Ausgabe 
16.12.1893
 
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sa 592

V-vinischtes

Mandel-Bretzeln. 250 g Mandeln abgezogen und gestoßen, 250 g Zucker, 250 g Mehl, 250 g Butter nebst der Schale einer Zitrone zu einen Teig vermischt den man , etwas kalt stellt, bis er steif geworden. Hierauf formt man Bretzeln, bringe sie auf ein mit Mehl gut bestrichenes Blech, be- I streicht sie mit Ei, bestreut sie mit Zucker und backt sie in ge­linder Hitze. * ,

Verwendung der Aepfel zu Kaffee. Die Aepfel, auch angefaulte, nachdem sie sauber ausgeschnitten sind, werden zu kleinen Stückchen geschnitten, ohne daß man das Kernhaus oder sonst etwas entfernt, hernach gut gedörrt und im Mörser zu Mehl gestoßen. Nimmt man zum Kaffee die Htilfte Bohnenmehl und die Hälfte solches Mehl, so merkt nur ein Feinschmecker den Unterschied. Man kann aber auch wenb aer Bohnenmehl verwenden, sogar ganz weglassen, oder auch I nur Apfelmehl mit Cichorien gebrauchen und erhält emen woyl- schmeckenden Kaffee. Das Mehl läßt sich in Blechbüchsen oder in irdenen Töpfen aufbewahren und ist wegen seiner Billig- feit, hauptsächlich aber wegen seiner günstigen Einwirkung auf die Gesundheit nicht nur den Vegetarianern, sondern Jeder­mann zu empfehlen. * ,

Ein treffliches Apfelmus, welches sich fünf Jahre hält und in gesegneten Obstjahren bereitet werden kann, wird folgendermaßen zubereitet: Man nimmt -in weites Gefäß und macht es nicht ganz voll mit Waffer; man schneidet die Apfel, ohne sie zu schälen, in Viertel; man nehme die Kernhäuser heraus, sammle aber die Kerne, zerquetsche sie und gebe sie mit dem Aepfel in das Gefäß; man bindet letzeres mit Papier zu und stelle es in einen mäßig heißen Ofen; wenn die Aepfel | ganz weich und kalt sind, streiche man das Fleisch derselben mit einem hölzernen Löffel durch ein Sieb Auf zedes Pfund Obst nehme man nach dem Zerquetschen 3/4 Pfund gestoßenen Zucker, koche gelinde, bis sich Gallerte bildet. Man grebtdie Masse in Gefäße und verschließe dieselben mit thlerischer, Blase. Soll sich das Mus nur eine kurze Zeit halten, so braucht 1 man weniger Zucker anzuwenden.

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Kartoffeln bei Frost zu versenden. Man taucht die Säcke, in welchen die Kartoffeln versendet werden sollen, in kaltes Waffer, füllt dann die Kartoffeln ein und begießt die Säcke von außen wieder mit kaltem Waffer. Auf diese Werse verpackt, halten die Knollen den stärksten Forst aus. Der Grund ist ein ganz natürlicher, denn durch die Nässe werden dre Zwischenräume des Gewebes der Säcke ausgefüllt und das außen sich bildende Eis verhindert das Eindringen der Kälte oder vielmehr das Entziehen der Wärme, die in den Kartoffeln enthalten ist. #

Gefrorene Eier gerrietzbar zu machen. Man vermischt frisches Brunnenwaffer mit etwas Salz und legt Die gefrorenen Eier hinein. Hierdurch wird der Frost heraurge- zogen und die Eier werden so brauchbar wie zuvor.

Ein famoser Thee. Lieutenant (zu seinem Burschen): Blasius, ich habe für heute zwei Kameraden zum The«r ge­laden. Du wirst Alles besorgen, was dazu nöthig ist - Eier, Butter, Schinken, Sardinen, Käse - Thee habe ich gestern selbst ein Pfund gekauft hier ist er - um sechs Uhr soll Alles parat sein, so daß dann der Thee gleich sermrt werden kann. Verstanden?" Blasius:Zu Befehl, Herr Stellte* nantI" Um 6 Uhr kehrt nun der Herr mit seinen beiden Gästen moidshungerig vom Exerzieren heim.Alles in Ord* Eg?"Zu Befehl, Herr LieutenantI" Die Krtegsmänner machen es sich bequem. Der Tisch ist fein säuberlich gedeckt und hergerichtet. Da öffnet sich die Stubenthür und herein tritt Blasius mit einer großen dampfenden Schüffel.Wie auch eine Platte Braunkohl?" ruft freudig überrascht beim Anblick des Gerichts einer der Gäste aus; er hatte ja nur auf Thee mit Hindernissen gerechnet I Dem Hausherrn wird ahnungsvoll zu Muthe, er wirft einen prüfenden Blick aus die Platte, die wirklich nach garnirtem Braunkohl aussieht.War soll das? Ich befahl doch nur Thee!"Da ist er ia! erwidert triumphirend Blasius, auf die Schüffel weisend. Er hatte das Pfund Thee kunstgerecht als Gemüse gekocht und mit Schinkenschnitten, Spiegeleiern und Sardinen zierlich garnirt!

Redaction: A. Scheyda. ^Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.

Gemeinnütziges.

Marzpian. */2 Pfd. Mandeln gebrüht, abgezogen und gerieben oder gestoßen,'/2 W Zucker gerieben und tüchtig mit den Mandeln vermengt (mit der Hand oder Löffel), dann für 10 Pfg. Rosenwasser nach und nach daran getham aus gelinder Hitze austrocknen laffen, den Schnee von 2 Eiweiß daran gerührt und wieder erkalten laffen, auf ein Brett ge­nommen, in Mehl gerollt und allerlei Formen ausgestochen oder mit dem Meffer zu Kartoffeln, Semmeln, Obst u. s. w. geformt; darauf in mäßiger Hitze ungefähr 1/4 Stunde gebacken und über Nacht stehen gelaffen.

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Problematisches Lob.Haben Sie meinen letzten Roman gelesen, lieber Freund?"Jawohl."Nun, wie hat er Ihnen gefallen?" -Ich habe das Buch mit dem größen Vergnügen aus der Hand gelegt."

Aus der höheren Töchterschule. Profeffor: Fräulein Laura, Ihr Aufsatz ist so flüchtig geschrieben, daß ich ihn kaum lesen konnte." Laura: ,,O, entschuldigen Sie, Herr Profeffor, meine Feder war so schlecht!' Professor (furz):So, dann hätten Sie sich eine andere ausrupfen sollen!" e ,

Unverschuldet. Vater (zu einem um die Hand der Tochter anhaltenden Cavalier):Bevor ich Jhnen das Jawort gebe, gestatten Sie mir die Frage: Haben Sie Schulden? - Cavalier:Vollständig unverschuldet."

Wurst wider Wurst. 'Zwischen einem Hauswirth und einem Miether soll kürzlich folgendes drastische Zwiegespräch stattgefunden haben. Wirth:Haben Sie Kinder? Miether. Nein." Wirth:Das ist sehr gut, denn an Miether mit i Kindern vermiethe ich nicht." Miether:Haben Sie Kinder?" - Wirth:Ja, vier." - Miether:O, das thut mir leid, bei Wirthen mit Kindern, miethe ich nicht!

Was man Alles liebt. Lehrerin (in der oberen Klaffe eines Mädchenpensionats docirend):Die Neigungen des Menschen wechseln vielfach mit seinem Lebensalter. Wenn \ man alt ist, liebt man die Ruhe, die Zurückgezogenheit, den Frieden, dagegen wenn man jung ist, liebt man nun, Bertha < Bertha :Den Lieutenant." *

Genügsam.Ich muß'meiner Frau die eine Gerechtig­keit widerfahren laffen, daß sie sich mit sehr Wenigem be­gnügt."Mit sehr Wenigem? Was soll ich erst von der meinigen sagen, die begnügt sich mit gar nichts."

D i ch t e r s e h n s u cht. Dem Berliner Echo wurde folgen­des Inserat eingesendet:Ein junger Beamter mit gutem Ge* halt und im Besitze von Vermögen sucht auf diesem nicht mehr ungewöhnlichen Wege eine Lebensgefährtin. Sie muß vor Allem von poetischem Gemüth (er selbst dichtet auch) und nicht über 30 Jahre alt sein. Vermögen Nebensache. Proben der I Gedichte bitte an ... . einzusenden."