Nr. 108
1893
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Donnerstag, den 14. September.
nu K Recht, ihr zu zürnen, aber Du liebst mich und sie thut dasselbe, mein Tod wird ihr sehr nahe gehen, und die Schande, die auf sie und auf mein Kind ge- legt werden soll, wird ihr fast das Herz brechen. Mache es nicht schwerer für sie, Erich, als für Deine Rechtfertiqung nothwendig ist, denke an die Gnade, die wir Alle von Gott erflehen, laß ihm die Rache!"
Erich antwortete nicht, und sie hatte das wohl auch nicht erwartet. Draußen sauste der Sturm um das kleine Haus t konnte deutlich das Rauschen des Meeres jenseits der Dunen hören, während sie nebeneinander standen und in das brennende Holzfeuer blickten, das Erich an dem eisigen Abend im Kamin angezündet hatte. Von Erich geleitet und sorgfältig geführt, hatte dann Hertha den Heimweg zurück» gelegt, ein Kuß noch, ein letztes inniges Lebewohl, und sie war im Hause verschwunden. Erich hatte sie nicht wieder gesehen. Einige Tage später hatte ihm die Nachbarin die Kunde gebracht, daß in Grashagen ein Töchterchen bas Licht der Welt erblickt habe, ein elendes, schwaches Wesen, und nach Verlauf einer Woche hatte man der jungen Frau das tobte Kmdlein in den Arm gelegt, als man sie auf den Kirchhof hlnaustrug. Niemand hatte Erich von ihrem Tode benach- rtchttgt, aber als der Trauerzug am Pfarrhaus von Willnick vorüberging, war er schweigend unter das Gefolge getreten dicht hinter bem Zarge genommen, »i* eine Äond in die feine geschoben, eine warme Kinderhand, er hatte sie fest gefaßt und gehalten, während sie am offenen Grabe standen, und als er gleich den Uebrigen das Haupt zum Vaterunser senkte und Erde auf den Sarg warf da ahnte nicht die Mutter oder Malte, noch einer der Umstehenden, daß er die Hoffnung auf die eigene Rechtfertigung in Herthas Grab gelegt hatte, nicht ohne Schmerz und nicht ohne den bittersten Kampf. Nur der Pastor erfuhr es, und er las auf dem bleichen Angesicht des Mannes, als er ihm *@ntfmittheilte, wie feine Seele gerungen hatte. ,,Jch blicke auf zu Ihnen, Erich Hagen," hatte er gesagt, indem er seine Hand drückte, „Sie haben Gott die Sache an- heimgestellt, laffen Sie uns nun seiner Hülfe harren."
Und dann kam die Zeit des Wartens, während Wochen und Monate vergingen. Im Mund der Leute wurde mancherlei von Grashagen gesprochen und kam auch zu Erichs Ohren. Der Einfluß, den Hertha gehabt hatte, mochte doch nicht so gering gewesen sein, wie sie meinte, denn nach ihrem Tode veränderte sich Vieles dort. Malte fing an ein unregelmäßiges Leben zu führen, er war, was sonst nicht der Fall gewesen, häufig im Wirthshaus zu finden und vernachlässigte seine Arbeit, man hörte, daß sein Verhältniß zur Schwiegermutter
Preisgekrönte Erzählung von R. Blankenburg.
(Fortsetzung.)
weiß, Erich, daß ich es nicht überleben werde," hatte Sippe gesprochen, , „und ich fühle, sie werden spuk» 1 Jn ®ra6 legen, wenn mir Gott die Ruhe schenkt, nach der ich mich gesehnt habe. Aber, Erich, rch lasse meinen Knaben auf Erden zurück und — Gott möge mir verzeihen, wenn ich ihm Unrecht thue —, aber ich kann "^ vergessen, keinen Augenblick, daß dann nur sein Leben zwischen Malte und dem Besitz von Grashagen steht. Er ist unk l$ "eiß es, aber die Angst läßt mir keinen Frieden, viellE hTfi, 3)61 ?ob "acht die Herzen weich, daß sie Dir entgegen kommt, wenn Du Dich dann der Mutter näherst und — Du hast Grund, meinen Sohn zu fanb so" Dein Erbe halten, aber ich Dich, ich weiß, daß kein niedriger Gedanke in Deiner » S\fpST{ J®u fein«r a^. ®rich, wache Du über
ihm! Er liebt Dich mit der vollen Hingebung seines Kinder« herzens, nur der harte Zwang des Verbots hält ihn von Dir fern, thue für ihn, was in Deinen Kräften steht!"
Iatte?x Ä;OpJ geschüttelt. „Es ist möglich, Hertha, daß ich Crumbach wieder verlasse." Da war sie vor ^m/u Boden gesunken und mst hoch aufgehobenen Händen hatte sie ihn beschworen, diesen Gedanken nicht in Ausführung ru bringen, bis er ihren Bitten nicht länger widerstehen konnte^ In seinen Armen hatte er die Knieende emporgehoben, und SÄ gelehnt hatte sie ihren Dank ausgesprochen . bte -^"^sicht, daß der Knabe ihm einst vergelten werde, " sur ihn gethan habe. ,,Er wird mich vermissen," hatte .'n er ä .klagend dazu gefügt, „denn seine Liebe zu mir ist groß. Seinetwegen habe ich Gott nicht noch inbrünstiger angefleht, mich aus dem Elend dieses Zwiespaltes zu erlösen MÄ ich gar »°h E daß M-I» Matz Im Li- gefüllt werden wird. Möchte es durch eine Frau aescheben Uolte besitzt, damit sie seine Seele, wenn es sein kann, dem ftiner Hand toar s^wach und willenlos in
, Ein zärtlichen Kuß hatte Erich auf die bleiche Stirn ge- drückt, da hätte sie die Arme um seinen Hals geschlungen. «Roch eine Bitte, mein geliebter Bruder, meine letzte Bitte!
W* und di^E?- Deine- Namens herstellst, so sei gerecht, aber nicht hart gegen die


