Ausgabe 
19.1.1893
 
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Gemeinnützigem

Um Fleisch recht schnell weich zu kochen, gieße man einfach, sobald dasselbe im starken Kochen befindlich ist, auf drei Pfund Fleisch etwa zwei Eßlöffel Kornbranntwein dazu. Dieses Mittel bewährt sich namentlich bei zähem Wildpret (allem Auerhuhn u. dergl.), mit welchem die Hausfrau gewöhn­lich viel Aerger hat und doch keinen wohlschmeckenden Braten erzielt.

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Satinkleider. Dunklen Satin stärkt man mit dünnem Leimwaffer man löst gewöhnlichen Tischlerleim in Waffer auf und verdünnt ihn nach Bedarf; das Leimwaffer muß so kräftig sein, daß, wenn man die hineingehaltenen Hände gegen einander reibt, von dem Klebestoff etwas fühlt. Hellen Satin stärkt man mit Gelatinewasser und plättet ihn halbfeucht. Eine Unze Gelatine und ein Quart Waffer erhitzt man bis zum Lösen-

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Das sogenannte harte Wasser enthält viel Kalk­salze, die sich beim Kochen in dem Keffel ansetzen. Man lege eine oder zwei Muschelschalen in den Kessel. Der Kalk setzt sich an die Schalen, welche nach Bedarf erneuert werden müssen.

Sandtörtchen. V» Pfund gestoßener Zucker,/4 Psd. Butter,/i Pfund Mehl und ein Ei werden tüchtig durcheinan­der gemengt, klein fingerdick ausgewalkt, mit einem runden Glas ausgestochen und auf ein Blech gelegt. Alsdann bei mäßiger Hitze im Rohre gebacken.

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Baumwollstrudel. Mit V2 Pfund Mehl, etwas lau­warmer Milch und Hefe wird ein Dämpfchen gemacht und dieses an einen warmen Ort gestellt. Ist es gegangen, so rührt man zwei Taffen lauwarme Milch und drei Eier daran, ebenso zwei Löffel Hefe, schlägt Alles gut ab, walkt den Teig auf einem mit Mehl bestreuten Nudelbrette mefferrückendick aus, schneide fingerbreite Streifen, streiche sie mit zerlassener Butter, thue Weinbeeren und Rosinen darauf, wickle die Streifen zu­sammen, bestreiche sie mit Butter an beiden Seiten, stelle sie an einen warmen Ort und lasse sie gehen. Alsdann nimmt man eine Bratpfanne oder Kasseroll, gibt Milch mit eiwas Schmalz hinein, läßt es heiß werden, gibt den Strudel hinein, backe ihn schön im Rohre und gebe ihn mit Zucker zu Tische.

Hamburger Kuchen. 250 Gramm Butter werden schaumig gerieben, 125 Gramm Zucker, sieben Eier, 60 Gr. aufgelöste Hefe, die abgeriebene Schale einer Citrone, etwas gestoßene Muskatblüthe, 60 Gramm kleingeschnittenes Citronat und 1 Kilogr. Mehl hinzugefügt, der Teig in eine flache ge­butterte Form gefüllt, zum Aufgehen hingestellt, mit gehackten Mandeln bestreut und bei mäßiger Hitze gebacken.

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Schöne Gartenwege bekommst Du durch Säge­späne, grobe und feine, erstere für größere, breitere Wege, letztere für kleinere, schmale. Zu Anfang schüttet man die Sägespäne beider Sorten etwa vier Zoll dick und streut in jedem Frühjahr nach Bedarf frische auf. Alle vier bis fünf Jahre muß die alte Schicht fortgefchafft und durch eine neue ersetzt werden. Unkraut kommt in solchen Wegen nicht auf, selbst nicht die sonst gegen fast alle Maßregeln Widerstands- sähige Quecke.

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Behandlung des Goldlack Der Goldlack verlangt im Winter nur ganz mäßige Wärme und es ist daher besser, wenn die Pflanzen in einem weniger warmen Zimmer stehen und erst im Januar oder Februar in das jetzige temperirte Zimmer gestellt werden, doch ist selbiges an milden Wintertagen reichlich zu lüsten.

Vermischtes.

Die Sonntagsjäger. Von drei Sonntagsjägern er­zählt dieSchwelmer Ztg." eine Historie, die den Vorzug hat, wahr zu sein. Diese jungen Nimrods waren vor einigen Tagen von den Pächtern einer benachbarten Jagd eingeladen worden und hatten auch das Glück, ein Häslein vor ihre Rohre zu bekommen; zwei der Sonntagsjäger knallten vorbei und der dritte, der eigentlich die besten Chancen hatte, da ihm das ge­ängstigte Wild dicht vor den Lauf kam und ein Männchen machte, legte an, schoß aber nicht. Darob natürlich große Entrüstung bei den anderen Jägern und bittere Vorwürfe auf das Haupt des Sünders wegen des Nichtschießens, worauf sich der Unglückliche mit den Worten entschuldigte:Ick tonn nich scheiten, denn dat Dhier käik mie so trü an (guckt mich so treu an), dat et mie im Herten weih doh (weh thut), bat« selbige dout te scheiten, ick hew fon weitet Hert!" Die Jagd war vollständig unergiebig, weshalb der Mann mit dem weichen Herzen ein Häslein beim Wildprethändler sich erwarb, das ge­meinsam verspeist werden sollte. Die hocherfreute Gattin, die nicht genug die Schießkunst und Treffsicherheit ihres Gatten rühmen konnte, wurde aber arg enttäuscht, als beim Ausweiden des Hasen der Abschnitt einer Postpacketadresse, den der Wild­prethändler, sei es mit Absicht oder aus Bosheit, dem Thiere beigefügt hatte, sichtbar wurde. *

Selbstbewußt. Junge Frau:Erst versprachst Du, mir Alles zu Liebe zu thun; jetzt rauchst Du wieder, trinkst, fluchst ..." Mann:Stimmt^ Alles Dir zu Liebel"

Begründeter Stolz* Dienstmann:Na, Aujust, wat siehst De denn heite so von oben 'rab? Haste bet jroßr Loo» jewonnen?" Droschkenkutscher zweiter Klasse:Nee bet nich. Aber ick bin heute bestraft worden mit drei Mart wegen zu raschet Fahren." *

Tiefe Trauer. Graf*Gnädige Frau tanzen heute gar nicht." Dame:Erst nach Mitternacht, Herr Graf." Graf:Warum denn erst nach Mitternacht?" Dame: Weil heute der Todestag meines .Mannes ist."

Schlagfertig. A.:Wie alt Sie werden! Beim Bart kommt Ihnen schon der Esel heraus." B.:Bei Ihnen fühlt er sich so wohl, daß er darin bleibt."

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Der leidende Theil. Gutsnachbar:Wie geht's denn dem Grafen?" Inspektor:Ich danke, ganz wohl." Gutsnachbar:Nicht möglich! Ich hörte, er sei von den Gläubigern so bedrängt worden, daß das Gut bald unter den Hammer gekommen wäre." Jnspector:Freilich, freilich die armen Gläubiger!"

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Zu kurzsichtig. Bei Eröffnung der Hühnerjagd er­schoß ein kurzsichtiger Herr aus Versehen einen Hund.Aber sagen Sie nur," fragt der Förster,wie konnte Ihnen denn nur so etwas passiren?"Ganz natürlich," entgegnete Jener;ich bin sehr kurzsichtig, habe bei dem Hund hmten das d nicht gesehen und ihn für ein Huhn gehalten!" (Au!) *

Rathlos. Herr (zum Bedienten):Geschwind, Hülfe schaffen, Johann, meine Frau liegt in Ohnmacht! Was be­sinnen Sie sich denn um Himmelswillen so lange?" Bedien­ter:Ich weiß nicht, soll ich zum Arzt oder Juwelier laufen?'

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Vorsichtig. Arzt:Wo fehlt's?" Bauer:Zahn­weh hab' i!" Arzt:Und deswegen laffen Sie mich eine Stunde weit herbeiholen? Fehlt Ihnen denn sonst nichts?" Bauer:Ja, schon aber was verlangen S' denn, wenn ich Ihnen Alles sag'?"

Redaetion: 91. Scheyda. Druck und Verlag der Briihl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen