Ausgabe 
18.3.1893
 
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Genreinnütziges.

Sauerkohlbrühe als Putzmittel für Messing. Die abgegoffene Brühe des gekochten Sauerkohls gibt ein vortreff' liches Putzmittel für Messing ab. Ist das Messing sehr schmutzig, so lege man es kurze Zeit in die Brühe und nehme noch etwas feine Asche zu Hülfe. Hartnäckige Flecken in einem Messing­sieb, die keinem anderen Mittel weichen wollten, ergriffen vor dieser Brühe sofort die Flucht.

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Hundehaltungs-Regeln. Um einen Hund gesund zu erhalten, lasse man ihm stets genügende Bewegung im Freien. Wenn er dann und wann angekettet ist, so stehe seine wetter­dichte Hütte so hoch, daß ihr Boden nicht naß wird, und an einer Stelle, wo im Sommer die Sonne sie nicht bescheinen kann. Man laffe den Hund nie hart, sondern stets auf rein­lichem Stroh liegen, das mindestens jede Woche erneuert wer­den muß. Man dulde nie, daß um die Hütte der Hundekoth liegen bleibt, sondern halte stets alles reinlich. Reines Waffer fehle niemals, man sorge dafür, daß dasselbe täglich dreimal, im Sommer noch öfter, erneuert werde. Der Trinknapf fei stets so rein, wie der Futternapf, der am besten aus emailliertem Eisen bestehe. Als Futter diene altgebackenes Brod, das nicht so säuert wie frisches; dasselbe wird mit Waffer überbrüht und etwas Salz und Schmalz, oder auch unverdorbene Gemüse sowie Fleischreste und weiche Knochen dazu gethan. Das Futter darf nie zu warm, aber auch nicht zu kalt sein. Kartoffeln sind nur gekocht und zerdrückt, und nur dann und wann zu füttern. Im Sommer versäume man nicht, dem Hunde ab und zu saure Milch vorzusetzen. Der Futternapf muß täglich ausgewaschen werden, denn versäuerte Futterreste sind der Ge­sundheit des Hundes äußerst schädlich, benehmen ihm schließlich die Freßlust und führen zu krankhaften Zuständen- Als Uni­versalheilmittel dient gutes gereinigtes Leinöl, innerlich wie auch äußerlich. Bet auffallendem Kranksein ziehe man jedoch einen guten Thierarzt rechtzeitig zu Rathe. Hundebesitzer, die ihre Hunde nicht selbst abwarten, müffen sich täglich überzeugen, ob ihre Befehle allenthalben auch befolgt werden; das ist ihre Pflicht gegen die Thiere und gegen ihre Mitmenschen, damit letztere nicht durch vernachlässigte Hunde in Gefahr gerathen.

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Schulet das Seifenwafser nicht weg! Wenige Leute wissen, daß gewöhnliches Seifenwasser, als Düngemittel benützt, von großem Werthe ist. Weinstöcke, Obstbäume rc-, die man damit düngt, zeigen eine überraschend schnelle und kräftige Entwickelung. Wer einen Garten besitzt, sollte Seifen­wasser niemals nutzlos weggießen lassen.

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Kitt für gesprungene Eisengefätze. Eisenfeilfpäne und Thon werden zu gleichen Theilen innig zusammengemischt und mit Leinöl bis zur Salbenconsistenz verrieben. Dieser Kitt wird mit etwas Leinöl aufgetragen und ist nach einigen Wochen so fest geworden, daß die Gefäße wieder benutzt werden können.

Rattengift. Ratten kann man nach The Paper Record dadurch vertreiben, daß man altes Papier mit Oxolsäure- Lösung tränkt und in nassem Zustand in die Rattenlöcher und Wege stopft. Die Ratten sollen dann auf immer wegbleiben.

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Das Fertiggekochtsein eines Fisches erkennt man nach der Ansicht vieler Hausfrauen und Köchinnen daran, daß man den Boden des Kochgefäßes ohne Schmerzempsindung be­rühren kann. Die Ansicht ist durchaus richtig und es spielt hier dieselbe Erscheinung eine Rolle, wie bei flüssigen Metallen. Bekanntlich tauchen Hüttenarbeiter die Hand ungestraft ganz kurze Zeit in geschmolzenes Eisen oder Blei, oder durchschneiden den Strahl flüssigen Metalls, der aus einem Schmelzofen fließt. Es entsteht in diesem Falle um die Hand, infolge der raschen

Verdunstung der Feuchtigkeit derselben, eine Dampfhülle, welche die Hand vor der Verbrennung schützt- Es sollen deshalb Leute mit sehr trockener Haut das Kunststück nicht wagen; ebenso wenig gelingt es, wenn die Flüssigkeit nicht sehr heiß rst. Auf die Fifchpfanne angewendet, ergibt der Vorgang, daß man sich nicht verbrennt, wenn der Fisch gar ist, weil die Pfanne alsdann eine sehr hohe Temperatur besitzt, welche die Bildung der Dampfhülle ermöglicht.

Gummibäume wollen schattig stehen. Viele Blumen­freunde sind'der Meinung, der Gummtbaum, weil er aus heißen Ländern stammt, müsse in ein recht sonniges Fenster gestellt werden. Gerade das Gegentheil, ein nicht sonnig gelegenes Fenster behagt ihm am besten- Wie ost sieht man nicht Gummi- bäume mit ganz gelbgrünen, kränklichen Blättern, was vom sonnigen Standpunkt herrührt.

Oeviirischtes.

Große Gourmands sind die Mäuse. Nach Mit­theilungen aus Amerika sollen sie Naturbutter und Margarin- butter unterscheiden können. Die Beobachtung wurde in einem chemischen Laboratorium gemacht, wo einige Büchsen mit Butter­proben in einer Nacht von Mäusen heimgesucht wurden, während andere unberührt blieben. Die Untersuchung zeigte, daß die ersteren allein Naturbutter enthielten. Der Versuch wurde wiederholt, und es ergab sich auch da, daß die Mäuse der Natur­butter vor der Margarinbutter den Vorzug gaben. Jede kluge Hausfrau wird sich also fortan Mäuse als Hausthiere halten müssen.

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Ein Verächter derEtikette".Ah, was ist denn das für eine miserable Sorte?'Ich bitt' sehr: Nier­steiner!"So? Das ist Wohlsein Taufname?"

Sein einziges Interesse. A.:Lieber Freund, etwas sehr Wichtiges..." B.: (Bergfex) ihn unterbrechend: Wie viele Meter über dem Meeresspiegel?"

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Cathederweisheit. Professor:MeineHerren,Achilles trug in der Schlacht einen Helm mit einem Federbusch aus Roßhaaren." * *

Jdeenverbindung. Mama:Nun, Lieschen, zeige dem Herrn Doctor Deine Zunge!" Lieschen:Muß ich ihm eine lange Nase auch dazu machen, Mama?"

Letzter Ausweg.Wie hat sich der Doctor nur entschließen können, ein so häßliches Mädchen zu heirathen?" Er war total fertig, da blieb ihm kein anderer Ausweg, entweder Gift oder Mitgift!"

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Stoßseufzer. Reisender:. . . Und dann -kamen wir nach einer blühenden Insel, die herrenlos sein soll." Back­fisch:Herrenlos? Ach das muß.eine schreckliche Insel sein!"

Selbstgefühl. Baronin (neu geadelt):Gott, was würde sagen Dein Vater, wenn er Dich jetzt sähe, Meyer?" Baron:Was würd' er sagen? ... .Herr Baron würd er sagen!" *

Nettes Kompliment. Er:O, Elli, wirst Du auch glücklich mit mir werden?" Sie:Gewiß, Arthur; ich bin ja so anspruchslos!"

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Vorahnung. A. (imTheater):Du, wer ist denn der Herr dort dicht beim Ausgang?" B.:Das ist der Dichter der heutigen Premiore."

Redaktion: A. Scheyda. Druck und Vexlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.