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zweiflung und fürchtete, ihr einziges Kind würde tiefsinnig
schnell wieder.
Die
bat
Die Klingel wurde eben scharf gezogen und das war seine Rettung; denn Asta eilte neugierig nach dem Empfangszimmer. „Frau von Malten," meldete Johann.
„Erna?" forschte Werner.
„Nein, Gott sei Dankl" entgegnete Götz. „Ist in Paris — wird vorausstchtlich dort bleiben. Hat kein Mensch Sehn-
Weib I"
Werner war Leonoren entgegengeetlt.
Sie sah erst auf, als er ihre Hand ergriff.
Sein Blick traf minutenlang heiß in den ihren, dann heftete er sich fragend auf ein altmodisches, brillantenbesetztes Medaillon, das ste als einzigen Schmuck trug.
„Es ist mir ein theures Kleinod," flüsterte sie, seme einstigen Worte wiederholend, „denn es kündet von einer Zeit, da Liebe nur sich selbst als Preis hatte!"
Er führte ihre Hand an die Lippen.
„Vermuthe, wir sind hier vorläufig sehr überflüssig, schlage deshalb vor, wir räumen das Feld," sagte Heinz mit ver- schmttztem Ausdruck. Er bot Frau voy Malten galant den Arm. Seine Linke erhaschte Astas Ohrzipfel. „Komm' nur, Mutter meines Sohnes, und sei keine neugierige Eva. Sie machen'» auch nur, wie wir!"
Nun saßen die Drei in Astas traulichem Boudoir. Heinz plauderte über gleichgiltige Dinge und Frau von Malten fand währenddessen Zeit, ihrer Erregung Herr zu werden.
Asta aber litt Tantalusqualen. Sie rückte vor Ungeduld auf ihrem Sitz hin und her, zog die Ringe am Finger ab und auf, schlug einen Fuß über den andern und ließ ihn vor heller Verzweiflung tanzen. Sie wußte nicht, wie sie die Zeit hinbringen sollte. Bei jedem Geräusch machte ste blitzschnell eine halbe Wendung mit dem Kopf nach der Thür zu.
Heinz beobachtete sie aus halbzugekniffenen Augen mit dem Ausdruck himmlischer Schadenfreude. Endlich siegte das Mtt- leid mit ihrer Neugier in ihm. „Eva, Eva," rief er gut* müthig spottend, „Du hättest auch in den verbotenen Apset gebissen, hätte Dich unser Herrgott in's Paradies gestellt! - Na, sieh' nur zu, ob sie drüben noch leben!" Asta war auf
mit den Augen zwinkernd. „Sind wir richtig schon bei der Thür, die Leonie und ich," erzählte er, „wirft sie plötzlich einen Blick nach rückwärts in den Spiegel und bleibt zögernd stehen. Denke, was soll das werden, halte auch im Weiterschreiten
geeignet! Ein Unkundiger würde argwöhnen, Du hieltest Knall- schoten fett." Er zog öie Uhr. „Donner Mohren, braucht man denn eine halbe Stunde, eine schwarze Fahne für eine graue zu tauschen? Nichts Langweiligeres, als ein Frauenzimmer. Heirathen Sie bei Leibe nicht, Werner!" Er flüchtete bei den letzten Worten rasch hinter den Maler.
,Den schwarzen Schmuck könnte ich wohl lieber ablegen i und dafür" — hebt sie merklich verlegen an — wird über und über roth bis in den Hals hinunter — habe das nie so an ihr wahrgenommen, bis heute! — Fühle mich zu der ! Aeußerung ermuthigt, sei eigentlich schweres Unrecht, bei der Taufe unseres Erstgeborenen ganz in Schwarz zu figurrren.
„Vielleicht geht das perlgraue Seidenkleid?" hauchte sie ichüchtern.
Wage die Entgegnung: stände ihr sicher besser als schwarz. „Deswegen nicht," stotterte sie.
Schien sich vor sich selber entschuldigen zu müssen! — Gratulire, lieber Werner, gratulire!" Er strich sich vergnügt den Schnurrbart.
„Dem Mann, für den sich putzt die Maid, dem hat sie sich schon halb geweiht!" improviurte er. Werners Augen leuchteten. Er sprach kein Wort.
„Siehst mich gar nicht an, Frau," schalt Heinz darauf mit angenommenem Ernst, „starrst nur auf Deine Jugendliebe! Hast's gut heute! — Meine kommt nicht," seufzte er melancholisch.
„Felicitas?" fragte Werner.
Ja," lachte Asta. „Ruler kommt allein. — Lasse meine Frau nicht mehr in den Wagen steigen! Wär' unverantwort- lich! Könnte den Stammhalter gefährden!" copirte sie ihn. „Es ist nicht zu glauben, was er ängstlich ist und wie er feine Frau anbetet l"
„Nicht mehr als ich," betheuerte Heinz schalkhaft und duckte sich rasch seitwärts. „Werde nächstens den Geheimrath befragen," drohte er. „Seitdem Du Mutter meines Sohnes bist, hast Du Dir diese häßliche, nervöse Handbewegung an-
werdeu. — , ,
Wie ich Ihnen schrieb, ein wahres Glück war «, daß der Geheimrath auf den gescheidten Einfall kam, anzuordnen, alle Behänge und Tapeten im Hause müßten von wegen der Ansteckung herunter. Sie solle so lange zu uns ziehen, bei uns stände die ganze Etage unbenutzt. So wurde sie gewaltsam ihrer Umgebung und ihren Erinnerungen entrissen. Papa und ich, wir gaben sie den ganzen Tag nicht frei, nachdem wir sie erst hier hatten, und Mama half uns redlich; Frau von Malten konnte im Sommer getrost ins Bad reifen. Bei unserer Verheirathung zog ste in ihre alte Wohnung nach der -----------.
Großen Straße zurück und ließ uns Leonie hier. Das war sucht nach ihr. Papa hat ihr in der ersten Hitze und Auf- auch das Gescheidteste! Wir haben ja doch Raum genug, regung nach dem traurigen Ereigniß sein Haus angeboten. Heinz und ich. Und mein Junge!" ergänzte ste mit großer Sie kam sofort herüber, fürchtete stch in der Villa — war ihr Wichtigkeit. „Den haben Sie noch nicht einmal bewundert! zu unheimlich! Wir glaubten Alle, sie würde tief unglücklich Kommen Sie!" sein. — Keine Ahnung! Schimpfte wie ein Rohrsperling auf
Sie faßte Werner am Aermel und zog ihn im Geschwind- I ihren Mann, habe triftigen Grund gehabt, ihn abzuweisen und schritt durch zwei, drei Räumlichkeiten in das große Schlaf- I nicht sprechen zu wollen. — War ihr da ein Brief in die gemach. Die Amme, eine vierschrötige Gestalt, erhob sich vom Hände gerathen — von der Minna Rettich — können sich Lehnstuhl zur Seite der Korbwiege. denken — dazu die Geldaffaire mit Wiesel — die Geschichte
„Er wacht eben auf!" gab ste unbefragt Auskunft. Mit mit der Unterschrift — na, lassen wir das Thema! — Papa
glücklichem Stolz blickte Asta auf das kleine Menschenkind, zahlte ihr die Hälfte vom Vermögen, wollte sie hier los sein.
Es riß die Augen auf und schloß ste, vom Licht geblendet, — Ist so gut wie tobt für uns! Sie ging nach Paris damit
’ " I — Fernow ist auch dort — Sie verstehen — heirathen will
Kneift er nicht die Augen ein, genau wie Heinz?" sie nicht wieder — hat ein Haar drin gefunden." „Es wird einmal gerade solch' | Asta führte Frau von Malten herein.
ein"'Nixgewürge," "setzte sie schnell hinzu, weil sie ihren Mann
freute sich die junge Mutter-
ein Nixgewürge," setzte sie schnell hinzu, weil sie ihren Mann $er Gram um ihre Tochter hatte ste sehr gealtert.
kommen hörte. , r I Thränen traten ihr in die Augen, als ste dem Maler die
„Wo ist Leonie? Du bringst sie nicht mit?" fragte sie I Hand reichte. „Machen Sie mein armes Kind glücklich!" bat betroffen. r I sie ihn bewegt, nachdem Heinz ihr mitgetheilt, Leonore fei eben
„Sollte meine Gegenwart stören?" sagte Werner tonlos, ^abet, ein farbiges Kleid anzulegen. —
Der Kleine fing im selben Augenblick heftig an zu schreien- „Sie ging bis heute in Schwarz, bis heute," betonte „Heinz hat ausgeschlafen, nun kehlt er gleich aus Leibes- s^a- „Sie trägt noch ihr Haar in Flechten."
kräften, nun ist er wieder hungrig," meinte die Amme. Indern erschien Leonore im Thürrahmen- Ihre Wimpern
Ans diesen Wink begab man sich nach dem Salon zurück. roaren tief gesenkt, ihr Gesicht rosig überhaucht, ein glücklicher
„Es ist ein eigen Ding um ein Frauenherz," lachte Heinz, g^e[n umspielte ihre Lippen und über ihre Schultern herunter . . ~ ........ »•-«- ----- floß es in Goldglanz. Sie trug ihr Haar wie ehedem-
„Deshalb der Zeitaufwand I Nun geht mir ein Licht auf, raunte Götz Asta in’« Ohr. „O Eitelkeit, dein Name ist


