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Drenstag, den 19. September.

Nr. 110.

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Das Erbe.

Preisgekrönte Erzählung von R. Blankenburg.

(Fortsetzung.)

Seltsame Tage waren es, die für das Fischerhäuschen begonnen hatten. In der Wohnstube war für die Mutter ein Bett hergerichtet worden, man bemerkte überall ihr sorgsames Walten, denn Ordnung und Sauberkeit, die vordem nur in geringem Grade vertreten gewesen waren, herrschten, aber zu einer rechten Behaglichkeit schien es bei beiden Bewohnern nicht kommen zu können. Erich machte sich bei dem schönen Wetter viel im Freien zu schaffen mit dem kleinen Stückchen Feld, das zu dem Hause gehörte, oder er war viele Stunden hinter einander auf der See. Wenn er dann zurückkam, war er ernst und von Gedanken hingenommen. Die Mutter sorgte und arbeitete daheim; sie hatte sich seiner vernachlässigten Wäsche angenommen, und wenn sie nichts anderes zu schaffen Halle, so saß sie mit dem Strickzeug und die Nadeln flogen in ihren fleißigen Händen. Ering kam täglich, ob sein Vater nicht wagte, den Verkehr mit der Großmutter ganz abzubrechen oder ob er ihn nicht bemerkte? und seine sonnenhelle Gegenwart erfreute die Beiden, die so still neben einander hergingen und schweigsam wurden, sobald sein heiteres Lachen nicht mehr das Stübchen durchschallte. Und doch sah Erich oft, wenn er er* müdet heimkehrte und in der Dämmerung still am Fenster saß, daß die Augen der Mutter auf seinem Gesicht hafteten, aber wenn er dann seine Blicke auf sie richtete, so wandte sie sich ab mit jenem scheuen, verschloffenen Ausdruck, der ihm weh that, weil er ihr früher nicht eigen gewesen war. Ob sie sich fort von ihm sehnte aber sie hatte ihn gebeten, bleiben zu dürfen; ob seine Gegenwart sie quälte aber ihr Sorgen und Denken «m auf seine Wohlfahrt gerichtet. Er hatte es kaum für möglich gehalten, daß die Angst, die er auf ihrem Gesicht gelesen hatte, als er einmal zu ungewohnt später Stunde von der See heimkehrte, ihm gegolten habe, aber er wußte es letzt, denn er hatte dieselbe Unruhe darin gelesen, als Ering einmal einen Tag ohne seinen gewöhnlichen Besuch hatte vorübergehen lasten. Ihre unerwartete Theilnahme that ihm wohl gerade jetzt, wo die dunklen Stunden in verdoppelter Schwere zurückgekehrt waren, wie die Wolken nach dem Regen. Wo war das Licht geblieben, das an jenem Morgen über seinem Lebenspfad aufzugehen schien, als die Mutter zuerst bei ihm weilte? Was hatte er gehofft und ersehnt, als er sie in fein Haus führte? War es Thorheit gewesen, Egoismus und Selbstliebe, die damals seine Seele erfüllten, hatte er noch nicht

Stille und Ergebung gelernt? Jedermann int Dorfe sprach davon, daß Malte um Maries willen mit der Mutter in Streit gerathen war, Jedermann erwartete, sie werde als Hausfrau in Grashagen einziehen, nicht als seine geliebte Gattin, wie es hätte sein sollen, nein, mit Malte verbunden. War's zu ver* wundern, daß Erichs Herz schwer war, daß er nichts von der Schönheit des Sommerabends bemerkte, in den er am Fenster sitzend hinausschaute? Ein Geräusch weckte ihn aus seinem Sinnen, sich umwendend sah er die Mutter an seiner Seite stehen.

Erich," begann sie unvermittelt-ist es wahr, was die Leute im Dorf sprechen, daß Malte um Marte Locke freit?"

Erichs Antwort kam in einem seltsam heiseren Ton. Ich dachte, er hätte es Euch schon gesagt, Mutter; es mag für Ering das Beste sein und auch für ihn."

Und ist es auch wahr, Erich, daß Du sie lieb hast und gern zu Deinem Weibe haben möchtest?" fragte sie schnell. Sie hatte die Hand auf seine Schulter gelegt, aber er stand so hastig auf, daß sie herabglitt.

,,34 habe sie lieb von ganzem Herzen, aber wie könnte ich mir herausnehmen, um sie zu werben?"

Und warum nicht?" rief sie lebhaft.Du mußt es thun, Erich, wenn sie Dir werth ist; Du darfst nicht zugeben, daß das unschuldige Mädchen sich Malte zum Opfer bringt, Du mußt dazwischen treten!"

Was weiß ich von Malte?" war seine Antwort,was kann ich gegen ihn vorbringen, wenn der Vater und Ihr ihn der einzigen Tochter würdig gehalten habt?"

Sie zuckte zusammen.Ich, es waren Verhältnisse," Er hörte nicht, er fuhr erregt fort:Was kann ich ihr bieten? Ein dürftiges Leben von der Hand in den Mund unter viel Gefahren, einen befleckten Namen, bei dem die Leute den Kopf schütteln! So lange das Brandmal des Dieb­stahls mir aufgedrückt bleibt, kann und darf ich ihr nicht von Liebe sprechen, und wenn mein Herz darüber in Stücke bricht. O, Mutter, Mutter, warum habt Ihr mir das gethan?" Er legte beide Hände vor das Gesicht, und sie sah, wie der starke Mann im Schmerz erbebte. Ein heißes, brennendes Weh durchzuckte sie, aber ihre Lippen blieben geschloffen. Er wandte sich von ihr und verließ das Zimmer. Die Nacht war tief herabgesunken, als er endlich wieder zurückkehrte, bleich und mit verstörtem Aussehen. Sie erwartete ihn.Du hast nichts zum Abendbrot gegessen, Erich," sagte sie,willst Du nicht etwas nehipen?" Er schüttelte den Kopf.Gute Nacht," sagte er, ohne ihr wie sonst die Hand zu reichen, in» dem er durch die Stube und in seine Kammer schritt.

Gute Nacht!" Kein Schlaf kam in ihre Augen die