323 -
seine Worte so geschwind hinaus, daß sie sein herzliches Lachen nicht mehr vernahm, in das auch Frau von Malten einstimmte.
Nach einer ganzen Weile kehrte sie mit hochrothem Kopf und vor Freude funkelnden Augen zurück. Sie umarmte und beglückwünschte Frau von Mallen. ,,Sie haben sich glücklich gefunden nach der langen Irrfahrt I" jubelte sie. Dann schmiegte sie sich an Heinz. „Bereite Dich nur auf eine des Ereigniffes würdige Rede vor, denn wenn der Toast auf unfern Jungen ausgebracht ist und Du Dich bedankst, kannst Du gleich die Verlobung mit.proclamiren! — Das heißt, die ersten zehn Minuten werden wir wohl von ihnen nichts zu sehen bekommen," wandte sie sich wieder an Frau von Malten. „Wie mir scheint, haben sie sich — haben sie sich schrecklich viel zu sagen! Ich habe mich geräuspert, ehe ich den Kopf durch die Portiere steckte, habe gekrächzt wie ein alter Rabe, um mich bemerkbar zu ntachen, aber sie haben nichts gehört oder gesehen. — Sie schweben in höheren Regionen, halten sich umschlungen," — sie lachte schlau, — „und im Uebrigen hast Du ganz recht, Heinz, sie machen's auch nur wie wir!" —
Kaushaktternen.
Aller Orten thun sich jetzt Haushaltungsschulen auf für diejenigen Mädchen, die weder im Hause ihrer Eltern, noch in einem dazu geeigneten freinden Hause den Haushalt lernen können. Das ist eine gute Sache. Sie zeigt, daß man wieder zu der Einsicht gelangt ist, das Haushalten mache sich nicht so von selbst wie etwa das Athemholen, sondern es müsse gelernt werden. Sie bezeugt auch die weitere Einsicht, daß die Arbeit der Frauen im Hause etwas ungemein Wichtiges ist; wie denn schon das Sprüchwort sagt, die Frau könne mit der Schürze mehr davon tragen, als der Mann mit der Karre in's Haus bringen kann. Möchten recht viele Eltern die sich ihnen bietende Gelegenheit benützen, ihre Töchter für den wichtigsten Beruf, den eine Frau treiben kann, ausbilden zu lassen und möchten sie dabei bedenken, daß ein Mädchen ebenso ein Recht auf diese Ausbildung hat, wie der Knabe, den man ein Geschäft oder Gewerbe lernen läßt, daß man für das die Schule verlassende Mädchen also auch ebenso gut wie für die Knaben Opfer an Zeit und Geld bringen muß, nicht aber meinen, ein solches Kind müßte nun gleich anfangen Geld zu verdienen, ehe es den Haushalt und irgend welche andere Arbeit gründlich gelernt hat.
Jndeß, so nothwendig und nützlich die Haushaltungsschulen auch sind: fertige Hausfrauen können sie doch nicht ausbilden. Eine Hausfrau muß in ihrem Bereiche ganz selbständig herrschen. Sie hat eine sehr ähnliche Aufgabe wie ein Handwerksmeister oder wie der Inhaber eines kaufmännischen Geschäfts, wie der Capitän eines Schiffes oder der Oberst eines Regiments. Nun glaubt Niemand, daß ein Junge, der etwa ein Jahr oder zwei nach der Schulzeit ein Handwerk betrieben oder im Laden gestanden, als Schiffsjunge oder als Soldat gedient hat, in seiner Arbeit selbständig wäre und einen eigenen Betrieb leiten könnte. Jeder Mann hat in seinem Berufe Andere neben oder über sich, die bei seiner Arbeit betheiligt sind und sie ebenso gut oder besser verstehen als er: der Handwerker und der Kaufmann ihre Concurrenten und ihre Kunden, der Capitän seinen Rheder, der Oberst seinen General. Daher kommt es in einem geordneten Staatswesen wie in unserem Vaterlande überhaupt gar nicht dazu, daß ein „grüner Junge", wie man wohl sagt, einen solchen selbständigen Posten auszufüllen versucht. In einem Geschäfte, wo ich seit langer Zeit kaufe, ist kürzlich der Inhaber gestorben und die Wittwe hat sich entschlossen, das Geschäft mit Hilfe des ältesten Gehilfen, eines jungen Menschen von 24 Jahren, fortzusetzen. Jeder fühlt, daß das ein Wagestück ist. Wäre die Frau gestorben und der Mann hätte ein zwanzigjähriges Mädchen wieder geheirathet, so würden nur wenige Leute dabei an ein Wagestück denken. Diejenigen, die bei ihrer Arbeit als Hausfrau betheiligt sind: der Mann, die Kinder, das Gesinde, verstehen sich nicht darauf und können
sich nicht wie Kunden oder Vorgesetzte gegen schlechte Arbeit wehren.
Daher überfleht man nur zu oft bei den Frauen, was bei den Männern von jedem geordneten Berufe gilt, er sei schwierig oder noch so einfach: wer ein Ganzes selbständig regieren, wer Meister werden will, muß vorher Lehrling und Gehilfe gewesen sein. Unzählige Mädchen werden Hausfrauen, ohne je als Gehilfinnen unter einer tüchtigen Hausfrau gearbeitet, ja, ohne auch nur Lehrlingsarbeit getrieben zu haben. Wenn sie ihren Haushalt schlecht führen, so leiden alle Glieder des Hauses darunter. Aber diese sind nicht sachverständig. Kinder und Gesinde haben sich zu fügen. Der Mann darf und soll wie ein Vorgesetzter Einspruch thun, wenn er seine Frau verkehrt wirthschaften sieht; aber er thut das wie ein General, der nie Oberst gewesen wäre, und er ist auch nicht gestellt wie ein Kunde, der, wenn er auch vom Schuhmacherhandwerk nichts versteht, doch das Recht hat, falls ihm seine Stiefel nicht behagen, dem betreffenden Schuster seine Kundschaft zu entziehen und sich einen besseren Meister zu suchen.
Zu tüchtigen Hausfrauen in überwiegender Zahl werden wir erst wieder kommen, wenn die Leute einsehen gelernt haben, daß auch in der Haushaltsarbeit eine Lehrzeit und eine Gehilfenschaft der Meisterschaft vorangehen müssen. Früher, bis zur allgemeinen Einführung der Eisenbahnen und Dampfmaschinen, machte sich das ganz von selbst. Die Lehrlingszeit in allen den Ständen, wo die Frau ihren Haushalt selbst führt, begann für das kleine Mädchen in der Kinderstube, schon vor der Schulzeit, und dauerte die ganze Schulzeit hindurch. Es war die Zeit des Selbstmachens im Haushalt, wo fast Alles, was zur Nahrung und Kleidung diente und Vieles zur Ausstattung der Wohnung im Hause selbst hergestellt wurde. Beim Kochen, Backen, Einmachen, Räuchern und Pökeln, beim Waschen und Plätten, beim Spinnen, Stricken, Nähen, beim Seifekochen, Lichteziehen und Stärkebereiten u- f. f. waren viele Hände nöthig und auch für die ganz Kleinen gab es überall ein Theilchen Arbeit, das zu verrichten sie stolz waren- Das Kind, das gerade stark und verständig genug war, um ein kleines Plätteifen zu handhaben, plättete erst einmal feine eigenen Taschentücher, freute sich aber schon aus die Zeit, wo es auch ein Hemd oder einen Rock plätten durfte. So ging es in jeder Arbeit von Stufe zu Stufe, immer unter der Aufsicht und Anleitung Derjenigen, welche sie gründlich verstanden und selbst mitthaten: der Mutter, der erfahrenen Magd, der erwachsenen Schwester. War die Schulzeit zu Ende, so hatte fast jedes Mädchen auch schon gelernt, was der Lehrling in seinem Gewerbe lernen muß. Es kannte alle die Stoffe, die im Haushalt verarbeitet und verbraucht wurden, die Werkzeuge, die man dabei anwendete; es konnte, soweit die körperliche Kraft ausreichte, diese Werkzeuge handhaben und hatte sich manches von der Reihenfolge in den verschiedenen Arbeiten, von den Preisen und Bezugsquellen der Dinge gemerkt.
Dann kam aber für jedes Mädchen eine mehr oder minder lange Gehilfenzeit, sei es als Dienstmagd im fremden oder als Tochter im eigenen Hause, sei es auch, daß das Mädchen in einem fremden Hause „umlernte", das heißt, wie der Geselle auf der Wanderschaft verschiedene Haussitten, verschiedene Arten des Verfahrens, Arbeiten und Erzeugnisse, die man daheim nicht kannte, unter einer tüchtigen Hausfrau kennen lernte. In ein paar Jahren brachte es die Gehilfin dahin, die einzelnen Arbeiten im Haushalt selbständig auszuführen, ein Mittags- effen allein auf den Tisch zu bringen, ein Zimmer allein rein zu machen, eine Wäsche allein zu besorgen. Sie hat allerlei Erfahrung dabet gesammelt, kannte gute und schlechte Waare, gute und schlechte Arbeit, Vortheile und Nachtheile der verschiedenen Betriebsarten, war geschickt, kräftig, arbeitssam und findig geworden. Jetzt konnte ste jeden Tag Meisterin werden.
Die Töchter der bemittelten Stände sind nun heutzutage während der Schulzeit für häusliche Arbeit sehr wenig zu haben, weil sie in und neben der Schule so viel lernen müssen und nach der Schulzeit wird aus anderen Gründen vom Haushaltlernen gewöhnlich auch nicht viel. In allen Ständen aber ist die Zahl der Frauen und Mädchen unendlich gewachsen und


