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struirte wandförmige Netze ausgeworfen und wieder eingezogen werden.
In einem andern Theil des Sees, bei Langenargen, wird dem Nachtfaug der Vorzug gegeben; an Schwimmern werden des Abends bis zu einer Tiefe von circa 20 Metern gewaltige Netze von 1200 und mehr Meter Länge versenkt, die die Nacht über im See bleiben, am nächsten Morgen, an welchem das schwimmende Netz von Wind und Strömung oft weit Hinweggetrieben ist, muß es wieder aufgesucht und herausgeholt werden. Bei beiden Methoden ist es in gleicher Weise dem Zufall anheimgegeben, wie viel Fische zufällig in den Maschen hängen geblieben sind. Viele Züge sind leer, 10-20 Stück Felchen giebt Klunzinger als den Durchschnittsertrag eines Netzzuges beim Nachtfang an, und nicht viel besser stellt sich ost das Resultat einer Tagesarbeit. Sind die Fische in größere Tiefen gegangen, so sind sie sicher geborgen und völlig unerreichbar. Nur in der kurzen in den Winter fallenden Laichzeit werden auch größere Maffen gefangen, und manchmal läßt die Laune des Glücks den Fischer, der sich unverdrossen plagte, auch einen Petrifischzug thun. Die Menge der im Laufe eines ganzen Jahres zum Fang kommenden Blaufelchen wird auf 100000-120000 Stück geschätzt.
In ähnlicher, zum Theil auch größerer Zahl wird der nächste Verwandte des Blaufelchen, der Gangfisch, erbeutet, der zoologisch kaum vom Blaufelchen zu unterscheiden, in seiner ganzen Lebensweise sich aber wesentlich anders verhält und selbst nach seinem Tode einer anderen Behandlung unterliegt. Während die Felchen ausgeweidet und frisch verschickt werden, kommt der Gangfisch geräuchert in den Handel, wie der Leser schon aus Ekkehard weiß, denn geräucherte Gangfische sind es, die der fischkundige Leutepriester Märgal seinem auf Hohent- wied ziehenden Mitbruder Ekkehard vorsetzt, nachdem ihm dieser Wildgänse und Rohrdommel so schnöde verscheucht.
Mit den Felchen eoncurirt um den Ruhm, der trefflichste Bodenseefisch zu sein, wie schon oben angedeutet, erfolgreich die Seeforelle, und im Preis steht sie mit IV2—2 Mark pro Pfund weit über den Felchen, bei denen das Pfund nur bis zu 1 Mark gezahlt wird. Der stattliche Fisch, eine Zierde jeder Tafel, erreicht das Gewicht von 15 Kilogramm, und jährlich werden im Durchschnitt circa 8000 Kilogramm gefangen, theil- mit Stellnetzen, theils mit Angelschnüren jeder Art. Während die Felchen hauptsächlich nach Süddeutschland und der Schweiz versandt werden, gehen die Seeforellen, die im Gegensatz zu den Felchen nicht ausgeweidet werden, besonders nach Frankreich, resp. Paris.
(Schluß folgt.)
GeMsiirniWges.
Zur Pflege der Cauarienvögel. Als gutes Futter für Canarienvögel gilt Sommerrübsamen, gemischt mit etwas Hafergrütze, Hirse, Mohn- und Canariensamen, zeitweise auch gequetschten Hanfsamen. Zuckerwaaren sind dem Canarien- vogel schädlich, dagegen bekommt ihm Salat, Kohl und Aehn- liches sehr gut. Zur Fütterung eben ausgebrüteter Jungen setzt man den Alten neben ihr gewöhnliches Futter noch eine Mischung von hartgekochtem Ei und eingeweichter Semmel hin; sobald die Jungen ca. 14 Tage alt sind, kann man gekochten und darnach in frisches Wasser geschütteten Sommerrübsamen geben.
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Teller und Schüsseln mit geneigter Bodenfläche. Eine Neuerung, bei der man sich eigentlich wundern muß, daß man auf den ihr zu Grunde liegenden Gedanken nicht längst gekommen, bilden die von H. Schild in Vegesack angegebenen Teller, bei denen der Boden nicht wie gewöhnlich horizontal ist, sondern nach einer Seite hin schräg verläuft, wodurch es möglich wird, den letzten Rest von Suppe, Brühe rc.
dem Teller mit dem Löffel zu entnehmest, ohne den Teller, wie bisher üblich, heben zu müssen. Die gesetzlich geschützte Neuerung dürfte wohl auf eine allgemeine Verbreitung rechnen können.
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Alpenveilchen zur Blüthe zu bringen. Das durchwinterte Alpenveilchen (Cyclamen) darf nicht an Frost gelitten haben. Im März pflanzt man die Knollen frisch ein und hält sie nahe am Glase. Die Pflanzen dürfen nur mäßig begossen werden. Die Topferde, welche dieser Blume am zuträglichsten ist, besteht aus zwei Theilen Laub-, zwei Theilen Mtstbeeterde und einem Theil feinem Quarzsand. Zu bemerken ist noch, daß diese Zimmerblume dem grellen Sonnenlichte nicht ausgesetzt werden darf.
Vermischtes.
Der Schmuck, welchen die Kaiserin auf dem Sub- scciptionsballe im Berliner Opernhause trug, erregte nicht nur die allgemeinste Bewunderung, sondern wurde auch von Juwelieren, die auf dem Balle Gelegenheit hatten, den Schmuck zu sehen, mit den Worten: „So etwas habe ich noch nicht gesehen!" als etwas Außergewöhnliches bezeichnet. Außer dem Collier, welches aus Smaragden von kaum gesehener Größe bestand, trug die hohe Frau einen wahrhaft fürstlichen Reich- thum von Brillanten. Auf dem Zobelbesatz der canariengelben Atlasrobe glänzte zunächst der Brillantstern zum Schwarzen Adlerorden an der linken Brust, während eine Brillantbroche von ungeheurer Größe mit langen Brillantschnüren zwischen Sternen und Agraffen von Brillanten das Hauptstück an der Taille bildete. Brillantschleifen-Sterne und -Agraffen von ungeheuerer Größe und sprühenden: Feuer funkelten an den Schultern. Das Haupt zierte ein großes, wunderbar schönes Brillantdiadem und die Armbänder wurden aus Brillantschnüren gebildet. Zu sdiesem fürstlichen Schmuckstück ist, wie erzählt wird, jene Hutschnalle Napoleons I. verwandt worden, welche bei Waterloo mit dem Wagen und der gesummten Feldequipage Napoleons von einem preußischen Husaren-Regiment erbeutet worden war. Dem preußischen Krontresor wurde dies Schmuckstück durch Friedrich Wilhelm III. einverleibt. Der König hatte die Edelsteine abschätzen und den Werth dem betr. Husaren- Regiment auszahlen lassen. Dies Kleinod besteht aus einer Plaque von Brillanten, welche den Hutknops darstellt, und zwei davon ablaufenden Schnüren, deren jede 16 einzelne Brillanten enthält. Das Ganze endet in einer Brillantschleife. Sämmt- liche Theile sind auseinanderzunehmen und einzeln zu tragen.
Schlagfertig. Frau Klug: „Ist Frau Schnetter zu Hause?" — Bridget: „Dir Madam ist zu Haus, aber sie hat mir gesagt, ich sollt' sagen, es thät' ihr leid, daß sie aus wär'." — Frau Klug: „Dann gehen Sie gleich hinein und sagen Sie Ihrer Madam, daß ich sehr froh wär', daß ich sie nicht zu Hause angetroffen habe."
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Philosophisch. Stromer (vor der Börse): „Reich- thum macht nicht glücklich, det steht bombenfest. Ick armer Kerl ärjre mir über die Schnapssteuer doch lange nich so doll, wie der reiche Commerzienrath da über die Börsensteuer!"
Mutterwitz. Herr (einer jungen Dame den Arm anbietend): „Darf ich so frei sein?" — Deren Mutter: „O, Herr Doctor, Sie dürfen sogar Freier sein!"
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Begründung. A.: „Aber warum hast Du denn zur Fahrt nach Hause den theuren Courierzug und nicht den weit billigeren Bummelzug benützt?" — Studiosus: „Ja, weißt Du, der hält gar so oft an und — nüchtern wollt' ich doch nach Hause kommen!"
Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schcn Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.


