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fein; dieselben sollten gar keinen Kaffee trinken. Es gibt jä einen herrlichen Ersatz in dem Malzkaffee. Wenn man sich daran gewöhnt, trinkt man den Malzkaffee in 14 Tagen gerade so gerne, als rote den Bohnenkaffee, zudem kostet der Malzkaffee nur den dritten oder den vierten Theil des Betrages, welcher für den Bohnenkaffee ausgegeben werden muß. Das Kaffeetrinken ist die birecte Ursache der Abnahme des Menschenalters. Vor 40 bis 50 Jahren hat man von Kaffee fast noch gar nichts gewußt, man kannte aber damals auch noch nicht die Nervosität. Wenn das Kaffeetrinken noch weiter so fortgeht, so unterliegt es keinem Zweifel, daß das Menschenalter noch mehr sinkt. Was den Thee anbelangt, so ist derselbe durchaus nicht bester als der Kaffee. Die Hausfrau hat es in der Hand, den Bohnenkaffee aus dem Hause zu bannen, ohne daß die Familie es merkt. Sie braucht nur Anfangs einen Theil Bohnenkaffee und einen Theil Malzkaffee zu nehmen und den Bohnenkaffee jeden Tag etwas beschränken. In 14 Tagen hat sich die ganze Familie an den reinen Malzkaffee gewöhnt, welcher ihr gerade so gut schmeckt wie der Bohnenkaffee. Letzthin kam ein Fremder zu mir, welchem ich das Kaffeetrinken verbot. Der Fremde sagte, daß er das nicht könne. Ich bereitete ihm darauf eine Taffe Malzkaffee und setzte sie ihm vor, ohne daß er wußte, was es war. Der Fremde trank den Kaffee und sagte darauf, diesen Kaffee könne er trinken, aber nur keinen Malzkaffee. Sie sehen, es ist alles Vorurtheil und kommt auf die Gewohnheit an.
Letzthin kam eine Frau zu mir, die litt entsetzlich an Magenbeschwerden; außerdem hatte dieselbe aus Versehen Carbol getrunken. Dieselbe besuchte darauf einen meiner Vorträge, in welchem ich über die Magenbeschwerden sprach und als Heilmittel den Genuß von weißem Käse empfahl. Die Frau ging nach Hause, aß 1/i Jahr lang weiter nichts als weißen Käse und sie war curiert und vollständig gesund. (!) Die Frau batte sich täglich 3 Stück Brod abgeschnitten, eines für den Morgen, eines für den Mittag und eines für den Abend, und hatte diese mit weißem Käse belegt und sie dann gegessen. Manchmal nahm sie noch einen kleinen Apfel dazu.
Nun komme ich zu den Männern. Die muß ich schon etwas stark mitnehmen. Bier und Wein haben fast gar keine Nahrungsstoffe in sich. Wenn Sie aus dem Bier den Nährstoff herausnehmen könnten, und würden ihn auf dm Nagel thun, Sie würden dm Stoff ganz und gar nicht bemerken ; ebenso ist es mit dem Wein. Ich bin im ganzen vergangenen Jahre fünfmal gereist, und habe auf jeder Reise kaum ein halbes Glas Bier getrunken. Der von mir genoffene Wein macht im ganzen vergangenen Jahr keine Flasche aus. Trotzdem ist das Vaterland ruhig und ich bin ruhig. Ich möchte doch namentlich die ärmeren Klaffen der Bevölkerung in ihrem eigensten Jntereste bitten, doch das Wenige, was sie verdienen, nicht in Bier und Wein anzulegen, sondern sich eine gute Kost dafür zu kaufen. Für die 24 oder 26 Pfg., welche man für zwei Glas Bier ausgibt, kann man sich eine recht gute Kraft- suppe, ober eine Getreidesuppe ober beibe Suppen zusammen kochen. Ihr guten lieben Arbeiter, gebraucht doch eine vernünftige Wasserkur unb Euer Loos wirb ein viel erträglicheres fein. Eine gute Kraftsuppe ist genügenb und möchte ich hier ein Necept für eine ganz ausgezeichnete Suppe mittheilen. Kauft einen Liter Roggen und einen Liter Kerne, bas kostet gar nicht viel, thut bas ganze auf eine Platte, legt biefe auf einen Ofen oder auf ben heißen Herd, laßt den Roggen unb bie Kerne trocknen so stark als Ihr könnt — nur laßt es nicht verbrennen —, mengt bann den Roggen und die Kerne untereinander, mahlt das Ganze unb kocht es in Wasser, Fleischbrühe ober Milch unb Ihr bekommt eine äußerst kräftige Suppe, welche gar nicht viel kostet. Warum benn so viel Geld durch die Gurgel jagen? Vor 50 bis 60 Jahren hat man noch sehr wenig von Wirthshäusern gewußt, da hat man namentlich draußen auf dem Lande oft bas ganze Jahr über kein Bier getrunken und das Vaterland ist nicht untergegangen, sondern Alle haben sich sehr glücklich gefühlt, glücklicher als heute.
Nun muß ich noch auf eine Unsitte bei den Frauen unb Mädchen zu sprechen kommen, auf bie Unsitte des Schnürens. In ben früheren Jahren, als bas Frauenvolk bas Schnüren noch nicht kannte, da hat man auch nichts von Specialärzten für Unterleibskrankheiten bei den Frauen gewußt. Die schreckliche Unsitte des Schnürens ist birecte Ursache von Unterleibskrankheiten. Früher haben sich wenigstens nur bie Frauen in ber Stabt geschnürt, jetzt herrscht biefe fürchterliche Unsitte aber auch draußen auf dem Lande. Wie oft steht nicht in den Zeitungen, baß Mäbchen infolge bes Schnürens auf dem Tanzboden tobt umgefallen finb. Ich kenne einen Fall, in bem sich ein Mädchen durch ihr unsinniges Schnüren die halbe Leber durchschnitten hat. Wenn die Menschen so gegen die Naturgesetze auftreten, dann dürfen sie sich über die Folgen nicht beklagen. Wenn die Folgen eintreten, bann kommen sie unb jammern unb wollen bie ganze Welt in Bewegung setzen, um sich noch Hilfe zu verschaffen.
Vor einiger Zeit kam ein Franzose zu mir, ber an furchtbarem Katarrh litt. Derselbe hatte nicht weniger als 7 wollene Hemben an, dann trug er noch ein gefüttertes Chilet unb hieraus kamen noch ein paar Ueberzieher. Zugleich brachte er zwei große Bettflaschen mit sich, von denen er den ganzen Tag die eine hüben, die andere drüben hatte. Wenn er nur an das Fenster gegangen ist, hat er schon einen Katarrh bekommen. Was meinen Sie, wie ich mit dem Menschen umgegangen bin ? Vor allem mußte er gleich ein paar Hemden ausziehen; ferner habe ich ihn in meine „Werkstatt" geschickt, wo er ganz gehörig mit Wasser verarbeitet worden ist. Anfangs wollte es ihm nicht gefallen, bald sah er aber ein, daß fein Zustand sich besserte und nach einigen Wochen konnte er als geheilt entlassen werden.
Abhärtung ist die Hauptsache. Vor allem muß der Hals freigehalten werden! Als seinerzeit die Influenza geherrscht, da hat man sie in Wörrishofen geradezu ausgelacht. Es ist sehr leicht möglich, daß diese Krankheit wieder kommt und dann in stärkerem Grade auftritt, so daß sich die Opfer derselben mehren werben. Die Vorzeigen der eintretenben Influenza finb starkes Kopfweh, überall macht sich Entkräftigung bemerkbar, man hat keinen Appetit mehr unb sieht schlecht aus. Die Influenza ist weiter nichts als Katarrh in höherem Grabe. Wer von ber Influenza befallen wirb, der lege sich ins Bett; wenn er im Bett recht roarm geworden ist und Fieber bekommen hat, dann springe er aus dem Bett und bespritze sich mit kaltem Waffer. Das darf aber nicht länger als eine Minute dauern. Er gehe dann wieder ins Bett unb wiederhole bie Manipulation nach einer Stunde. Dies setze er so lange fort, bis das Fieber aufhört. Wenn er bas 6—8 Stunden gemacht hat, sind die Anwandlungen vorbei und in einem Tage ist die Krankheit vorüber. Einnehmen thut man gar nichts, höchstens eine Auflösung Thee. Was die Cholera anbelangt, so ist dieselbe ganz ungefährlich, wenn man die in meinem Buche niebergelegten Verhaltungsmaßregeln befolgt. In Ham bürg erkrankte eines Tages früh 5 Uhr bas Dienstmädchen eines Bürgers an ber Cholera. Der herbeigerufene Arzt ordnete bie Überführung ber Kranken nach bem Lazareth an. Da sagte sich aber ber Bürger, baß bie Kranke bis um 9 Uhr längst gestorben fein würbe. Er nahm hierauf mein Buch zur Hand unb behandelte die Kranke nach meinem Recepte. Und stehe da, nach einer halben Stunde stellte sich schon Befferung ein und nach zwei Stunden war die Kranke geheilt. Der Hamburger sagte mein Recept zwei ebenfalls von der Cholera befallenen Kranken und auch diese wurden binnen kurzer Zeit gesund. Noch ein Beispiel. Vor drei Tagen kam ein Herr aus Frankreich und erzählte mir Folgendes: Ein Bekannter von ihm hatte meine Bücher gelesen und mit meinem Recepte 600 Cholerakranke curiert. Die Behörde nahm später eine Haussuchung vor und beschlagnahmte das Buch, indem der betreffende Herr die 600 von ihm geheilten Kranken aufgezeichnet hatte. Jetzt darf er nicht mehr curieren.
Redaktion: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.


