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''W Doctor Peters ließ sich Bier bringen und lächelte M vor soeben s sich hin. Die alten Zeiten stiegen vor ihm auf, seine Jugeno,
$ ,Jch habe Sie bereits in Ihrem Hotel gesucht, Herr Stein'dorf!" nahm der Doctor nach der ersten Begrüßung sofort das Wort, „und darf mit Ihrer Erlaubmß wob gleich losschießen, das heißt auf den Hauptzweck meines Hierseins kommm-iius @tetnbor| ihn befremdet an und verbeugte stch
komme nämlich im Auftrage Ihrer Braut," fuhr Doctor Peters rasch fort, „und muß Jhnen von vornhere n bemerken, daß dieser Austrag sehr heikler Natur ist, weshalb ich bitte, sich nicht zu Ungehörigkeiten gegen mich fortreißen zu lassen. Sie werden sich jedenfalls erinnern, oaß ich bereits Hausarzt bei den seligen Eltern des Fräuleins gewesen bin, demnach in ihrem Hause eine Art Vertrauensstellung einnehme.
Wieder verbeugte stch Steindorf schweigend, ohne dem Doctor auch nur eine Linie breit entgegenzukommen.
Der alte Herr räusperte stch und fuhr dann «ach kurzem Nachdenken wieder fort: „Also, um es kurz zu machen, Fräulein Armgard Holten, deren Arzt ich ia auch jüngst nach der beklagenswerthen Katastrophe gewesen, ist noch sehr ledend, das heißt körperlich leidlich gesund, während ihr Seelenzustand die sorgsamste Berücksichtigung erfordert. Die Uebersturzung des Aufgebots nach der kurzen Verlobung hat alle Welt, mich aber ganz besonders in Erstaunen gesetzt, weshalb die ärztliche Pflicht mir gebietet, Protest dagegen etnzulegen-
„Ahl" machte Steindorf, das Glas, welches er s
„Bitte, lesen Sie, Herr Steindors I"
Dieser nahm den Bogen und überflog ihn hastig, wobei seine Augen einen immer starreren Ausdruck annahmen. Plötzlich ballte er das Papier zusammen und warf es mit einem kurzen, verächtlichen Auflachen auf den Tisch.
„Was hat man Ihnen dafür gezahlt oder versprochen, um dieses Kunststück fertig zu bringen?" fragte er, mit einer verächtlichen Bewegung sich erhebend. Weshalb haben Sre meine Braut nicht gleich der Sicherheit halber in eine Heilanstalt gebracht? Oder glauben Sie wirklich, mich mit, einer solchen groben Spiegelfechierei täuschen, meine Braut Mir abwendig, das bereits erfolgte Aufgebot rückgängig machen zu könnend — Oho, mein Herr Doctor, Sie sollen mich kennen lernen, da meine Braut ganz offenbar unter dem Etnfluffe Ihres ärztlichen ZENg" hat h-ndtl» Ich 36«. Mm«« mW
beugen, mit Ihnen um mein gutes Recht, um mein Glück feilschen? - Niemals! Ich bin Mannes genug, Ihnen und der ganzen Wett den Handschuh hinzuwerfen, melden Sie das Ihren eigentlichen Auftraggebern."
i „Sie täuschen sich ganz merkwürdig, mein lieber Herr! versetzte der Doctor, ruhig den zerknüllten Bogen wieder glättend. „Es läge sicherlich in Ihrem Vortheil, sich mit mir zu verständigen, da Fräulein Holten Sie durchaus nicht liebt!
„Das hat sie Ihnen gesagt?"
„Steht denn das nicht deutlich genug zwischen diesen von ihrer Hand niedergeschriebenen Zeilen? — Das müßte denn doch ein Blinder sehen, daß die Hand nicht dabei gezittert, da» Herz sich also durchaus nicht erregt hat.. Doch wie Sie wollen, mein weither Herr! — Nur soviel sei noch gesagt, daß diese Vollmacht sosort nach meiner Heimkehr gesetzliche Kraft erhalten und alsdann auch jedenfalls in stark woderirter Form umgestaltet wird. Sie können in diesem Augenblick noch Ihre Forderung nach Belieben aufstellen, später wird man Sie als Fremden behandeln, da ein Aufgebot noch keine Heirath be deutet. Daß Ihre Liebe für Fräulein Armgard so groß ist, um einen verzweifelten Schritt zu befürchten, glaube ich nicht, mein bester Herr Steindorf, also —"
„Genug, Herr Doctor!" unterbrach ihn Jener mit einer theatralischen Bewegung. „Wir sind jetzt mit einander sertig, doch sollen Sie baid genug wieder von mir hören.
Ohne Gruß eilte er mit großen Schritten fort und kurz - darauf hörte der Doctor von einem Kellner, daß der «err, ■ welcher zu Pferde gekommen, soeben im Galopp davon ge
«d wird eingeschlafm md He Pse.de rotgebulbtg gemo.be« I jum > Mmi motte, .«sch «ebad md de» »octo, fein," sprach t ruhig nrtt etaom Wattgften 8S«ln. «Rom’ £t”“' Ihrer Braut dauon Mittheitung gern«« und 7 »bet ffnbSieWitt.
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QmljenertMliche"nRudäos^ genommen." .„Sind Sie zu Ende?" fragte Steindorf, als der Doctor
Sie drückte dem Doctor krampfhaft die Hand und eilte iw mlr rtnb erst am Anfang, doch dürfte ich dann hinaus, während der alte Herr ihr langsam folgte und imme'Vin eine Antwort von Ihnen erwarten."
noch eine Weile dem Wagen nachblickte, bis er um eine Ecke ^ie soll Ihnen werden, mein Herr Doctor! Bevor ich verschwunden war. indeß "weiter mit Ihnen rede, werden Sie mir hoffentlich irgend
• eine Vollmacht von meiner Braut, welche Sie zu solcher Rederei
Herr Julius Steindorf flanirte mittlerweile in der roman- berechtigt, vorzeigen können." „ ....
tischen Gegend des hannoverschen Leinethals umher, genoß die „Versteht sich, das ist ganz in der Ordnung, erwiderte Reize der Natur, sowie die einer wohlbesetzten Tafel in den Doctor Peters, bedächtig seine Brieftasche hervorziehendund
besten Hotels, da es ihm an guten Banknoten durchaus nicht derselben den zusammengefalteten Bogen entnehmend. Er be
mangelte, und trug vielmehr den wohl situirten Lebemann und merkte dabei sehr wohl die nervöse Unruhe in den^Mienen
glücklichen Besitzer einer reichen Braut als den trauernden Vater feine8 Gegners, den diese Umstand chkeit in eine M- Wu h
mr Schau. versetzte. Der Doctor war boshast genug, sich darüber zu
Er besuchte auch die Universitätsstadt Göttingen, wo er freuen, einst studirt, vermied es aber, Bekannte aufzustöbern, indem er sich damit begnügte, das studentische Treiben zu beobachten und biC 35ier°wffitClt>‘Doctor Peters treffen, weil Steindorf seiner Braut diese Stadt für ihr Antwortschreiben bezeichnet hatte. Man sagte dem Doctor im Hotel, daß Herr Steindorf einen Ausflug nach Mariaspring, einem reizenden Vergnügung«- vunkt der Umgebung, unternommen habe. ,
Dem alten Arzt, der hier ebenfalls studirt, ging das Herz auf beim Anblick der Erinnerungsstätte ferner schönsten Jahre, doch durste er nicht rechts noch links schauen, da seine Muston diesem Manne gegenüber eine äußerst schwierige war. So rüstete er sich denn zur Mensur, wie er sich sagte, um einem Kampf auf Leben und Tod entgegenzugehen.
Herr Julius Steindorf saß behaglich vor einer Flasche Wein und einem guten Imbiß, als Doctor Peters, den Hut lüftend, aus ihn zutrat. Das scharfe Auge des alten Herrn bemerkte es sehr wohl, daß sich Steindorfs Gesicht bei seinem Anblick verfinsterte und ein stechender Blick wie em Frage-


