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Nein, Vater, das kannst Du nicht von mir verlangen. Ich habe keine schnöde GeldHeirath geplant, als ich um Käthe Hülsemann freite, ich bewarb mich um das Herz eines edlen Mädchens und habe, als meine Werbung Gehör fand, mein Wort gegeben, Käthe Hülsemann ist meine Braut und sie wird auch deshalb meine Frau. Das Unglück ihres Vaters kann mich unter keinen Umständen veranlassen, mein gegebenes Wort zu brechen. Das wäre ein Schurkenstreich, der mir das Leben verbittern würde, so lange ich athmete.«
„Bei Dir scheint leider die Vernunft nicht zu Gehör zu kommen. Ich habe Dir ja nun wiederholt erklärt, daß ich es selbst im hohen Maße bedauere, -daß wir Hülsemann nicht helfen können, und daß es mir sehr schwer geworden ist, Dir zur Aufhebung der Verlobung zu rathen. Aber die eiserne Nothwendigkeit zwingt mich dazu, Dir dies dringend anzurathen. Was soll ich in dieser ernsten Lage mit meinen Gedanken hinter dem Berge halten, Ludwig? Ich erkläre Dir nur noch, daß ich große Verlusts gehabt habe und daß es dringend nöthig ist, daß Du in pekuniärer Hinsicht eine günstige Heirath machst, wenn ich Dir unsere Fabrik in blühendem Zustande hinterlassen soll.«
„Großer Gott, auch diese Sorge und Prüfung wälzt sich noch auf mein Haupt!« klagte Ludwig. „Ja, ich habe allerdings Pflichten gegen Dich, Vater, aber diese Pflichten können doch nicht so weit gehen, daß ich eine andere heilige Pflicht vergesse.«
„Du willst mich also verlassen, Ludwig?« srug der Com- merzienrath im bitteren Ton.
„Verlassen? Nein, das will ich nicht, Vater, Du wirst stets einen dankbaren Sohn finden, wenn Du meiner Hilfe bedarfst. Jetzt halte ich es aber für meine Pflicht, dem ehren- werthen Herrn Hülsemann beizustehen, soviel meine Kräfte vermögen. Ich besitze von meiner seligen Mutter ein Kapital von circa sechzigtausend Mark, vielleicht kann Herrn Hülsemann damit gedient sein, vielleicht finde ich überhaupt einen Ausweg aus der Calamität. Es ist für mich als Ingenieur eine ehrenvolle Aufgabe, das Bergwerk retten zu helfen. Und von Käthe Hülsemann sage ich mich unter keinen Umständen los, Vater, das erkläre ich jetzt frank und frei, denn ich habe keinen Grund dazu. Sollte Herr Hülsemann verarmen und mein Vater die Heirath nicht billigen, so werde ich eine Stellung als Ingenieur zu finden wissen, die eine Familie ernährt.«
Einen Augenblick schien es, als würde der Zorn den Commerzienrath über diese Erklärung des Sohnes übermannen, denn die Augen des alten Herrn blitzten zornig auf, dann kniff er aber fest die Lippen zusammen, hielt sich die linke Hand vor die Stirn und schwieg. Auch Ludwig sprach kein Wort mehr, aber er fühlte deutlich, daß er mit feinen letzten Erklärungen im hohen Maße den Unwillen des Vaters erweckt hatte und daß er sich mit demselben über diese ernsten Fragen nie werde verständigen können.
Als nach einigen Minuten der Wagen wieder vor der Malten'scheu Villa hielt, trennten sich Vater und Sohn schweigend von einander.
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In der Hülsemann'schen Villa saß ganz erschöpft in einem Lehnstuhl ein alter, weißhaariger Mann und rang verzweifelnd die Hände, während ein junges, schönes, aber "todtenbleiches Mädchen zitternd neben dem Stuhle stand und den Greis zu trösten suchte.
„Papa, das Unglück ist vielleicht doch nicht so groß, als Du fürchtest!« sagte sie wiederholt und wischte verstohlen eine Thräne nach der anderen aus ihren blauen Augen.
unser Unglück ist leider nur zu riesengroß!« jammerte der Greis, welcher kein anderer als der Bergwerksbesitzer Matthias Hülsemann war. „Auf Verluste und Unglücksfälle muß ja der im Kampfe des Lebens stehende Mensch stets gefaßt sein, aber in seinen alten Tagen, wo man nichts Bedeutendes wieder schaffen kann, die Früchte einer dreißigjährigen Thätigkeit und das ererbte Vermögen dazu durch ein schreckliches Unglück zu verlieren, das ist ein Schlag, von welchem
ich mich nicht wieder erholen werde. Die Fefix-Grube, unser Bergwerk, unser Besitzthum, ist durch den Schachteinsturz ruinirt und wir sind an den Bettelstab gebracht. O, barmherziger, allmächtiger Gott, warum muß ich ein solches Unglück in meinen alten Tagen erleiden!«
„Armer, armer Vater!" schluchzte jetzt Käthe, seine Tochter. „Ja, es ist wirklich entsetzlich für Dich, dieses Unglück noch erleben und ertragen zu müssen.«
„O, Kind, klage nicht um mich, denn viel schlimmer als mich wird leider Dich das Unglück treffen."
Erstaunt blickte das junge Mädchen den Sprecher an und sagte so zuversichtlich als möglich: „O, sorge Dich nicht um mich, Vater, ich hoffe auch ohne Reichthum glücklich zu werden. Ludwig Malten ist mein treuer Bräutigam und wird mich nicht verlassen.«
„Ach, Du kennst die Welt und ihre Täuschungen noch nicht, mein Kind,« erwiderte Hülsemann. „Die Umstände, unter denen Ludwig Malten um Dich freite, haben sich seit letzter Zeit sehr verändert und man kann es ihm kaum verargen, wenn er anderen Sinnes wird und die heimliche Verlobung aufhebt.«
„Vater, das befürchtest Du?" schrie in entsetzlicher Angst das junge Mädchen auf.
„Käthchen," seufzte der alte Herr, „ich wünsche Dir natürlich alles Gute, aber daß der Sohn des stolzen Commer- zienraths Malten ein Mädchen heirathen werde, dessen Vater ein Bettler geworden ist, dos kann ich nicht erwarten. Ludwig Malten ist deshalb noch kein schlechter Mensch, er hat um Dich als um die Tochter eines wohlhabenden Mannes gefreit, und jetzt bin ich verarmt. Das ist in vielen Fällen ein zwingender Grund, Verlobungen rückgängig zu machen. Auch wird der Commerzienrath jetzt seinen Segen zu Eurer Verbindung verweigern.« (Fortsetzung folgt.)
Iogekstimmen.
Von Ernst Kreowski.
---— (Nachdruck verboten.)
Jüngst, als der bekannte Professor Garner, ausgerüstet mit allen technischen und physikalischen Hilfsmitteln, sich anschickte, die Sprache der Affen zu studiren, hat man hin und wieder spaßhafte Glossen darüber gemacht. Als wenn er der erste und einzige wäre, der sich mit einer so anscheinend zwecklosen Sache befaßt hätte! Schon der äußerst gelehrte Jesuit A. Kircher widmete vor nahezu dritthalbhundert Jahren den Thierstimmen eins der kuriosesten Kapitel seiner Masurgia universalis. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts hören wir von einem Rechtscandidaten Namens Großer aus Breslau, welcher ein Lexikon über die Sprache der Gänse schreiben wollte und sich deßhalb ■ auch in einem Stammbuch Lexico- graphus anserinus nannte. 1800 veröffentlichte ein gewisser G. E. Wetzel ein Werk über die Sprache der Thiere. Auf dem Titelblatt sind verschiedene Vierfüßer: Hund, Pferd, Affe, Stier rc. abgebildet und darunter die Sentenz: „Sie lügen nicht, Wahrheit ist ihre Sprache.«
Haben die Thiere eine Sprache? Gewiß: die unerschöpfliche Mannigfaltigkeit der Geräusche, noch mehr die musikalisch klingenden Töne bilden diese freilich nur Empfindungen ausdrückende Sprache. Sie ist am reichsten, wohllautendsten bei den Vögeln zu finden, obgleich sie sich auch bei einigen, wie Kuckuck und Käuzchen auf- und absteigend auf den Umfang einer kleinen Terz beschränkt. Dessenungeachtet ist das Stimmorgan der Sing- und hühnerartigen Vögel vollkommener, als das der übrigen Thiere. Dieser Umstand erklärt es auch, warum sie höhere, dem menschlichen Stimmorgan nahekommende Fähigkeiten zu entwickeln vermögen. Hierbei kommen zwei Factoren in Betracht: die Nachahmungsfähigkeit, die den meisten Singvögeln eigen, und die Beschaffenheit der Zunge. Vögel, die eine dicke, abgerundete Zunge haben, wie der Staar, der Papagei, der Rabe, die Elster, die Amsel u. a. lernen mehr oder weniger deutlich sprechen. Dem Papagei vor allen


