Niiterchaltnrrgsblatt zuin Gieszsnev Anzsigev (GeMsv^l-Anzeigev)
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Nr. 6
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Samstag, den 14. Januar.
Dämon Gold.
Original - Roman von W. Höffer.
(Fortsetzung).
Der Alte -ergriff die Hand seines Enkels. „Aber auch das bedrohlichste Können ist noch kein Müssen, Erich. Bedenke doch, welch' ein Ausweg Dir bleibt I Wirb um die Hand der Frau, deren Herz Dir entgegenfltegt und Du darfst getrost jene unseligen zwölftausend Thaler für immer vergessen. Ist es nicht ein Wink des Schicksals, daß beide Eventualitäten zu« sammen fallen? '
Erich lächelte. „Das glaube ich kaum, Großvater ; mische doch auch nicht noch den Einfluß geheimnißvoller Mächte in die Sache hinein. Ich heirathe unter keiner Bedingung diese Frau Bürklin — unter keiner."
„Sage das nicht so bestimmt, Erich, Du überlegst Dir die Sache noch. Die einfache Schicklichkeit zwingt Dich, mor- gen zur Stadt zu reiten und Dich zu erkundigen, wie das Befinden der Dame —"
„Ich werde nicht hingehen, Großvater, verlasse Dich daraus. Mag sie mich für einen Bären halten, das ist ihre Sache."
Und als der alte Herr schwieg, setzte er hinzu: «Du urtheilst über diese Verhältnisse vom Standpunkt Deiner achtzig Jahre, Großvater- Du hast den Idealen längst entsagt und weißt nur noch das Wirkliche, Greifbare zu schätzen; mir aber mußt Du vergönnen, im Punkte einer etwaigen Heirath, an die ich übrigens nicht glaube, ganz allein für mich zu entscheiden. Ehe ich mich in die Fesseln einer liebeleeren Ehe schmieden ließe, wollte ich wie einst unser Ahne heimathlos und arm in die Fremde hinausgehen auf Nimmerwiederkehr-"
Dann legte er das vergilbte Document mit den vielen Namenszügen und Siegeln zurück in die Kassette. „Laß uns jetzt versuchen, noch einige Stunden zu schlafen, Großvater, be sonders Du l Ich will Befehl geben, Dich nicht zu stören, mein Alter. Ruhs Dich aus und denke nicht an mich — ich werde den Schlag schon überwinden."
„Gott, wolle es, mein Junge, Gott stehe Dir allerwege bei. Und nicht wahr, zwischen uns bleibt Alles, wie es immer gewesen, auch im Herzen?"
„Auch im Herzen, Großvater, sicherlich."
Sie trennten sich und Erich ging langsamen Schrittes in sein eigenes Zimmer. Es lastete wie Blei auf seiner Stirn, er fühlte einen dumpfen Druck, aus dessen Bann es vorläufig noch keine Erlösung gab. Welch' ein ungeahntes, trostloses Verhängniß war über ihn hereingebrochen?
Da berührte zufällig seine Hand die Brusttasche; es knisterte in den Falten des Stoffes. Das war der geheimniß- volle, an Ruth gerichtete Brief. Erich fühlte, wie ihm alles Blut zum Herzen drang, wie gleichsam das Leben zu ihm zurückkehrte; er zog das Blatt hervor.
Sollte er es lesen?
Eine innere Stimme sagte: Rein l Es klang ganz deutlich: Rein. Aber noch eine andere Erwägung gab es außer jener ersten. Frau Bürklin kannte den Inhalt des Briefes, derselbe würde also unter Umständen in ihrer Hand zur Waffe werden. War es nicht unerläßlich, in dieser Beziehung zur Klarheit zu gelangen?
Er sah im Geiste die schwarzen, spöttisch blickenden Augen und zögerte nicht länger. Wenn, wie er völlig überzeugt war, der Brief eine für ihn unangenehme oder unerwünschte Botschaft enthielt, so schien ja zum Empfang derselben keine Stunde passender, als eben die gegenwärtige.
Wo ein schwerer Hagelschlag die Saaten verwüstet hat, da mag ja immer ein Sturm sich erheben, er findet nichts mehr, um es zu zerstören.
Das Blatt lag offen in den bebenden Fingerspitzen. Erich sah auf die Unterschrift und es war ihm, als werde sein Herz plötzlich leichter. „Commerzienrath Lissauer." Wie kam denn der magere, ältliche Herr mit dem nervösen Lippenzucken und der goldenen Brille zu einem Schreiben an die schüchterne Ruth?
Erich trat näher an die Lampe und las den nicht eben besonders langen Brief des Geldmannes:
„Mein sehr geehrtes Fräulein!
Das Blatt von Ihrer schönen, weißen Hand liegt auf meinem Herzen, ich habe es tausendmal geküßt, aber auf den Inhalt desselben kann ich mich bei aller Ergebenheit doch nicht einlassen. Mehr noch: ich will es nicht. Sie hatten die Güte, mir mitzutheilen, daß Baron Moldt, Ihr Herr Schwager, von einem seiner Gläubiger energisch bedrängt und zur Verzweiflung getrieben wird — nun wohl, dieser Gläubiger bin ich. Ja, ich selbst, schöne Ruth; ich habe von den Verpflichtungen des Herrn Barons so viele, wie sich erreichen ließen, angekauft und zwar, um in den Besitz des Schlosses zu gelangen. Ich selbst will Moldt be« wohnen und will so lange zu Ihren Füßen um Gnade flehen, mein verehrtes Fräulein, bis Sie einwilligen, die Herrin von Moldt zu werden.
Weshalb setzen Sie — hieß es in dem Briefe des Geldmannes weiter — meinen Bewerbungen ein so schroffes Nein entgegen, weshalb meiden Sie meine Nähe? Ist est


