Ausgabe 
20.6.1893
 
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ntÖ9esa& mich los," stöhnte sie,Du thust mir weh!" Gesteh's, gesteh'«!" donnerte er die Entsetzte an.

Sie wollte sich von dem Rasenden loswinden. Sie hatte beim Nachhausekommen den bequemen Schlafrock angelegt. Das weite schleppende Gewand machte sie straucheln, mdem ste zurückwich. Sie fiel und schlug mit dem Kopf hart gegen eine I Stuhlkante.

Er stand einen Augenblick faffungslor da, als sie vom Schlag betäubt regungslos vor ihm am Boden lag. Sem Zorn hatte der tiefsten Bestürzung Platz gemacht. Er hob sie auf und trug ste auf das Bett in's Nebenzimmer. Seinen Bemühungen gelang es. sie bald in's Bewußtsein zurückzurufen. I Ec kniete bei ihr nieder und fiehte, sie mit den Armen um» I schlungen haltend:Vergib mir! Ich vergaß michI'

Sie erholte sich allmälig und versicherte auf seine angst' vollen Fragen, sie habe sich nicht verletzt, nur der Kopf schmerze sie noch ein wenig. Sie suchte ihn lächelnd zu beruhigen, als er sich nun Vorwürfe über Vorwürfe machte, aber m ihrem innersten Herzen zitterte sie vor ihm- Sie hatte den Dämon in ihm kennen gelernt und wußte, ein Wort, ein unbewachter Blick konnte ihn heraufbeschwören, und sie war schütz' und wehrlos dieser blinden Leidenschaft gegenüber, die ein Nichts entfesseln konnte. So mußte dem Löwenbändiger zu Muthe sein, wenn er im Käfig steht und jeden Augenblick gewärtig sein kann, die Bestie im Thier erwacht und zerfleischt ihn.

Dar russische Schlößchen im Prästdentenpark hatte seinen Herrn verloren; er war an Altersschwäche hinübergeschlummert. I Seine Erbangehörigen, in Pommern ansässiger Adel, betrauten einen Advocaten mit dem Verkauf der ausgedehnten Besitzthums, welches keinen Ertrag lieferte, da es nur aus Park und Garten» land g maten gerade aus Italien zurückgekehrt, um sich in der Heimath häuslich niederzulassen, als das Grundstuck im Tageblatt annoncirt wurde. Anfänglich hatte der Oberst beabsichtigt, bis nach Ostern mit seiner jungen Frau im Süden zu bleiben, den Sommer wollten sie in der Schwerz verbringen und später auf längere Zeit nach Frankreich gehen. Sie sollte ein Stück von der Welt zu sehen bekommen, hatte er geplant. | Sie war mit allen seinen Vorschlägen einverstanden gewesen, aber in einer müden, freudlosen Art, was ihm nicht entgehen konnte. Er hatte sie eines Tages inständig dariru gebeten, ihm ehrlich ihre Wünsche in betreff ihres ferneren Aufenthalts darzulegen. Das Resultat war: man reiste nach Hause. Leo­nore gestand ihm, sie sehne sich über die Maßen danach, ihre Mutter wiederzusehen, ste habe Heimweh nach ihr.

Da» für sich gelegene Schlößchen mit dem schönen Stuck Blumenland und der reizvollen, schattigen Parkwildniß däuchte Strehlen ein geeigneter Erwerb. Er überlegte nicht lange. Der Kauf ward in Kurzem abgeschlossen und der schöne Besitz, der Malten'schen Villa gegenüber, wurde Strehlens Etgenthum. Ein großer Theil des vorhandenen Inventars wurde ausrangirt und durch neue Einrichtung ersetzt. Man konnte schon vor April einziehen. Vorläufig hatten Strehlens in der Friedrich, straße, nicht weit von dem Schönholz'schen Hause, eine fein möblirte Bel-Etage bezogen.

Asta war außer fich vor Freude, Leonore ganz in d r Nähe zu haben. Von Annette von Toffsky hatte ste sich in letzter Zeit sehr zurückgezogen, von ihrer a-rdern Freundin gleichfalls; Erna wurde ihr alle Tage unsympathischer und ihrHerr und Meister" weilte noch immer in Italien. Der Briefwechsel entschädigte ste nur schlecht für seine Abwesenheit ; vergingen doch stets mehrere Tage, ehe ihre Fragen beant» wettet wurden! Unterdessen beschäftigten hundert andere Dinge

das lebhafte Mädchen und sie besaß keine einzige mitfühlende Seele, wie sie sich heimlich vorseufzte.

Sie bestürmte Leonore mit tausend Bitten, sie doch recht oft zu besuchen.Und nicht wahr," bettelte sie,Du erlaubst mir, daß ich zu Euch kommen darf, wann ich will? Wenn es Dir zu viel wird und ich Dich zu arg belästigen sollte, brauchst Du Dich nicht zu geniren und kannst es mir unumwunden er»

wem denn sonst! Gesteh's!" Dabei sauste seine geballte Faust mit wuchtigem Schlag auf den Tisch nieder.

Tödtlich erschrocken durch diesen Wuthausbruch sprang Leonore auf.

Bleib'I" schrie er zornig und umsaßte mit eisernem Griff ihre zarten Handgelenke, daß ste vor Schmerz hätte aufschreien

klären." , , L , ...

Du bist hiermit permanent eingeiaden, einen Tag für alle Tage," hatte Leonore zu ihrem großen Jubel geantwortet.

Der Oberst sah Astas häufiges Kommen sehr gern. Er legte die Feder aus der Hand und verließ den Schreibtisch, hörte er ihr helles Lachen. Er und Leonore vermißten sie, blieb sie einmal zwei Tage aus. Er schickte dann hinüber, ob sie nicht seiner Frau und ihm ein wenig Gesellschaft leisten wolle. In der ersten Zeit hatte ihn ihr ewige» Fragen nach Werner recht lästig und unangenehm berührt. Um sie ver» stummen zu machen, neckte er sie mit ihrer Neigung für den Vampyr. ,.v > .,

Da wurde sie Feuer und Flamme, pflanzte sich tu ihrer ganzen Größe - sie ging Strehlen knapp bi» zur Schulter vor ihm auf und hielt ihm eine lange hitzige Vertheidigungs» rede ihrer Freundschaft. Sie wäre ein rhetorische» Meisterwerk gewesen, diese Rede, hätte sich Asta nur nicht dermaßen er» eifert, daß sie den Faden verlor. Sie verwickelte sich in ein endloses Satzgefüge und blieb mit einem ärgerlichen:Zum Kuckuck, was habe ich denn eigentlich gleich sagen wollen? stecken. , ...

Leonoren waren vor Lachen und mehr noch vor gewaltsam aussteigender Rührung Thränen in die Augen getreten. Einem i unwiderstehlichen Impulse gehorchend zog sie Asta stürmisch an sich und küßte ste mehrmals.Du wirst ihn glücklich machen und für alles ausgestandene Leid entschädigen, Du mit Deinem warmen, raschen Herzen!" war ihr Gedanke dabei.

Der Oberst war höchlichst ergötzt über dar kampflustige junge Ding.Bist ein ganzer Kerl, Kleine! Hättest ein Bub werden sollen!" rief er vergnügt, faßte ste bei den Schultern und blinkte ihr ermuthigend zu.Ich werde Dir tapfer zur Seite stehen und Bresche schießen, wenn es einst gilt, Deine Freundschaft zu vertheidigen. Verlaß Dich nur auf mich. Meine Hand darauf, ich helfe Dir durch; Dein treuer Bunde», genösse, bi» der Feind die Waffen streckt!"

Asta sah ihn verwundert an und verstand nicht, was er damit meinte. , ,, . - .

^hm war bei ihrer Erregung eut Stachel aus dem Herzen I genommen. Es war sonnenklar: Asta liebte den Maler und umsonst schrieb ihr Werner auch nicht jeden dritten Tag. Er wollte seiner Zeit die Sache unterstützen, nahm er sich vor; denn voraussichtlich würde die Kleine einen schweren Stand haben, ihrer Wahl für den Bürgerlichen Geltung zu verschaffen. Strehlen fand, feit dem regen Verkehr mit der zutraulichen, immer lustigen Asta war seine Frau heiterer, gesprächiger und entgegenkommender geworden- Sie thaute unter dem sonnigen Einfluß der jungen Freundin förmlich auf. Ein behagliches Glücksgefühl schlug in seiner Brust Wurzel. Er empfand die kleinen Gebrechen weniger, die ihm vom Kriege her anhasteten; selbst die rheumatischen Schmerzen, die ihn manchmal arg heim» suchten und sich besonders in dem Bein, welches einst die Kugel empfangen, fühlbar machten, vermochten ihn nicht dauernd zu verstimmen^ und der Geburtstag der Fürstin.

Er sollte, wie alljährlich, durch einen großen Hofball gefeiert werden, dem andern Tages eine Festvorstellung im Theater folgte. Leonore ging in Weiß; sie trug ihr damastene» Hoch' zeitskleid. Blaßrothe Akazienzweige und Perlenschnüre um Hals und Arm vervollständigten ihre Toilette.

Asta hatte auf ihren Rath mattrosa Atlas mit Spitzem Überwurf und Maiglöckchen gewählt. ~

Sie gleicht in ihrer holden Lieblichkeit der zarten Früh' lingsblume, die sie trägt, und doch" Götz wandte sich mt ' männlicher Energie ab. Er wollte sie nicht sehen, den G ; | dankengang nicht weiter sühren. Zum Unglück fiel ihm Esi