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Und
Der Hausarzt, der sich bald einfand, schüttelte bedenklich den Kopf und erklärte nach genauer Untersuchung, die rechte Lunge sei durchschossen und er wisse nicht, ob der Fürst gerettet werden könne. ..... -
Therese erbleichte, aber sie blieb standhaft, und als sie allein war, hob sie still die gefalteten Hände gen Himmel und murmelte: „Herr mein Gott, nun will ich sühnen den Mei«
schmerzt mich." , ,,
Schon war die Sonne längst untergegangen, ee hatte acht Uhr geschlagen, als unten im Schloßhof ein seltsam unruhige» Treiben entstand, ein Gehen und Schlürfen, unterdrückte Commandorufe und dazwischen dumpfes Stöhnen. Erstaunt trat die Fürstin auf den Balkon und sah eine Laterne duster ausflammen, doch die Leute um das Licht her drängten so zu« sammen, daß etwas Anderes sich nicht erkennen ließ.
Ein seltsam angstvolles Gefühl schlich in ihr Herz, kurz entschlossen eilte sie hinaus, die Treppe hinunter und wollte aerade die Hausthür öffnen, al« dieselbe von außen aufgemacht — und die leblose Gestalt Fürst Sereco» auf einer Trage hereingebracht wurde. Therese fuhr jäh zurück doch schon batte sie sich so weit in der Gewalt, daß sie möglichst deutlich fragen konnte: „Was ist hier geschehen, Ihr Leute?'
.Ein — Unglück, Euer Durchlaucht," stammelte der alte Kammerdiener athemlos, „Seine Durchlaucht Fürst Nikolaus kam, uns zu sagen, daß — daß unser gnädigster Herr im
I Walde läge und da — holten wir ihn herein."
„Haben Sie schon nach dem Herrn Geheimrath gesandt? Und dann rasch, Clemens, bringen Sie Licht in's Schlafzimmer. Ein anderer Diener muß eilig Eis und Compreffen besorgen-
Fant den Handschuh in's Gesicht geschleudert und ihn beschimpft, sodaß er mich fordern mußte."
„Sergei," schrie die junge Frau entsetzt auf, „war sagst Du da. Blut soll um meinetwillen fließen? Allmächtiger Gott, nur das nicht! Laß Dich anflehen I Verhindere da« Duell."
„Nein," gab er eiskalt zurück und verschränkte die Arme über die Brust, „nimmermehr! Er oder ich! Man soll nicht sagen, daß ich mich von meiner Frau hintergehen lasse."
„Beim Himmel, ich bin Dir stets treu gewesen," antwortete das junge Werb, die gerungenen Hände zu ihm aufh-bend, „Sergei, wenn Du mich jemals geliebt hast, erbarme Dich, schone jenes unschuldige Leben!"
„Verführerin," höhnte er, dicht vor sie hintretend, „Du scheinst Denjenigen verhängnißvoll zu werden, deren Herzen für Dich entflammen. Weißt Du auch wohl, daß Dein ehemaliger Verehrer, der interessante Obersöcsterssohn, in einer Irrenanstalt als wahnsinnig untergebracht wurde?"
Nein, das Unglück hatte die arme Frau noch nicht gewußt und mit einem gellenden Aufschrei sank sie auf einen Stuhl. Höhnisch lachend fuhr ihr Gemahl fort: „O, endlich einmal natürliche Off nheit! Der wahnsinnige Doetor Fels thut Dir leid, er konnte Dir so schön den Hof machen."
, „Ja, ich - habe ihn einst geliebt," stammelte sie außer i sich, „ihm allein gehörte einst mein Herz — und er ist um | meinetwillen wahnsinnig geworden!"
Aber sie war schon allein, schallend fiel die Thür hinter dem Fürsten in's Schloß und er ballte die Faust beim Weiter« aeben" , Elende, falsche Weiber," knirschte er zwischen den Zähnen, „es ist eine wie die andere! Sie find Alle falsch, aber ich will Dir die Falschheit noch austreiben I"
Zum Mittagsmahls fand sich nur der Fürst ein, denn feine Gemahlin ließ sich entschuldigen. Hinter verschlossenen Thüren rang sie die Qual eines ganzen Menschenlebens nieder und al« sie dann endlich hinaustrat, schien sie um Jahre gealtert. — Ruhig sprach sie mit der Dienerschaft, ließ sich Kaffee bringen, that, als sei nichts vorgefallen und ordnete an, daß etwaiger Besuch abzuweisen sei. „Ich bin nicht wohl, mein Kopf
nun rasch vorwärts!"
Sie öffnete selbst die Thür zum Schlafgemach, faßte mit an, als man den durch Blutverlust ohnmächtigen Gatten aus sein Lager bettete und zeigte überall die größte Umsicht und
Wenige Wochen darauf, an einem heißen Julitage, saß die Fürstin Sereco in ihrem Boudoir und schrieb Briefe; sie war sehr ernst und auf der Platte des Schreibtisches schim« merte eine Thräne, aber die Hand zitterte nur wenig, als sie den Brief an die Mutter mit folgenden Zeilen beendete:
„Sergei ist sehr aufgeregt. Er lebt in der krankhaften Idee, daß sein Vetter Nicolaus Sereco, der seit acht Tagen bei uns ist, mir den Hof macht und ich ihn begünstige- Es sind dies auch für mich schwere Zeiten, denn ich sitze meist wie eine Gefangene im Zimmer, um auch das kürzeste, gleichgültigste Zusammentreffen mit jenem jungen Manne zu vermeiden. Nichtsdestoweniger gibt es fast täglich für mich eine Scene. Doch nun lebe wohl, meine liebe Mama; bete für mich und ich bete für Dich! Deine Therese."
Sie hatte kaum das elegante Papier in den Umschlag ge« schoben, als der Fürst sehr erregt eintrat.
„Nun, Madame," rief er zornig, „hier finde ich Sie, als sei nichts vorgefallen — und Nicolaus besitzt dabei die Granate, | welche Sie gestern im Sommertheater an der Brust trugen. Wie geht das zu? Meinen Sie, ich ließe mich von meiner Gemahlin an der Nase herumführen?"
Therese erhob sich ebenso erstaunt wie unwillig. „Ich verstehe Dich nicht, Sergei," antwortete sie sest. „Willst Du mir erklären, weshalb Du hier eindringst, um mich zu belei« digen? Ich sühle durchaus keine Schuld in Betreff Deines
„Aber er liebt, er vergöttert Dich," sprudelte der wie wahnsinnig eifersüchtige Fürst heraus, „er verfolgt Dich mit seinen Blicken und hat mir soeben erklärt, daß ich eine solche Perle wie Dich gar nicht verdiene."
„Bin ich etwa daran schuld? Er reist ja bald wieder ab und dann sällt der Grund Deiner Erregung gleich weg.'
„Hoho, Du meinst, ich ließe mir diese Beleidigung ge« fallen?" tobte Sereco. „Mit NichtenI Ich habe dem jungen
WM „Ich erkläre mich völlig bereit, Dir zu gehorchen und j Deinen Befehl zu erfüllen, Oskar, wenn Du mir aufgibst — mir eine Kugel vor den Kopf zu schießen." eg Es blieb eine Weile still im Zimmer, dann erhob sich Berner langsam von seinem Stuhl und trat, den Freund mit sonderbar starrem Blick unverwandt ansehend, dicht vor ihn hin; dann hob er die beiden ausgebreiteten Hände gegen dielen auf, die Finger ein wenig nach innen gebogen. Arthur Fels aber lächelte unheimlich, er schaute in das paralysirende Auge des Freundes, bis fein Sinn sich verwirrte — und er zurücksank in die Polster.
„Das Erschießen werde ich Dir nun nicht auftragen, armer Arthur," murmelte Doctor Berner vor sich hin, „wenn Du erwachst, sollst Du vergessen haben, daß Oskar Berner, Dein einstiger Comilitone, Dich als Arzt behandelt, aber Du darfst zu dem einen begangenen Verbrechen nicht noch ein zweites und größeres hinzufügen. Wache auf!"
Er verließ das Zimmer und rief den Wärter herein, ihm die größte Vorsicht empfehlend, denn wenn der Kranke erwachte, würde er woh! in Tobsucht verfallen.
Armer Arthur! Als er die Augen öffnete und sich in dem kleinen, eleganten Gemach, dessen Fenster mit Gitter verwahrt waren, sah, da legte er nur die Hand an die Stirn und ^EbJst^die Fran Fürstin schon erwacht?" frug er den Wär» ter. ,Md wo bleibt mein Vater? Mir ist, als ob ich eine Kugel suche; hat sie nicht in meinen Schläfen gesteckt?"
„Ja gewiß, Herr Doctor," gab der in der Behandlung der Wahnsinnigen sehr bewanderte Wärter zur Antwort, „wir haben sie herausgenommen und Sie können sie sehen, wenn es Ihnen gefällt."
Ja, aber wissen Sie, sagen Sie es Dornröschen nicht ; sie könnte sonst meinen und ihre Thränen legen sich mir wie eine Centnerlast aufs Herz. War nicht Doctor Berner hier?
„O nein, nur unser Herr Director. Aber ich will ihn rufen, denn er frug schon nach Ihnen, Herr Doctor!^---------
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