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erreichte. Besonders bei jungen Thieren wird das grätenlose weiche Fleisch sehr geschätzt, daß aber selbst bei solchem Riesen, wie der erwähnte, dar Fleisch noch zart und wohlschmeckend sein kann, kann Schreiber dieser Zeilen aus eigener Erfahrung bestätigen.
Heia mit Gott! Nun ist er bezwungen Der Fisch, der Fisch, Der köstlichste aller, Ein schmackhafter Waller.
So läßt auch Scheffel in seinen prächtigen Bergpsalmen den fischenden Einstedler ausrufen, wobei allerdings der Zoologe sowohl zu der vom Dichter gegebenen Beschreibung des „Unholds der Tiefe", fowie beim Anblick der von Werners Meisterhand entworfenen Zeichnung bedenklich den Kopf schüttelt und die Vermuthung nicht unterdrücken kann, daß es kein Waller, sondern ein Hecht ist, den der Falkensteinklausner in den kühlen Fluthen des Abersee erbeutet.
Neben diesen „Edelfischen" des Bodensees, zu .welchen auch noch der Zander gehört, der dem Bodensee ursprünglich fremd ist und erst feit einigen Jahren durch die Bemühungen der deutschen Fischereivereine eingeführt wurde, spielen die anderen Schuppenträger des schwäbischen Meeres eine bescheidenere Rolle. Sicher sind Karpfen, Schleihe, Barbe keine zu verachtenden Fische, aber wer Seeforelle und Felchen haben kann, weiß dies natürlich weniger zu würdigen, als der Bewohner fischarmer Gegenden, und so kommt es, daß die Preise dieser Fische nicht zu hoch stehen. Als der beste unter ihnen gilt auch am Bodensee der Karpfen, der aber schwer zu fangen ist, immerhin wird der jährliche Fang im Untersee auf circa 3500 Kilogramm geschätzt; nächst ihm kommen Schleihe, Barbe und Brachsen als Speisefische in Betracht; der jährliche Gesammtertrag aller mag im Untersee auf circa 120000 Kilogramm sich belaufen. Die Brachsen haben noch ein besonderes Jntereffe durch den von Zeit zu Zeit sich ereignenden Maffenfang dieser Fische; es ist keine allzugroße Seltenheit, daß die mit einem Netzzug gefangenen Brachsen Hunderte von Psunden wiegen; so wurden z. B. am 18. Januar 1889 auf einmal 200 Centner im Retz gefangen, und auf über 100 Centner wird die Masse der dem Netz wieder entkommenen Fische geschätzt.
Die übrige Schaar der „grundsatzlosen" Weißfische, um mit Scheffel zu reden, als da sind: Nase, Alet, Hasel, Fünn, Rottel, Langele haben für den Menschen hauptsächlich indirekten Nutzen, insofern sie die Nahrung der Raubfische darstellen und demgemäß auch zum Fang derselben als Köder verwendet werden. Manche dieser Köderfische, zu denen außer Weißfischen, d- h. Cypriniden ähnlichen Fischen, besonders auch Grundel und Grapp dienen, sind die reinsten Märtyrer des Fischfangs; besonders bei dem Fang mit der Hochschnur gehr es ohne Grausamkeit nicht ab, indem der Köderfisch in der Richtung vom Maul zum After durchgespießt wird und nun manchmal tagelang lebend an der versenkten Angelschnur zappeln bleibt, bis der Hecht anbeißt, der nun seinerseits mit Angel im Schlund festgelegt ist.
Auf wie viel mag sich die Gesammtmasie aller der Fische belaufen, die der Bodenfee jährlich dem Menschen liefert? Genaue Angaben lassen sich hierüber nicht machen, da keine absolut sicheren statistischen Angaben vorliegen. Naturgemäß ist die Fischerei im seichteren Untersee wenigstens verhältniß- mäßig bedeutender, als die in dem allerdings weit größeren Bodensee, der aber seiner Tiefe wegen vielen Fischen einen reicheren Schutz zu bieten vermag. So sehen wir auch nach den Angaben Klunzingers, daß am Untersee eine beträchtliche Anzahl gewerbsmäßiger Fischer, nämlich 217, ihrem Beruf obliegen, wovon circa 100 mit Stellnetzen fischen, während im Obersee die Fischerei nicht in so großem Maßstab betrieben wird. Jedenfalls mag sich die Ausbeute an Fischen, die dem Bodensee im Laufe eines Jahres in harter Arbeit entnommen wird, auf viele tausend Centner belaufen.
Zwei nützliche Köhlenbrüter.
Der Star, der auch in diesem höchst strengen Winter bei uns ausgehalten hat, worüber sich gewiß viele Naturfreunde gefreut haben, ist ein allbekannter, ächter Höhlenbrüter. Ein jedes Kind kennt denselben und er ist durchgängig bei Alt und Jung geschätzt und geliebt. Dies hat er seinem munteren, geschwätzigen Wesen und vor Allem auch seiner überaus nützlichen Wirksamkeit zu verdanken. Zwar werfen ihm, namentlich in neuerer Zeit, manche Leute größere und kleinere Sünden vor; allein, wenn wir die Sache näher in Betracht ziehen, so werden wir fast immer finden, daß die Ankläger sehr ost auf eigennützigen, einseitigen Ansichten fußen. Wer dagegen mit klarem, gewiffenhaftem Blick zu beobachten versteht, wer die Lebensweise unseres Lieblings das ganze Jahr hindurch un- parteiisch abzuwägen vermag und vor Allem nicht nur sein persönliches, sondern das allgemeine Wohl im Auge behält, der muß unsern Starmatz lieb gewinnen, der wird ihm freie Wohnung anbieten und ihn freundlich einladen, bei ihm ein- zukehren.
Wir wollen dies hiermit auch thun und bitten dabei zugleich freundlichst unsere Mitbürger und auch die Landbewohner, denen der Star ja ebenfalls unermeßlichen Nutzen schafft, eine recht große Anzahl Starenkästchen aufhängen zu laffen.
Für die Meisen, die auch Höhlenbrüter sind, möchte ich nun noch ein gutes Wort einlegen. Sie stehen unter allen einheimischen Gliedern der gefiederten Welt dadurch hoch obenan, weil sie unstreitig die nützlichsten derselben sind, und sie verdienen daher im wahren Sinne des Wortes Garten-, Feld- und Waldhüter genannt zu werden. Da aber auch bei ihnen durch das Fällen fast aller hohlen Bäume große Woh- nungsnoth an natürlichen Brutstätten eingetreten, so ist es gewiß im Jntereffe der Garten-, Feld- und Waldwirthschaft höchst wünschenswerth, auch diese stets munteren und fleißigen Jnsektenjäger recht reichlich mit Nistkästchen zu bedenken.
Mit Vergnügen bin ich auf Verlangen bereit, über zweck- mäßige Anfertigung und Anbringung der Kästchen nähere Aus- kunft zu geben. Es ist jedoch gerathen, benannte Kästchen baldigst an Ort und Stelle zu bringen, denn bei diesen Vögeln, namentlich bei dem Star, erwacht der Trieb zum Nestbau bei einigermaßen günstigem Wetter schon um Mitte März.
Gießen, den 18. Februar 1893.
H. Curschmann.
Vermischtes.
Zerstreut- Unteroffizier (instruirend): „Portepöe-Fähn- riche sind solche Fähnriche, die ein silbernes Portepee tragen. Schulze, Sie Kameel, was habe ich gesagt?" — Schulze: „Portepee — Portepee-Fähnriche sind solche Fähnriche, die — die kein Silber im Portemonnaie haben."
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Aus der Schule. Ein Kind, das mit seiner lebhaften Phantasie gar zu neuzeitliche Vorstellungen in die Wunderwelt der Bibel hineinträgt, antwortete auf die Frage, woher die Brüder den Aufenthalt des Josef wußten, ganz keck: „Sie hatten es in der Zeitung gelesen." ♦ *
Gemiedlich. (Auf dem Dresdener Bahnhof in Leipzig-) „Här'n Se, Herr Locomotivführer, wär'n Se wohl so freindlich und legten die zwee Siedewärschtchen in 'n Dampf- keffel? Wenn mer in Dräsden ankomm'n, hol' ich se wieder I" * »
Im Zweifel. Gauner (beim Ausfüllen einer Zählkarte) : „Da soll ich nun mein Gewerbe angeben I Sechs Mal hab' ich eingebröchen und sechs Mal bin ich aus dem Gefäng- niß ausgebrochen. Schreib' ich nun Einbrecher oder Ausbrecher ?"
Redactton: A. Scheyda. —. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.


