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Vermischtes»
Gemeinnütziges.
Praetifche Winke für Sparsame Hausfrauen.
1) Vor dem Wegstellen der Feuerungszeräthe nach beendigter Heizzeit empfiehlt es sich, Schaufel, Schürhaken und Kohlenbehälter auszuspülen, sie dann gut in der Sonne trocknen zu lassen und sie hierauf mit Petroleum zu bestreichen. Diese einfache Methode schützt die genannten Geräthschaften den Sommer über vor Rost- 2) Fensterleder müssen nach dem Gebrauch rein ausgewaschen und zum Trocknen aufgehängt werden; jedoch sind sie nachher in noch halbfeuchtem Zustande zusainmenzurollen und wegzulegen, sonst werden sie hart und brechen leicht- 3) Silberne Löffel und überhaupt Silber- geräth, welches nicht täglich im Gebrauch ist, bleiben vor dem sogenannten Beschlagen bewahrt, wenn man sie in weiches, mit fein pulverisirter Kreide bestreutes Papier einwickelt. 4) Zahnbürsten darf man nach dem Gebrauch nie in geschlossenem Raum aufbewahren, sie müssen vielmehr offen hängen oder liegen, damit sie bald und gut austrocknen.
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Den Holzwurm in Möbeln kann man — wenn thunlich, — durch Eingießen von Petroleum, Benzin, Naphthalin, Schwefelkohlenstoff, Jnsectenpulvertinktur, durch Jmpräg« niren (Kyanisiren) des Holzes mit Quecksilber-Sublimat (giftige Dämpfe!) vertilgen. Ein weiteres Mittel soll darin bestehen, an passenden Stellen der Möbel (im Innern des Kastens) dünne Brettchen von Erlenholz anzubringen, welches Holz die Würmer lieben und wohin sie sich zurückziehen, um dann vertilgt zu werden.
Zierpflanzen, die an faulenden Wurzeln kranken und zu verderben drohen, lassen sich in vielen Fällen retten, wenn man die Erde mit zerriebener Kohle — am besten von hartem Holze — vermischt. Die Kohle, als Streupulver benutzt, ist auch im Stande, größere Wunden an Saftgewächsen zur Heilung zu bringen.
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Härungs-Rouladen (Rollmöpse). Fette Häringe, womöglich nur milchens, legt man einen Tag in Wasser und einen Tag in abgeschöpfte Milch, schneidet den Kopf, die Flossen, sowie die Haut ab, spaltet sie der Länge nach, entfernt die Gräten und bestreicht jede Ftschhälfte auf der Innenseite mit einem Gemisch von feingehackten Capern, Chalotten, Citronen- schale und etwas Senf; dann rollt man die Ftschhälsten zusammen und steckt ein Holzstiftchen hindurch. Die Häringsmilch wird zu Brei zerhackt, in Essig zerquillt und über die in einen Steintopf gelegten Fisch-Rouladen gegossen, zu denen man noch einige Citronenscheiben und ein paar Löffel Capern, Lorbeerblätter und Pfefferkörner thut. Nach sechs Tagen sind sie schon genügend marinirt. Beim Anrichten mischt man etwas Salatöl unter die Sauce.
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Fleischbrühe mehrere Tage aufzubewahren. Jede Hausfrau weiß, daß man von einem großen Fleischstück eine ver- hältnißmäßig viel kräftigere Bouillon erhält, als wenn man von der gleichen Gewichtsmenge Fleisch wiederholt die gleiche Quantität Brühe kocht. Um diesen Vortheil ausnutzen zu können, koche man gleich für mehrere Tage die erforderliche Bouillon, fülle sie in Weinflaschen und verschließe sie oben zunächst mit einer fingerdicken Schicht von Rindsfett oder Butter, um die Bouillon hermetisch abzuschlteßen. Wenn diese Fettschicht erstarrt ist, verkorkt man die Flaschen und bindet ein Stückchen Watte darüber.
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Wurst und Schinken, welche angeschnitten sind, verbinde man an der Schnittfläche mit einer Scheibe geräucherten Specks. Dadurch wird ein Austrocknen verhindert.
Die Toiletten der künftigen Fürstin von Bulgarien. Aus Paris wird dem „Wiener Tagblatt" geschrieben: „Die Toiletten, welche zum Trousseau der Prinzessin von Parma, Braut des Fürsten Ferdinand von Bulgarien, gehören, sind eine Sammlung von zehn vollkommenen Wunderwerken. Da ist vor Allem ein Reisekleid, aus grau-lila Changeant-Wollstoff, ganz besetzt mit licht goldbraunem Sammet. Die Taille ist im Ton des Kleides gestickt, mit einer Chemisette aus dem gleichen Velour glace, ein Sammet, der sehr dünn, sehr leicht, sehr weich ist und jetzt vielfach zu den reizendsten Toiletten verwendet wird. Dieser Sammet ist eine Erfindung aus der allerletzten Zeit, die kaum dem gleichnamigen Gewebe ähnlich sieht, das früher für Kleider wenigstens nur ganz glatt verwendet werden konnte, da es sonst viel zu schwer war. Nach der Reisetoilette die Besuchstoiletten. Die eine ist aus grauem Satin glace mit langer Schleppe, die mit gelben Federn besetzt ist. Der Sattel ist auf grauer Seide gestickt, mit Einsätzen aus gelbem Grosgrain. Der Devant, gleichfalls aus gelbem Grosgrain, ist mit Renaissance-Spitzen bedeckt. Die Aermel sind sehr reich geschnitten, aus grauem Atlas mit gelbem Federnbesatz. Ein kleiner Hut vervollständigt diese Toilette; als ganzen Aufputz hat der Hut Maschen aus gelbem Allas, in denen zwei mattsilberne Aigretten stecken. Die zweite Besuchstoilette ist noch viel eleganter, das Kleid aus licht himmelblauem (couleur ciel de mai) Seidencrepe, die Taille griechisch drapirt, mit einem Sattel aus venetianischer Guipure. Als Gürtel dient ein einfaches Goldband, mit Steinen besetzt. Ein reich drapirter Umhangkragen aus dem Stoff des Kleides und ein großer Rembrand-Hut aus schwarzem Reisstroh mit mehreren schwarzen Straußfedern gehören zu dieser Toilette. Die „Gar- den-Parties" sind natürlich nicht vergessen worden. Das Kleid für solche Veranstaltungen ist aus weißem Cräpon mit Einsätzen aus weißer Guipure, durch welche man das Unterkleid aus zart rosafarbenem Taffet durchsieht. Von reizender Einfachheit ist ein Hauskleid, Genre Marie Antoinette, regenbozm- färben, mit einem Fichu aus weißem Tüll. Zwei Toiletten sind für intime Diners bestimmt, ein Directoir - Costüm aus Pekin mit ziemlich breiten rosa und weißen Streifen und großem Revers, der Devant ist aus weißer Seidenmousseline. Das zweite Kleid ist aus silbergrauem Atlas, reich drapirte Taille mit einem Knoten auf der Brust. Sehr originell ist ein Kleid Genre teagown für den Fünf - Uhr - Thee. Das Unterkleid, in Prinzeßform geschnitten, aus wassergrünem Atlas, darüber ein Spitzenhemd, festgehalten durch mehrere Perlen- reiben, die in Festons herabhängen. Ungcheure Aermel aus Velours glace vervollständigen dieses Costüm. Eine große Gala-Touquets, ganz japanisch in Farbe und Zeichnung. Das Kleid ist ganz glatt, nur mit einer Spitzenberthe am Ausschnitt. Schließlich ist noch eine sehr elegante Soiree-Toilette zu erwähnen» enganliegend, aus einem Atlasstoffe, der vollkommen an die Farbentöne der Perlmutter erinnert. Der Devant ist aus Duchessespitzen mit Perlenstickerei und Orchideen in Rokokostickerei.
Das Schnapshuhn. A.: „Wie? Sie füttern Ihre Hühner mit Nordhäuser und Zucker?" — B.: „Ja, ich will doch sehen, ob nicht eins 'mal'n fertigen Knickebein legt!"
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Sonderbares Sparsystem. Theaterkassier (zu einem Bekannten): „... Bei uns werden jetzt großartige Ersparungen gemacht! ... Sie glauben gar nicht, was uns das - Geld kostet!" ♦ ♦
Zeitbild. 91.: „Sie schauen aber schlecht aus!" - B.: „Ja, der Fasching hat mich so angestrengt!" — A.: „Haben Sie denn so viele Bälle besucht?" — B.: „Nein! Aber ich bin Beamter im Leihhaus!"
Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.


