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Gin Vortrag des Afarrers Kneipp
„O gewiß, mein Fräulein!" versetzte Warneck sehr ernst. „Ich bitte Sie, mich nicht für einen unpatriottschen oder gar undeutschen Mann zu halten, da die Deutschen draußen in der Welt vor Allem den Segen des großen geeinigten Vaterlandes empfinden. Aber verzeihen Sie — ich will doch lieber drüben setzte sie arm sein als hier, wo mich alle möglichen Feffeln daran hin-
,x ’ dern, mein Schicksal nach eigenem Ermessen zu gestalten. Ver
stehen Sie mich recht, mein Fräulein, daß ich damit beileibe nicht der Auswanderung unter allen Umständen das Wort reden will. Ich spreche hier nur ganz persönlich; der Arme hat's im alten Vaterlande tausendmal besser als drüben, wo
Deutschland fortan zu bleiben. Ihr Freund Marbach würde solchen Kräften mit Vergnügen einen zusagenden Wirkungskreis geben. Es läßt sich jetzt auch im alten Vaterlands frei und stolz leben."
„Ist es ein junger Mann?" fragte Tante Hanna.
„Hm, in den besten Jahren, Mitte der Dreißiger," versetzte Warneck, „ein stattlicher Kerl mit den besten Gentleman- Manieren, mit einem Wort ein schöner Mann, ganz dazu geschaffen, den Frauen die Köpfe zu verdrehen."
„Prien nennt er sich, wie lautet sein Vor- oder Ruf- Name?" fragte Tante Hanna weiter.
„William, meine verehrte Missis! — Ein netter Schurke, was? — Wunderschöne Verpackung, Inhalt sehr faul, Etikette wird auch wohl falsch sein, wie der ganze Kerl. — Na, ent- schuldigen Sie, meine Damen, hätte Sie mit solchen Geschäftssachen verschonen müssen, ist im Grunde nicht amerikanisch, sondern echt deutsche Art."
Er schüttelte Tante Hanna die Hand und wollte seinem Freunde folgen, der sich, von Armgard begleitet, jetzt entfernte. Da wandte er sich noch einmal um.
M reise morgen früh und feffellos, ohne Weib und Kind, in bester Manneskcaft hier rt«, x.1.. vor ihnen steht und der so lange drüben gewesen, daß er Land
und Leute dort besser kennt als hier im alten Vaterlande, ich muß wieder dorthin, wo keine Rücksichten auf äußeren Anstand und hohlen Schein mich am Erwerb hindern und die niedrigste Arbeit mich nicht so herabwürdigt, um im feinen Rock nicht stets Gentleman zu sein. — Sehen Sie, mein Fräulein, das war eine lange Rede," schloß er lachend, „die Sie selbst verbrochen haben. Aber das ist die Sache, ein jeder Baum muß zum Gedeihen seinen rechten Platz und das rechte Licht haben. Mein Freund Marbach gehört in deutsche Erde, ich gedeihe nur einzig drüben. Aber was ich haben möchte," setzte er leiser hinzu, „das ist eine deutsche Frau, dar heißt echt vom Stamme weg."
Pension erzogen worden," warf Armgard etwas erregt dazwischen.
„Ach so, die Mutter ist davon gestorben, das entschuldigt allerdings viel," meinte Warneck, einen fragenden Blick zu Marbach hinüberwerfend, welcher sich auch sofort erhob, um sich mit wiederholten Entschuldigungen wegen dieses etwas form- losen Ueberfalls den Damen zu empfehlen. Armgard dankte freundlich für den nachbarlichen Besuch und bedauerte, denselben nicht erwidern zu.können.
(Schluß.)
Nun komme ich zu der Heranwachsenden Jugend und da will ich vor allen Dingen zuerst das Weibervolk (allgemeine Heiterkeit) vornehmen. Wenn ich soviel Geld hätte, um alle Kaffeebohnen der Welt anzukaufen, ich würde sie kaufen, denn mit dem Genuß von Kaffee versündigt sich die Heranwachsende Jugend schwer gegen ihre Natur. Ich rechne unter die Heranwachsende Jugend alle Menschen vom 12. bis zum 30. Jahre. Der Mensch wächst bis zum 24. Jahre, oder auch bis zum 26. Jahre, wenn es langsam geht. Alles das, was wir genießen, wird durch den Kaffee roteber. aus dem Leib getrieben. Der Kaffee duldet nicht den Verbleib von Nährstoffen im Körper. Zum Wachsthum braucht der Mensch aber eine Kost, die viel Nährstoffe, viel Blut gibt, denn aus dem Blut werden alle Körpertheile gebildet. Der Kaffee sollte für alle Heranwachsenden Fräuleins oder Mädchen verbannt
„Wären Sie verheirathet, Herr Marbach," setzte sie lächelnd hinzu, „dann läge die Sache günstiger für mich, während ich jetzt auf Ihre Gastfreundschaft leider verzichten muß." „Dann suche Dir nur schleunigst eine Gefährtin, Leo," rief Warneck, „aber die Beste der Besten, für einen so wacke- ren Jungen ist keine zu gut. — Und nun empfehle ich mich , , ....... ulB waom mn
Ihnen, mein gnädiges Fräulein!" setzte er, Armgard treuherzig ihm keine Hand ein Stück Brod bietet. Ich aber der frei die Hand entgegenstreckend, hinzu. „Ich. reise morgen früh 1 ™ t 61 1161
weiter, um erst einmal auszukundschaften, welche Dame in hiesiger Gegend vor zehn Jahren ausgewandert ist."
„Vielleicht kann es eine meiner Pensionsfreundinnen sein," bemerkte Armgard, ihre Hand in die dargebotene schwielige Rechte des Amerikaners legend, „ich habe keine einzige jener Jugend-Beziehungen aufrecht erhalten. Kannten auch Sie den unredlichen Landsmann, Herr Marbach?"
„Nein, er war bei meinem Besuch just auf Reisen. Doch werde ich für meinen Freund einen tüchtigen Geheimpolizisten engagiren, der allerdings nur wenige Anknüpfungspunkte erhalten kann, da auch das genaueste Signalement durch schlaue Metamorphose beziehungsweise Masken sich unwirksam zu er« weisen pflegt."
„Ach, Sie wollen sich wirklich eine Fessel anlegen?" fragte Armgard lächelnd.
„Nein, jetzt noch nicht," versetzte er ernsthaft, „ohne sicheren Herd keine Heirath. Ein miserabler Mann, der sein Weib von vornherein zur Noth und zur Armuth verdammt."
„Nun, Herr Warneck," sagte Armgard in schelmischvertraulichem Tone, „wenn es so weit ist, dann wenden Sie sich nur getrost an meine Freundin, die gute Tante Hanna —"
„Die alte Missis in der Rosenlaube?"
„Dieselbe, sie besitzt ein Goldherz und ist die Vertraute aller jungen Mädchen unserer guten Stadt und Umgegend."
„Topp, das soll geschehen," rief Warneck fröhlich, „nun mag Mister Prien sich in Acht nehmen, mit diesem neuen Sporn hetze ich ihn zu Tode."
Er schwang sich lustig in den Sattel, welchem Beispiel auch Marbach rasch folgte und bald sprengten die beiden Reiter auf der fonnigen Chaussee dahin.
Armgard blickte ihnen eine Weile nach und kehrte dann nachdenklich zu Tante Hanna zurück.
(Fortsetzung folgt.)
„Nettes Paar, wie?" flüsterte er mit einem bezeichnenden Blick. „Würden gut zusammen passen. Glaube, daß mein Freund Feuer gefangen, könnte keinen besseren Mann bekommen. Sollte doch am Ende nicht Lust zu einem solchen Stiefkind haben?"
Tante Hanna lachte zornig auf.
„Wollend weder hoffen noch fürchten, Herr Warneck!" erwiderte sie dann leise. „Fräulein Holten hat freilich einen sehr energischen Character, ist aber doch eine ächte Frauen- Natur, sie wird in der wichtigsten Lebensfrage auch wohl die rechte Antwort finden."
, „So taxire ich sie," sprach Warneck, der Tante zunickend, „wird wohl wissen, daß der Apfel nicht weit vorn Stamm fallt und daß die Jungen zwitschern, wie die Alten sungsn. Gott befohlen, Missis! — Wenn ich meinen Mister Prien totißen sollte, dann sehen wir uns mit Ihrer Erlaubniß wohl noch roteber, sonst dampfe ich bald wieder zurück, da ich nur drüben mich roteber emporarbeiten kann "
.. 'ol0*e dem Freunde, der in lebhafter Unterhaltung mtt Armgard langsam dem Ausgange zugeschritten war. Dis o^n. Ödeten von allem Möglichen, was irgendwie mit der Landwtrthschaft tn Verbindung stand und schienen gegenseitig sehr befriedigt von einander zu sein.
enn j®,ie Mister Prien nun fassen ober nicht, ^err Warneck, sagte sie, dem Amerikaner zum Abschied die Hand reichend, „so möchte ich Ihnen doch rathen, hier in


