3um Metzenev Anzeigen (Geneval-Anzeigev)
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1883
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Samstag, den 19. August.
(Fortsetzung.)
„Nun, Sie haben uns an dem heutigen Abend doch immerhin einen interessanten Beweis geliefert, welcher Helden» thaten ein entschlossener Mann in gefährlichen Augenblicken fähig ist," höhnte Neukamp. „Sicherlich gehörte kein geringer
Das goldene Kalb
Novelle von Reinhold Ortmann.
Valentini stürzte in einem höchst befremdlichen und jammer» vollen Aufzuge herein.
Seine elegante Gesellschaftstoilette, deren modischer Schnitt und tadelloser Sitz stets seinen ganz besonderen Stolz ausmachte, war kaum noch wieder zu erkennen. Sie war von oben bis unten mit Staub und Spinngeweben bedeckt; die großen weißen Flecken auf den Rückentheilen des Fracks gaben Kunde davon, daß der Träger des letzteren sich irgendwo sehr innig an eine abfärbende Wand geschmiegt haben müsse, und der rechte Aermel war überdies in seiner ganzen Ausdehnung aufgerissen.
Wie schwer auch noch immer der furchtbare Ernst der eben durchlebten Stunde auf allen Gemüthern lasten mochte, die überwältigende Komik dieses unerwarteten Anblicks konnte doch mcht ganz ohne Wirkung bleiben. - Ebithas Lippen kräuselten sich zu einem flüchtigen Lächeln, Hugo Neukamp aber und der Oberst brachen in ein lautes Gelächter aus. , --In des Teufels Namen, Herr, wo kommen Sie denn
Äber^tere dem noch immer kreidebleichen und mit allen Gliedern schlotternden Juristen zu. „Sie haben es doch nicht etwa mit Hülfe Ihrer glücklichen Magerkeit fertig ge- bracht, wirklich in ein Mauseloch zu kriechen?" . der Nachwirkung der ausgestandenen Todesangst hatte der Assessor augenscheinlich alle Empfindlichkeit verloren, so daß ihn der gutmüthige Spott dieser Frage nicht im mindesten verletzte.
„Woher ich komme?" wiederholte er. „Nun, vom Boden natürlich! Wo sollte man sich denn sonst verbergen, da doch alle Ausgänge von diesen nichtswürdigen Aufrührern besetzt waren! — Im zweiten Stock schien es mir nicht viel sicherer als hier unten und so stieg ich denn noch höher hinauf, bis ich nicht mehr weiter konnte. Aber es war — beim Zeus! — nicht sehr angenehm unter dem schmutzigen alten Gerümpel da oben, und Sie müssen schon entschuldigen, meine Damen, wenn ich mich Ihnen in einem nicht mehr ganz salonfähigen Anzuge präsentire. Man konnte in dem abscheulichen Verschlage nicht die Hand vor den Augen sehen; überall gab es heimtückische Nägel, an denen man sich die Kleider oder di« Haut zerreißen konnte, und dabei herrschte da oben eine Kälte, die einem das Herz im Leibe ersticken ließ. — Seien Sie versichert, meine Herrschaften, daß ich an dies intime, kleine Souper gedenken werde bis an das Ende meines Lebens."
„Da Ihre Sympathieen so augenfällig auf der Seite der Excedenten sind, darf ich Ihnen allerdings nicht weiter zu- muthen, an denselben zum Verräther zu werden," lautete Neukamps höhnische Erwiderung. „Aber vielleicht hätten Sie sich doch noch größere Verdienste um diese Ihre Schützlinge erworben, wenn Sie denselben die schöne und eindrucksvolle Rede von heute Abend schon am Vormittag gehalten hätten. Es wäre dadurch mancher dieser Wackeren vor dem Zuchthaus und dem Gefängniß bewahrt geblieben."
„Laß uns nach Hause gehen, Papa!" sagte Monika rasch, als sie eme dunkle Röthe in des Doctors Antlitz aufsteigen sah. „Nicht wahr, Herr Doctor, Sie werden die Güte haben uns auf dem Heimwege Ihren Schutz zu gewähren?"
Doctor Asmus wandte sich von seinem Gegner ab und erwiderte nach einem tiefen Athemzuge:
„Sie dürfen über mich befehlen! — Aber ich bin aller- dings gleich Ihnen der Meinung, daß es rathfam fein wird, diesen Weg bald anzutreten, ehe neue Ansammlungen in der Umgebung der Fabrik stattgefunden haben."
„Es bedurfte dieses Appells an Ihre Ritterlichkeit wohl kaum, sagte Neukamp, indem er nach dem Diener klingelte. „Ich werde die Herrschaften in meinem Wagen nach Hause geleiten, und Den möchte ich sehen, der es wagen wollte, uns unterwegs anzugreifen."
,r 3*cüdn>elfung kam nach dem Vorhergegangenen einer absichtlichen Beleidigung gleich und sie wurde unzweifelhaft von dem Doctor wie von allen anderen Anwesenden als eine solche gedeutet. Monika erblaßte, der Oberst runzelte unwillig die , 9a machte eine rasche Bewegung gegen ihren Verlobten, wie wenn sie ihn bestimmen wollte, durch ein freundliches, begütigendes Wort den Eindruck seiner fast ge- hässigen Aeußerung abzuschwächen. Alle aber blickten in ängst- ltcher Erwartung auf den jungen Arzt, der nach ihrem Em- pfinden vollauf berechtigt gewesen wäre, die kränkende Rede des Anderen auf ebenso feindselige Art zu erwidern.
Aber diese Befürchtung erfüllte sich nicht. Doctor Asmus würdigte ihn weder eines Blickes, noch einer Entgegnung; er verbeugte sich stumm gegen die Familie Hasselrode und wandte sich nach dem Ausgang des Zimmers. In dem Moment je- die Tbür hJftin nnnÄs-n"! Drücker legen wollte, wurde - ,uyig >1», yvynre neuramp. „Vicyernly geyorle kem geringer die Thür heftig von Außen aufgestoßen, und der lange Assessor j Muth dazu, sich an einem Ort zu verbergen, an dem Sie


