einem Traume erwachend fast erschreckt an.

Lieber Gott, werden Sie nur nicht krank von dieser furchtbaren Aufregung, mein Kind!" fuhr die alte Dame, ihre Hand ergreifend, bekümmert fort.Wir müffen uns Alle in das Unabänderliche fügen. Ich sprach von dem kranken Kinde, das Herr Steindorf Ihnen aufgedrängt hat

Es war nicht krank, als er mich darum ersuchte," fiel Armgard hastig ein.

Mag sein, Kind, wenn er Ihnen nun die Kleine läßt und ohne den Ballast nach Amerika zurückkehrt?"

Armgard sah sie erstaunt an und schüttelte dann den Kopf.

Weshalb halten Sie Herrn Steindorf für schlecht, Frau Doctorin?" fragte sie langsam.

Hat er diese Meinung nicht schon vor Jahren gerecht­fertigt?"

Nein, er konnte nichts dafür, daß seine Liebe einer An­deren gehörte. Das Herz läßt sich nicht zwingen."

Nun, vielleicht ist sein Herz gefügiger geworden und läßt sich vom Verstände leiten. Lassen wir ihn, Fräulein Arm­gard, und kommen Sie rasch mit mir hinweg von dieser Stätte jammervoller Verwüstung."

Sie wollten die Laube verlassen, als Armgard, deren Blick am Boden wurzelte, sich rasch bückte, um einen in die vom Regen aufgeweichte Erde tief eingetretenen glänzenden Gegen­stand zu betrachten. Sie nahm ein Stöckchen, um denselben an die Oberfläche zu bringen und hob ihn dann auf. Er war ein großer goldener Manfchettenknopf mit einem Monogramm.

W. P." las Armgard.

Hm, der ist in voriger Nacht im Gedränge verloren worden," bemerkte die Doctorin,mein Mann kann den Knopf der Polizei einliefern, dann wird sich wohl der Eigenthümer dazu finden."

In diesem Augenblicke näherten sich feste Schritte der Laube.

Ach, Herr Marbach," rief Armgard,und auch Sie, Herr Warneck, guten Morgen! Wollen Sie sich die Un­glücksstätte ansehen?"

Die Herren grüßten und wurden von ihr der Doctorin vorgestellt.

Es sieht sehr traurig aus," sagte Marbach,und greift einem ordentlich an's Herz, wenn man sich das kleine reizende, so überaus poetische Heim der alten Dame in's Gedächtniß zurückruft."

Sie scheinen da etwas gefunden zu haben, mein Fräu­lein!" schaltete Warneck ein, der als Amerikaner nur auf das Practische fein Auge gerichtet und sofort den Manschettenknopf in Armgards Hand gesehen hatte.

Ja, sehen Sie, her Knopf ist von einem Herrn hier ver­loren und in den weichen Erdboden getreten worden," sagte sie, ihm denselben hinreichend.

Warneck betrachtete ihn von allen Seiten, zog sein Taschen­tuch heraus, um die Erdspuren zu tilgen und den Stempel zu erforschen.

Was wollen Sie mit diesem Funde beginnen, mein gnä­diges Fräulein?" fragte er zögernd.

Mein Mann soll den Knopf der Polizei einliefern," be-