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1893,
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NntevhaLtusrgsblatt 311m GLetzenev Anzeigev (GsMsval-Anzeigev)
Samstag, den 20. Mai.
Pfingsten!
Wie klingt ein selig' Lenzesrauschen So wunderbar durch Wald und Hag, Daß frohergriffen wir ihm lauschen Zum lieblich-frohen Pfingstentag — Wie grüßt aus Thälern und von Höhen Uns heute ein so neuer Geist, Der uns in seinem lichten Wehen Auch neue, reine Pfade weist!
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O-> Pfingsten, gieße deinen Segen Weitaus inmitten Frühlingsmacht — Selbst an den dornenvollsten Stegen Glänz' deine heil'ge Blüthenpracht — Wirf durch die Lande deine Strahlen Weithin bis zu der fernsten Au, O mach' vergehen alle Qualen Durch deinen wahren Maienthau!
Willkommen d'rum, du Fest der Maien, O zieh' in jedes Haus hinein, Und laffe Alle sich erfreuen An deinem milden Gnadenschein — Dann ist auf's Neue ausgegoffen Das Licht der Liebe, hell und klar, Da» einst erlösend war gefloffen Hernieder auf die Jüngerschaar!
Benno Neuendorf.
Das große Loos.
. Original-Novelle von Leo Werner.
(Fortsetzung).
, Das junge Mädchen, das nunmehr in eine entsetzliche Zu« kunft blickte, verfiel letzt rn ein krampfhaftes Schluchzen und sank auf einen Stuhl. Nach einigen Minuten erhob sie sich aber wieder, trat mit erhobenem Haupte vor den Vater und sagte mit zuversichtlicher Stimme: „Ja, unser Unglück ist groß, sehr groß, Vater, aber daß uns in demselben Ludwig Malten verlassen sollte, daran glaube ich nie und nimmer, denn dafür
habe ich von seinem Character eine viel zu hohe und edle Meinung!"
„Gebe Gott, daß Dich Dein Herz nicht betrügt," erwiderte Herr Hülsemann, „und daß meine böse Ahnung nicht in Erfüllung geht!"
„Du darfst nicht zu schwarz sehen, Väterchen," tröstete jetzt die Tochter den beklagenswerthen alten Herrn, „im größten Unglück naht uns auch sehr oft noch Rettung, ein gutes deutsches Sprüchwort sagt sogar: Wo die Noth am größten ist, da ist Gottes Hilfe am nächsten."
„Ja, ja, man sagt das," entgegnete mit einem wehmüthi- gen Lächeln der Greis, „aber ein anderes Sprüchwort, welches leider nur oft zu wahr ist, sagt auch: Ein Unglück kommt selten allein! Und zu unserem Unglück ist schon längst ein zweites gekommen, denn ich habe in letzter Nacht nicht nur mein Bergwerk, sondern auch meinen Credit und meine Freunde verloren. Denn wo sind die Männer geblieben, die mir vielleicht noch hätten helfen können? Der Commerzienrath Malten, der Bankier Leixner, der Bankier Buchhold, die Großkaufleute Künnemann und Andere? Keiner ist gekommen, um mir in dem Unglück zu helfen, wohl werden sich aber bald meine Gläubiger melden und ich werde meine Insolvenz anmelden müssen. Dar ist die schreckliche Fortsetzung meines Unglücks!"
„O, lieber Vater, verzage noch nicht vollständig, Ludwig Malten wird uns nicht in unserem Unglück verlassen, das glaube ich sest."
„Nun, ich will Dir Deinen Glauben nicht nehmen, Käth- chen, und will mit Dir annehmen, daß Ludwig Malten ein edler, treuer Mann ist, aber mit Treue und Edelmuth allein kann er uns nicht aus diesem Unglücke befreien, und wenn er nicht seinen Vater und andere einflußreiche Männer dazu bewegen kann, für die Erhaltung meines Credites einzustehen, so bin ich dennoch ruinirt."
„Ich vertraue auf Ludwig und hoffe viel von seiner Treue und feiner Liebe zu uns," betheuerte das junge Mädchen, und die Hände faltend, fügte sie hinzu: „O, ewiger, allgütiger Gott, laß mich nicht an dem Manne meines Herzens irre werden, ich müßte ja sonst den Glauben an Menschenliebe und Treue für immer verlieren!"
„In dieser Hinsicht muß man sich leider auf die schlimmsten Enttäuschungen gefaßt machen," bemerkte leise der schwer geprüfte, verzagte Greis, „denn seit dem Ausbruche des Unglücks auf der Felix-Grube habe ich noch nicht gemerkt, daß ich noch Freunde habe. Die Katastrophe ist freilich auch eine furchtbare, und wer den Schachtsturz und den gähnenden Abgrund, in welchen unaufhörlich die Wasfermaffen stürzen, sieht, gibt natürlich das Bergwerk verloren, wie ich e» auch selbst


