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SM wieder hergestellt worden. Und es sind keine üblen Folgen von ihren Verletzungen zurückgeblieben — nicht wahr?"
„Sie wird durch die Narben der Brandwunden auf Stirn und Wangen dauernd entstellt bleiben, und ein wohlhabender Bursche des Dorfes, der ihr in den Tagen ihrer Schönheit versprochen hatte, sie zu heirathen, ist infolge dessen bereits von dem heimlichen Verlöbniß zurückgetreten. Der alte Meh- nert hat eben Unglück mit seinen Kindern."
„Wie abscheulich ist das l" rief Monika in aufrichtiger Entrüstung. „Also nur ihr Gesicht war es, das er geliebt hatte?"
„Verurtheilen Sie ihn nicht zu hart, Fräulein Monika I" mahnte Doctor Asmus bitter. „Welchen Ausdruck des Un- willens müßten Sie dann erst für Diejenigen haben, für die es nicht einmal eines wohlgebildeten Antlitzes bedarf, sondern die schon einer wohlgefüllten Brieftasche ihre Liebe —"
Er vollendete nicht, denn ein lauter Aufschrei aus dem Munde Edithas, die etwa um fünf Schritte vor ihnen ging, machte ihn in jähem Schrecken verstummen. Er sah ihre schlanke Gestalt wanken und dann in die Arme Neukamps sinken, der zugleich mit mächtiger, weithin schallender Stimme rief:
«Zu Hülfe I — Haltet den Mörder!"
Aber an die Verfolgung des Mörders, von dem nirgends etwas zu erblicken war, dachte in diesem Augenblick Niemand aus der kleinen Gesellschaft.
(Fortsetzung folgt.)
„cheffiegettes!"
Eine Saisonplauderei von Silvester Frey.
(Nachdruck verboten.)
„Nein, diese Fliegen!"
Meine anmuthige Begleiterin zog das seine Battisttuch hervor und suchte sich durch Schläge, welche sie bald nach dieser, bald nach jener Richtung austheilte, der zudringlichen Gesellen zu erwehren.
Die Galanterie erforderte es schon, daß ich ihr bei dieser Beschäftigung, für so erfolglos ich sie auch hielt, Hilfe leistete.
Wir waren etwas abseits von der übrigen Gesellschaft gerathen, mit welcher gemeinsam mir diesen Ausflug unternommen hatten. Während die Uebrigen, hier und dort still stehend, um einen Käfer zu betrachten oder den characteristischen Wuchs eines Baumes, ein wenig zurückblieben, waren wir gleichmäßig vorwärts geschritten. Meine hübsche, kluge Begleiterin verstand es, die Fäden der Conversation so geschickt zu spinnen, daß man sofort darin verstrickt war. Zu dem Zauber, welchen ihr gesammtes Wesen ausströmte, kam der feinere und gewiß nicht geringe, daß sie allerliebst zu plaudern verstand.
„Wenn nur diese Fliegen nicht wären!" rief sie ärgerlich, indem sie von Neuem das Taschentuch hin und her bewegte.
„In diesem Augenblick möchte ich die Thiere sogar beneiden!"
„Inwiefern?"
„Lieber Himmel! Das liegt doch auf der Hand! Denken Sie sich das Vergnügen, tief in Ihre Augen blicken zu dürfen, Ihre blühenden Wangen zu streifen, Ihre knospenden Lippen zu küssen."
Sie hob drohend den kleinen Finger.
„Sprechen wir von etwas Anderem!"
„Nein, bleiben wir bei den Fliegen!"
„Meinetwegen also! - In jedem Falle jedoch bitte ich Sie, dem Gespräche eine andere Richtung zu geben! - Ich möchte etwas Ernstes, Gediegenes hören, keine landläufigen Schmeicheleien! — Sagen Sie mir also, mein Herr Doctor, wie es kommt, daß mich gerade diese unverschämten Thiere in einem fort belästigen, während Sie, wie ich zu meinem Unwillen bemerke, weit mehr von ihnen verschont bleiben?"
Sie war stehen geblieben.
„Gestatten Sie mir, mit einer Anecdote zu antworten?" versetzte ich.
„Wenn sie zutreffend ist!"
„König Georg II. von Großbritannien rief einst bei der Tafel in Gegenwart einer Schaar seiner Höflinge, als ihn eine Fliege fortwährend belästigte und nach jedesmaligem Fort» scheuchen immer wieder auf seine Nase zurückkehrte, im größten Unwillen: „Ich beherrsche doch drei große Reiche! Hast Du böses Thier denn darin gar keinen anderen Platz, als gerade meine Nase!"
Ich sah deutlich, wie ein lachender Zug über das Antlitz meiner hübschen Begleiterin fuhr. Dabei bewegte sie die Rechte nach der eigenen Nase, wie wenn sie eines dieser lästigen In- secte in diesem Augenblick von dort verjagen müsse. Gleich darauf lachte sie hell auf.
„Nun treiben Sie geradezu Ihren Spott mit mir! Wissen Sie, daß das gar nicht schön von Ihnen ist! Ich meinte, Sie würden mir etwas recht Sachliches, Gediegene» mittheilen! Wozu unterhält man sich mit Euch Herren der Schöpfung, wenn Ihr nicht einmal im Stande seid, uns vom schwachen Geschlecht einen Theil Eures Wissens und Eurer Gelehrsamkeit abzugeben!"
Ich verbeugte mich ceremoniell.
„Sie geloben also Besserung?"
„Ich kann sofort mit meinem Vortrage beginnen!"
„Sie sollen eine aufmerksame Zuhörerin an mir finden!" „Unsere Stubenfliege heißt auf lateinisch Musea domestica. Alle Mittel, welche man gegen sie anwenbet, pflegen sich nicht zu bewähren. Das beste ist, man nimmt trockene Kürbisblätter, zündet sie in dem Zimmer an, wo sich die Fliegen befinden, und räuchert sie durch den entstehenden Qualm hinaus. Will man Gegenstände vor ihnen beschützen, so muß man sie mit Lorbeeröl bestreichen. Hätte also König Georg II. von Großbritannien seine Nasenspitze auf diese Weise geschützt —"
„Sie fallen schon wieder in Ihren scherzhaften Ton zurück." „Verzeihung! — Ich werde mich also bemühen, bei der Sache zu bleiben!"
„Vielleicht kennen Sie noch einige recht wirksame Mittel, mit welchen man den Fliegen ohne große Mühe den Garaus machen kann! Sie wissen, meine Wohnung hat einen Vordergarten. Von diesem aus überfluthen diese garstigen Thiere die gesammten Räume geradezu in Schaaren. Ich bin gezwungen, einen steten Krieg wider sie zu führen."
„Es ist vielleicht besser, Sie schließen Frieden, indem Sie sich diesen Gegnern auf Gnade oder Ungnade ergeben."
„Soll das in der That heißen, daß es unmöglich ist, sich ihrer mit Erfolg zu erwehren?"
„Es waren einmal —"
„Sie antworten mit einem Märchen —"
„Mit einer Fabel aus dem Thterreich, wenn Sie mir gütigst die Erlaubniß ertheilen.....Also es waren einmal
vier Fliegen, die hatten Hunger. Die erste machte sich über eine Wurst her, denn diese schien zum Fressen schön. Allein die Fliege starb an Dünndarmentzündung, weil die Wurst mit Anilin gefälscht war. Die andere Fliege naschte am Mehl; und siehe da, sie verendete an Magenverengung, weil das Mehl mit Schwerspath vermengt war. Die dritte Fliege trank aus einem Milchtopf. Da ging auch sie elendiglich zu Grunde, weil natürlich die Milch mit Kalk verfälscht worden. „Gestorben muß nun einmal sein!" dachte die vierte Fliege. Während dessen flog sie todesmuthig auf ein Fliegenpapier, worauf ein Todtenkopf gemalt war mit der Aufschrift: „Sicher wirkendes Fliegengift." Dort saß sie, trank und trank und war guter Dinge und starb — nicht, denn auch das Fliegengift war gefälscht!"
„Nicht übel!" sagte meine schöne Begleiterin, indem sie sich auf die Bank niederließ, an welcher wir soeben vorüberschritten.
„Gestatten Sie?" fragte ich, indem ich mich ihr zugesellte.
„Aber bitte, nicht zu dicht, Herr Doctor!"
„Sie wollen also absolut nicht» von mir wissen! Wo ich doch nur darauf bedacht bin, zu Ihren Diensten zu stehen!"


