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fehlt nichts zum automatischen Hervorbringen menschlicher Laute. Da erzählt der Schiffscapitän Patau von einem grauen Papa- gei, den der Maschinenmeister an Bord erzogen hatte. Der l Vogel sang auf die spaßhafteste Weise und ebenso falsch, rote sein Herr, den Refrain eines Trinkliedes:

Quand je bois du vin clairet, Tou touvne au cabaret

zu deutsch:

Sitz ich bei der vollen Tonne, Dreh'« sich Tisch und Bank der Wonne."

Die Nachahmungssähigkeit des Papagei ist nicht minder groß, wie das Vermögen, zu sprechen. Er ahmt alle Laute nach, die sich in seiner Umgebung hören lasien. Aber auch der Staar, dieser Cantor loci unter den Singvögeln, thut ihm gleich. Er miaut wie eine Katze, quakt wie ein Frosch und lernt deutlich sprechen. Eine Wittroe in St. Gallen besaß einen Staar, welcher das als Tischgebet tagtäglich vernommene Vaterunser ganz deutlich und vollständig herzusagen verstand. Von dieser Lernfreiheit, auf welche wie stets die Umgebung einwirkt, machen auch einige Singvögel wie der Weidenzersig und die Calanderlerche, besonders aber der von den mexi­kanischen Rothhäuten poetischContlatolli 400 Zungen genannte Spottvogel und der prachtvolle Lyrafasan ausgiebigen Gebrauch. In des letzteren Stimme wechseln die seltsamsten Naturlaute miteinander ab. Seit die Europäer in Australien eingewandert sind, täuscht er nicht selten den einsamen Wanderer durch deutliches Rädergeknarre, Hundegebell und Pferdegewieher. Daß die Vögel Stimmen nachahmen, und daß diese Eigenschaft großen Einfluß auf den Gesang ausübt, dürfte übrigens nur weniger bekannt sein. Wie mancher Kanarienvogel hat den Schlag des Finken oder der Nachtigall, oder beides? Ein Finke j- B, der sich in einer an Nachtigallen reichen Gegend aufhält, singt viel schöner, als wenn er ohne diese Umgebung aufwächst. Denn kein Vogel singt, wie ihm der Schnabel gewachsen ist; dazu lieferte der Engländer Bar­rington, der die ausführlichsten Versuche über den Gesang angestellt hat, wohl als erster, den Beweis- Es gelang ihm nämlich, einen Sperling so aufzuziehen, daß er den Schlag des Hänflings, freilich nicht so schön und weich, hatte. Es kommt also auf den Lehrmeister an und den wissen alle Vogelzüchter wohl zu schätzen. Die Ruhlaer, die das Finkenhalten seit un­denklichen Zeiten betreiben, unterscheiden bei den Finken 40 Arten von Gesang. Diese haben sie in ein zierliche« Syrern von Klaffen, Ordnungen, Unterabtheilungen gebracht und mit seit- tarnen Namen bezeichnet, z. B. der gute Bräutigam, das doppelte Kienöl oder Quakte, das Hochzeitsbier, das tolle Gutjahr rc.

Daß die Vögel nur aus einer Tonart singen, dürfte ebenfalls nicht so allgemein bekannt sein. In einem Zimmer können beispielsweise viele Vögel singen, ohne disharmonische Wirkung hervorzurufen: unstreitig das sicherste Merkmal, daß alle Gesänge einer Tonart und zwar, wie sorgfältige Unter­suchungen gezeigt haben, zumeist der H-moll-Tonart angehören. Da nun auch alle eigentlichen Volksmelodien in Molltönen erklingen, dürften des Menschen Lehrmeister im Gesänge wahr- scheinlich die Sing-Vögel gewesen sein. Ist nun ihr Singen, Zwitschern, Pfeifen an und für sich als Liebeslocken zu be­trachten, so bilden sie in ihrer Gesammtheit ein vielstimmiges, nuancenreiches Orchester, in welches die unmusikalischen Schreie der Raubvögel als schrille Dissonanzen, oder, wie der die ganze Tonleiter und alle Vokale vom dumpfen U bis zum jauchzen­den, kreischenden I umfassende Ruf der Eulen, als abenteuer­liches, nervenerschütterndes Element hineinragen.

Der Lyriker par exellence unter den Singvögeln ist die Nachtigall. Was haben nicht schon die Dichter aller Zeiten und Völker zu ihrem Preise gesungen! Ihr gehört eins der größten und melodienreichsten Kapitel in der Weltlitteratur; wie es auch gelehrte Forscher unternommen haben, die hell schmetternden Schläge, Triller, Läufer, schmelzenden Cadenzen und lang ausgehaltenen Flötentöne ihres Liebesgesanges zu

ergründen. A. Kircher war wohl der erste, der das ver­sucht hat. Er bediente sich dazu eines eigentümlichen Metro- noms: eine Saite, anderthalb Fuß lang, die so gespannt war, daß eine vollständige Schwingung einem Pulsfchlag entsprach. Die Höhe der Noten bestimmte er, indem er sie mit dem Ton einer Saite vergleicht, die einen Schritt lang, von Strohhalms­dicke und durch ein Psundgewicht gespannt ist! Ebenso erfolg­los wie er, versuchte auch Bar ring ton den Nachtigallenschlag zu fixiren. Die geschriebenen Noten ließ er von einem Flöten­bläser wiedergeben; aber das klang nicht wie natürlicher Gesang, weil, wie Barrington gesteht, es unmöglich ist, die Dauer der einzelnen Noten zu bestimmen. Bechstein kam in seinen Untersuchungen insofern weiter, als er die lange Modulations­kette zerlegt und auf diese Weise 25 Strophen unterschied, die er mit den seltsamsten Silben bezeichnete. Ob Nachtigallen auch sprechen lernen, das dürste kaum erwiesen sein. Zwar erzählt Plinius von zwei den Söhnen des Kaisers Claudius gehörigen Nachtigallen, welche sogar griechisch und lateinisch sprachen und auch Kircher weiß von Nachtigallen in einem Regensburger Wirthshaus zu berichten, daß sie sich Nachts erzählten, was bei Tgg vorgegangen; aber diese Erzählungen sind doch wohl nichts'weiter, als amüsante Fabeln.

Neben der Königin des Gesanges behaupten die Sing- oder Weiß drossel, die sich längst den Ehrennamen der Waldnachtigall" errungen, überhaupt, wie es im Liede hecht : Amsel, Droffel, Fink und Staar und die ganze Vogelschaar eine mehr oder minder hervorragende Stellung. Ihrer viele umschwebt goldene Sage und Mythe. Die Stimme der Schwalbe, welche den'Römern und Hebräern so eigenthüm- lich erschien, daß sie dem Vogel den Namen darnach gaben, tönt dem Volke als ein Lied unschuldiger Freude, süßer Wohl­laut der Befriedigung, doch öfter noch wie Klage um den Wandel irdischen Glücks. Auch das Alterthum, bemerkt Masius, spricht einstimmig von dem Seufzen, dem debile murmur der Schwalbe. Und der griechische Mythus verwandelte die Progue, die unwiffend ihren eigenen Sohn getöbtet, in den ruhelosen Vogel, der mit dem Blutmal auf der Brust jammernd die Häuser der Menschen umflattert.

Wer hat nicht schon bei Dichtern vom Schwaneng ,ange gelesen? Nach germanischer Ursage ziehen Schwäne über den Häuptern der Helden singend einher, gleich als rufe sie Wal­halla zur Unsterblichkeit. Fühlt der Schwan den Tod nahen, so strömt er sein letztes Leben in erhabenen und entzückenden Melodien hin. Dies ist zwar eine Fabel, aber eine der sinnig­sten des Alterthnms, welches in diesem Vogel die Psyche ahnte und sich ein Bild schuf von der Leben weckenden Kraft, die aus den Pforten der Todes uns entgegen weht. Aber auch Vögel, die unsere lieben Haus- und Hofgenoffen sind, dürfen nicht vergessen werden- Wer beobachtete nicht schon die Ver- sammlnugen und Gerichte der St ö r ch e, dieserMenschenthiere", wie Scheitlin sie nennt, wenn sie auf herbstlich grauer Flur den Abzug gen Süden berathen. Die Schnattersprache der Gänse rettete das Kapitol; und der Sperling, diesen frechen Schreihals, trugen nach Catull schöne verliebte Römer- innen am Busen- Und nun der Hahn! Herodes Agrippa ehrte sich selbst wahrlich nicht minder, als der Hahn, da er diesem, der ihn auf einer Nachtreise fröhlich gegrüßt hatte, kostbare Geschenke sandte. Die Griechen und Römer ahnten göttliches Wesen in ihm. Mohamed gebot ihm zu huldigen als dem Wächter, der die himmlischen Heerschaaren zu ihrem Dienst erwecke. Nach Masius liegt des Hahnes Mission im Gesänge; er ist in Stadt und Dorf der Rufer zu Arbeit und Kampf. , ~ ,

So hat jedes Lebewesen seine Mission, feine eigene Sprache.

Oemnifchtes.

Empörend. Schuldner (zu dem eintretenden Gläubiger): Schon wieder da? Mann, Sie könnten einem das Schulden­machen verleiden!"

Nedaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen