Ausgabe 
15.6.1893
 
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Schmutzige Strohmatten werden sauber, wenn man eine Handvoll Kochsalz in warmem Wasser auflöst, eine scharfe Bürste hineintaucht und die Strohmatten gehörig mit dem Salzwaffer abbürstet. Sie werden weiß und schön.

Um Fußböden Weitz zu scheuern, nehme man nicht Seife, sondern einen Theil ungelöschten Kalk und drei Theile Sand. In diese Mischung wird die Putzbürste getaucht. Diese Art, zu reinigen, stellt sich billiger, als die mit Seife, nimmt allen Schmutz fort, tödtet vorhandene Jnsecten und macht rein weiß, doch muß mit klarem Wasser nachgespült werden-

Alle Kleidungsstückevom Kopf bis zur Zehe, welche einen Körpertheil übermäßig drücken zu feste Halsbinden und Krägen, Strumpfbänder, Corfett, Leibgurte, Schuhe und welche dadurch besonders die Blutbewegung hindern, sind der Gesundheit nachtheilig. Leibgurte sind überhaupt zu meiden und durch elastische Beinkleidhalter zu ersetzen.

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Lederschwärze. Eine gute Lederschwärze wird nach derLeipziger Färberzeitung" hergestellt durch Lösen von 500 Gramm schwefelsaurem Eisen und 15 Gramm Weinsäure in einem Liter Wasser einerseits und durch Abkochen von 750 Gramm Blauholz mit 8 Liter Wasser auf 500 Gramm und Zusatz von 100 Gramm Traubenzucker andererseits. Beide Lösungen werden gemischt. Kräftigere Schwärze erlangt man, wenn man der Blauholzabkochung noch 12 Gramm Anilinblau, schwarz zusetzt. Man entfettet das Leder mit verdünntem Ammoniak (1:25) und trägt die Schwärze mittels einer Bürste auf. # #

Sauere Nieren aus süddeutsche Art. In 70 Gramm Butter röstet man zwei Eßlöffel voll Mehl braun, thut eine feingehackte Zwiebel nebst mehreren in dünne Scheib­chen geschnittenen Kalbs- oder Hammelrnieren hinzu, läßt beides ziemlich weich dünsten, gießt Liter kräftige Fleischbrühe und etwas Essig an, würzt die Sauce mit Salz und Pfeffer und läßt sie unter öfterem Umrühren vollends weichkochen. Oder: man schwitzt die Zwiebel und die Nierenscheibchen zuerst in Butter weich, thut Pfeffer und Salz hinzu, stäubt einen Löffel Mehl darüber und verkocht dann das Ganze mit Fleischbrühe und Essig. * ,

Dunkle Kleidung. Ein englischer Arzt sagt in dieser Beziehung: Es ist nicht allgemein bekannt, daß ein Mann, welcher in Krankenzimmern schwarze oder dunkle Kleider trägt, empfänglicher für ansteckende Krankheiten ist, als derjenige, welcher mit helleren Stoffen bekleidet ist, weil die feinen Theile, welche von den kranken Körpern ausströmen, viel leichter von dunklen als von Hellen Stoffen aufgesaugt werden. Dies läßt sich erproben; so wenn man ein Helles und dunkles Gewand fünf Minuten lang dem Tabakrauch aussetzt, wird man finden, daß das dunkle stärker nach Tabak riecht und den Geruch länger festhält als ein Heller Stoff. Im Zimmer, wo ansteckende Krankheiten herrschen, sollte man deßhalb keine schwarzen und dunklen Gewänder tragen-

Vermischtes.

Dante und seine Katze. Dante behauptete einst gegen seinen Freund Getto, daß die Kunst doch noch mächtiger fei als die Naturtriebe, und führte zum Beleg für diese Be- Häuptling seine Katze an, die er so abgerichtet habe, daß sie mit gänzlicher Ueberwindung ihrer natürlichen Furchtsamkeit in ihren Pfoten ein brennendes Licht halte, wenn er Abends lese.Das muß ich erst selbst sehen, ehe ich es glaube," meinte Getto. Es wurde denn nun ein Abend für die Be-

weisführung bestimmt. Getto fand sich zur verabredeten Zeit mit einer verdeckten Schüssel ein. Dante fetzte sich, Getto nahm ihm gegenüber Platz und sah wirklich, wie die Katze geduldig ras Licht mit den Pfoten hielt. Plötzlich hob Getto den Deckel von der mitgebrachten Schüssel und ein paar Mäuse sprangen jeraus, die Katze ließ sofort das Licht fallen und sauste den Mäusen nach.Die Natur hat gesiegt I" sprach Dante mit leichtem Lächeln. * ,

Durch die Blume. Herr (zu seinem Freunde, der ihm etwas auf dem Glavier vorspielt):Du, sobald 'ne Pause kommt, thu' mir den Gefallen und halte sie ein paar Stunden lang 1"

Dito."

D'r Hannes hat sich Geald gespoart, Geleabt stets treu ean billig, Ean woas he schafft, doas hat e Oart, Zoum Earwern woar heh willig, Ean wäi nachher sei Ahler kohm, Do wollt he schiene Doahe, Er nahm sein Krempil ean sein Krohm, Eas ean di Stoadt gezoahe.

Etzt ean d'r Stoadt do woarsch em Recht, Do leabtr ohne Soarje;

Hat he ka Geald, ean gongs em schleacht, Do mußt d'r Kaufmann boarje.

Kohm dann d'r Zinsdoag irscht eroh Ean krog 'r wirrer Gelle, Do fing 'r meat bezoahle oh, Nix haßt d'r mih wäi Schelle.

D'r Kaafmann hat em ahnst emol E Reachning zougescheckt, D'r Hannes, der eas dozumoal D's irschte maal erschreckt. Do stann d'r Kaffii-Sirregoat, D'r Kwetschehoing deneawe, Doach weirer uf d'm Reachningsbloat Deals voll vonDitos" weawe.

D'r Hannes denkt, douh hoast doach nait AchDitos" zou bezoahle!

Jmsost m'r doach sei Doatte Mit; Dem will ich ebbes moale.

Er rauft sei Fraah, di Life her Meat ihre decke Dappe Ean freckt se woas eDito" wer, Däi he nu sollt berappe.

Di Life säht: Aich waas es näit, Gih dou zoum Kaafmann sealwer, Kan Fennig er firDito" Mit, Der hält uns domm, wäi Kälwer. Ean wann er uns däi näit erläßt, Do gih m'r zou eam annern, ES eas joa groad aach näit d's best, Von ahm zoum annern wanncrn.

Zoum Kaafmann nu d'r Hannes kohm, Ean mächt em Virhalt driwer, D'r Kaafmann dann di Reachning nahm, Eatzt lacht 'r laut do driwer.

Ear legt d'm Hannes alles aus, WoasDito" häßt eam Loahre; D'r Hannes lacht sich aach noch aus, Er hat de Spoatt beim Schoare.

Dann kohm er haam in aaner Fraad Säht säi: Eas nochgeloasse, WoasDitos" sei, hoats he gesaht, Hoats ihn aach näit verdroasse? D'r Hannes brommt ean sich enean M'r soah em etzt sei Wuth oh: Ear Hot gesaht, doas domm mir wearn, En Schofskopp aich douDito".

Hugo Bach-Friedberg.

Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.