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Donnerstag, den 16. Februar.
Dämon Gold.
Original - Roman von W. Höffer.
(Fortsetzung).
Auch Hans Adam hatte am Fenster gestanden und auf die Landstraße hinausgesehen, erfüllt von uneingestandener Furcht und heimlichem Groll. Ein Scandal, ein schmachvolles Er- eigniß in seinem Hause — das fehlte gerade noch.
Dergleichen fliegt wie ein Lauffeuer, es wird ausgeschmückt, vergrößert, entstellt; wohin man kommt, da flüstern die Leute, fragen, spioniren oder wollen, als das Allerärgste, ein mitleidiges Wort sprechen, daß man wohl aus der Haut fahren möchte.
Er schrak plötzlich auf. Da war ja der Wagen.
Zwei Herren darin, der Arzt und der Physikus. Hoffentlich erwies sich nun die Sache als hinfällig, als ein albernes Hirngespinnst.
Er empfing die Herren außerordentlich kühl und ging selbst mit ihnen, um das Sterbezimmer aufzuschließen. Von seinen Lippen brach ein Schrei der Ueberraschung.
„Ruth!"
Der Arzt runzelte die Stirn. „Herr Baron, Sie haben Ihr Wort gegeben, Jedem, wer es auch sei, den Zutritt zu diesem Zimmer zu versagen?"
„Und das habe ich gethan," brauste er auf. „Der Schlüssel ist nicht aus meinen Händen gekommen. Aber freilich, die Tapetenthür! — Man kann eben in solchem Augenblick nicht an Alles denken."
„Ruth!" rief er dann wieder. „Ruth, komm' zu Dir!"
Sie regte sich Nicht! Die Kammerjungfer mußte herbeigerufen werden und erst mit ihrer Hilfe gelang es, die Ohnmächtige in ein anderes Zimmer zu schaffen. Dann kehrte der Arzt, nachdem er einige vorläufige Anordnungen getroffen, zu seinem Collegen zurück. Die traurige Untersuchung der Leiche begann von Neuem und nun machte der Physikus dem Schloßherrn die Mittheilung, daß man die Behörde benachrichtigen und ihr alles Wertere überlassen müsse.
„Ein natürlicher Tod hat nicht staitgefunden," hieß es.
Der Baron schäumte vor Zorn. „Wollen Sie nicht etwa gar die Leiche meiner armen Frau in das städtische Krankenhaus bringen lassen?" rief er. „Wollen Sie nicht die Beerdigung verbieten?"
„Richt ich," antwortete ruhig der Doctor, „aber das Gericht, Herr Baron. Sie können dagegen nichts einwenden."
Dann war Hqns Adam wieder allein. Erst nach Stun
den hatte Ruth die Besinnung wieder erlangt, aber sie konnte nicht aufstehen und so blieb der Baron auf sich selbst angewiesen bis zum späten Nachmittag, dann erschien seine junge Schwägerin im Wohnzimmer, bleich wie eine Sterbende, schwankenden Schrittes, mit dunkel umrandeten Augen und einem Gesichte so voll Verzweiflung, daß ihm der Vorwurf auf den Lippen erstarb.
„Kleine Ruth," sagte der Baron, „wy? treibst Du für unkluge Dinge? Weshalb sagtest Du mir nicht unter vier Augen, daß Du in Cäciliens Zimmer zurückzukehren wünschest? Wir wären dann zusammen gegangen und hätten dies unangenehme Aufsehen vermieden."
Sie erhob mühsam den matten Blick zu seinen Augen. „Hans — Du hattest doch dem Arzt Dein Wort gegeben."
Er lächelte sorglos. „Mein Wort gegeben, Ruth! Was heißt das denn gleich? Ich bin doch hoffentlich noch Herr in meinem eigenen Hause?"
Sie ließ den Kopf in den Sessel zurücksinken. „Wir verstehen uns nicht, Hans. Ein Versprechen sollte doch heilig sein "
„Das kommt sehr darauf an. Wie Vieles gelobt man nicht, dem Zwänge des Augenblicks gehorchend, aus purer Höflichkeit oder aus Jrrthum — um es sehr schnell wieder zu vergessen. Dahin gehörte auch dieser Fall."
Ruth antwortete nicht, erst nach langer Pause fragte sie, mühsam sprechend: „War Wolfram hier?"
„Nein," gab er zurück. „Wie kommst Du darauf, Ruth?" „Weil er mir gestern schrieb und in seinem Briefe für heute einen Besuch in Aussicht stellte."
„Gut. Dann lassen wir ihn abweisen."
Ruth sah auf. „Abweisen?" wiederholte sie ganz erstaunt. „Weshalb, Hans?"
„Weil ich denke, daß an diesem Tage jeder fremde Besuch störend sein muß. Aber ganz wie Du wünschest, Ruth."
Sie legte matt die verschlungenen Hände in den Schooß.
„Wofram kommt hierher als mein Vormund, Hans. Und überdies — ist er uns wirklich ein ganz Fremder?"
„Wie Du wünschest, Ruth," sagte nochmals der Baron.
Seltsam, sie verstanden sich an diesem Tage durchaus nicht.
Etwas später kam Erich, den die Schreckensbotschaft unterwegs schon erreicht hatte. Er bot tieferschüttert dem Jugendfreunde die Hand. „So schnell mußte es kommen, mein armer Hans? So ganz plötzlich!"
„Wir sind immer noch wie gelähmt," sagte der Baron. „Wir sehen uns an und zweifeln an der Wirklichkeit der Dinge."
Ein wehmüthiges Lächeln umspielte Erichs Lippen. „Es


