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Marie hatte ungeduldig wartend neben ihm gestanden, jetzt brach sie hervor: „Vater, daß Ihr mir da» anthun könnt und an Erich zweifeln, das kann ich nicht verstehen und —" Sie brach ab, aber auch der Pastor warf sich zu Erich» 93er«
Dn «uiwv »Nit, „und ich denke, da» wird Euch auch noch klar werden. Ihr macht Euch viel Sorge und Angst, Vater Locke," fetzte er nach einer kurzen Paufe freundlich hinzu, indem er feine Hand faßte, „habt Ihr denn Euer schöne» Wort vergeßen: es kommt Alles, wie es fein soll, das heißt, wie Gott es schickt- Auch die Zukunft Eurer Tochter könnt Ihr seinen treuen Händen anverlrauen; sie ist fleißig und verständig, und sollte sie einmal Rath und Hilfe gebrauchen, fo stehen sie ihr im Pfarrhaus zu Willnick jederzeit bereit." Er hatte in dieser Weise noch weiter gesprochen; als er dann out- aebrochen war, hatte ihn Marte bi» zur Thür begleitet- „Ich danke Ihnen vielmals, Herr Pastor," hatte sie in einfachster Weife herzlich gesagt, als er den Rückweg antrat.
Dies Ereigniß war dem Pastor heute und gestern wenig aus den Gedanken gekommen, er dachte auch jetzt daran, air er unter seinen Rosen umherwandelte, und er brachte Eciqr Blld damit in Beziehung, wie er ihn heute gesehen hatte, o » er zu einem Amtsgeschäft in Crumbach gewesen und ihm begegnet war. Der traurige Blick der. großen, dunkeln Augen hatte ihn schon ost schmerzlich bewegt, auch heute veranlaßte er ihn zu einem fast ungeduldigen: „O Herr, wie io lange, während er zum Himmel aufblickte, wo der Widerschein de letzten rothgoldenen Sonnenstrahlen langsam verglühte-
Ein blondlockige» Mädchen kam fröhlich den ® arten! teig entlang gelaufen- „Papa, Papa, e» ist eine Frau in Deine Stube, die nach Dir gefragt hat." _ h
„Wer ist's, Mäuschen?" fragte er, die kleine Hand iE „Das hat Mama nicht gesagt, und ich kannte sie nicht,
I als sie auf den Flur kam."
angen, schweren Stunden hindurch, und auch die seinen schien I theidiger auf. Er legte die Hand auf den Arm des Alten: er geflohen zu haben, denn als sie beim Frühstück zusammen« „Vater Locke, könnt Ihr einen größeren Beweis für Erich» trafen, sah sie die dunkeln Schatten unter ihnen und bemerkte Unschuld verlangen, als daß die Frau bei ihm Zuflucht gesucht den matten Ausdruck des bleichen Gesichts. Er hatte kein und gefunden hat, die ihm fein Leben verwüstet hat? Ich kann heiteres Wort für Ering, als er am Nachmittag erschien, nicht einen unter meinen Freunden oder Gemeindegliedern wenn er auch sanft und freundlich zu ihm sprach, als er ihm nennen, der höher in meiner Achtung stände, als Erich Hagen, auseinandersetzte, daß er ihn heute nicht mit hinausnehmen Er sah Maries Augen freudig au leuchten, und auch der könne, da er die ganze Nacht mit seinem Boote auf der See I Alte wurde nachdenklich, aber dann schüttelte er den Kopf, bleiben müße und vielleicht erst am Abend des nächsten, mög« „Ja, ja, es mag wohl fein, sagte er langsam, »aber er licherweise auch erst am übernächsten Tage nach Hause kommen hat kein Wort gesprochen und Marie kann sich chm doch nicht werde. „Und das ist noch nichts für einen so kleinen Menschen, an den Hal« werfen. Und Malte kommt alle Tage zetzt und wie Du bisi Erina" ist um sie herum und bettelt um jeden Blick. Er hat sein
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wie um zu überlegen und Klarheit zu gewinnen. „Ich muß Herr von israsyagen. t,, ief ber Pastor
es thun," sagte sie dann halblaut vor sich hin, „ich muß Ge« -Md das hat er Euch zu sagenl gewag^ Ast versuch
ber Straße zu. I bem jebe8 eb[e Hxxz nur Abscheu fühlen kann, wollt Ihr da«
arme Mädchen zwingen, das die Liebe zu einem Andern in bet
Pastor Helfer verbrachte die Dämmerstunde des Sommer« Seele trägt?" und er nahm freundlich die Hand der Marie, abends in seinem Garten. Dort zwischen seinen Lieblinge^ die neben ihm stand. „ . .
den Rosensträuchern, die zwar noch nicht in Blüthen, aber doch „Ich kann's nicht thun, Vater, ich kann« nicht, sagte in Knospen prangten, umher wandelnd, überdachte er noch sie leise und legte die Hand über die Augen.
einmal und erwog in treuem Sinn, was ihn seit gestern leb« „Nee, Herr Pastor," meinte der alte Äscher ruhig, „sie haft beschäftigt hatte, wo er einen Besuch bei dem alten zwingen, das will ich ja nicht, aber es ist einem Vater ntcgt Fischer Locke auf dem Höwt machte. Der früher so gesunde zu verdenken —"
Mann war in letzter Zeit viel leidend gewesen, und es that „Ich denke, es ist ihm sehr r» verargen, wenn er dar ihm wohl, wenn er allerlei weltliche und geistliche Angelegen« Wohl einer guten Tochter in solche Hände legen will, sagü heilen mit seinem Pastor besprechen konnte. Gestern war er ber Pastor ernst, ®,,A n,,A
ganz besonders von ersteren hingenommen gewesen, und da er " ......•— ~
seinen Besucher bereit gefunden hatte, mit freundlichem Ver« ständniß auf sie einzugehen, hatte er ihm in seiner offenen Weise Alles mitgetheilt, was ihn beschäftigte. „Sehen Sie, Herr Pastor, es ist wegen der Marie, ich möchte sie nicht so I allein und unversorgt auf Erden zurücklaffen." Marie, welche am Fenster saß, stand auf, um das Zimmer zu verlaßen, aber der Vater hielt sie zurück. „Das ist nicht nöthig, Marie, daß Du gehst," meinte er, „da brauchst Du Dich zu schämen, auch nicht vor Herrn Pastor, daß ich ihm das sage, wo ich leinen Rath hören möchte. Es ist um Erich Hagen, Herr Pastor, und daß Marie ihm gut ist, und ich kann ihr's nicht verdenken, denn er ist ein stattlicher Mensch und ein Mann, wie er sein soll. Er hält auch viel von ihr, das kann man ihm ansehen, wenn er hier ist, denn er läßt die Augen nicht von ihr und ich hab' immer gedacht, er wird was davon sagen, aber er hat'» nicht gethan. Nun mein' ich, wenn er ein gutes Gewißen hätte, — Sie wißen, Herr Pastor, wie e» um ihn steht, — da hält' er wohl gesprochen: „Marie, ich habe Dich lieb und willst Du meine Frau werden?" Und ich hätte^ nichts dagegen gehabt, wenn er auch ein Schiffer ist, denn er ist doch eigentlich von Geburt ein Landmann. Aber kein Wort kommt über seine Lippen, wenn man auch steht, daß sein Herz voll ist, und das gefällt mir nicht!"


