Ausgabe 
13.5.1893
 
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Die Legros erblaßte, blieb aber bei ihrer Behauptung.

Wiederum trat die vorhin schon vernommene junge Mutter vor.

Kennen Sie dieses Kind?" fragte der Richter.

Gewiß, es ist mein Etienne, den ich damals aus Noth in's Findelhaus that"

Können Sie Ihre Aussage beschwören?"

Gewiß, mein Herr."

Nun, was sagt Ihr dazu, Frau Legros?"

Ja, es ist die Wahrheit, was die Dame sagt," flüsterte sie jetzt, kaum noch im Stande, sich aufrecht zu halten.

Dies hier ist wirklich der kleine Etienne. Der andere Knabe dort ist aber gerade der aus dem anderen Findelhause; ich hatte die Kinder nur verwechselt, weil ich mit meinem Manne mehr getrunken hatte, als ich sollte."

Und wo ist denn," fuhr der Richter fort, jenes Kind geblieben, welches Ihr vorgestern im Park Luxemburg einem Kindermädchen aus dem Wagen gestohlen habt, nachdem das Mädchen sich bewegen ließ, für Euch eine kurze Bestellung auszurichten?"

Davon weiß ich in der That nichts. Ich bin gar nicht in dem Park gewesen."

Der Richter schellte und es trat ein Mädchen herein, welches auf die Frage des Richters in der Frau Legros sofort die Fremde erkannte, welche zu ihrem Entsetzen mit dem Kinde ihrer Dienstherrschaft verschwunden war.

Was sagt Ihr nun," wandte sich der Richter an die Legros.

Es ist alles Lüge," entgegnete diese in verzweifelter Härtnäckigkeit,ich habe das Frauenzimmer dort nie gesehen, und das Kind ist der kleine Charles, den ich in Pflege hatte." Es hilft Euch nichts," versetzte der Richter mit eisiger Ruhe; wenn Ihr es nicht gestehen wollt, so will ich Euch sagen, wo Charles geblieben ist."

Mit diesen Worten schellte er abermals und herein trat jener Vagabund, dem Frau Legros für sein Schweigen die 20 Francs versprochen aber nicht gebracht hatte, weil sie selbst das Pflegegeld nicht mehr rechtzeitig erhielt.

Bei dem Anblick dieses Menschen entsank der Beschuldig­ten die letzte Hoffnung und stöhnend gekannte sie nun endlich, daß sie den Pflegling Charles, welcher sie sehr durch Schreien gequält hatte und wegen dessen sie von ihrem Manne miß­handelt worden war, eines Tages mit einem Gegenstand auf den Kopf geschlagen habe, wodurch der Kleine gestorben sei.

Bald darauf verurtheilte das Schwurgericht die Ange­klagte wegen Todtschlags zu schwerer Kerkerstrafe.

GSMeinnÄtziges.

Di- Salzsäure im Haushalt. Die Salzsäure ist ein unübertreffliches Reinigungmittel, und sollte sie daher in feinem Haushalte fehlen; nur muß man sie in besonders ge­kennzeichneten Fläschchen aufbewahren und überhaupt vorsichtig mit ihr umgehen. Salzsäure mit etwas Waffer verdünnt, macht Glasflaschen wieder vollständig rein und klar, reinigt Steinkrüge von sonst nicht wegzubringendem Bodensatz, entfernt Flecken aus Porzellan, die wie eingebrannt erscheinen, u. s. w. Der unvermeidliche Keffelstein im Waffer- und Theekeffel löst sich, wenn man diese Behältnisse mit Waffer, dem Salzsäure zugeietzt ist, aurkocht. Die graue oder schwärzliche Färbung Bei ursprünglich schön weißen Emaille der emaillirten Töpfe beseitiat man, indem man Salzsäure in den Topf gießt und sie heiß macht, worauf der Topf mit Sand ausgescheuert wird. Unerläßlich ist es aber, alle diese mit Salzsäure gereinigten Bebältniffe vor dem Wiedergebrauche tüchtig und wiederholt mit reinem Waffer auszuspülen.

Reinigen von Eichenmöbeln. Die vom Staub befreiten Möbel reibt man mit einem wollenen Läppchen, das man mit lauwarmem Bier befeuchtet hat. Dam kocht man ein Stück gelbes Wachs von der Größe eines Hühnereies und ein halb so großes Stück Zucker in 4/10 Liter Bier, läßt die Mischung ein wenig abkühlen und bestreicht damit die Möbel. Sind letztere trocken, so polirt man sie mit einem wollenen Lappen blank. Derartig gereinigte Möbel erhalten einen schönen Glanz.

Zubereitung von Fleischpasteten Die Leber eines geschlachteten Borstenthieres wird über Nacht gewässert und beim Zubereiten gehäutet, d. h. die Umfassungshaut wird abgezogen und unter Beimischung von 250 g Kernspeck und 500 g Talg (am besten Nierentalg) durch ein scharfes Wiege- meffer zu einem Fleischbrei verarbeitet. Alsdann wird die Masse durch eine Haarsieb gedrückt, wobei Gewürze, als Sal- beiblätter, Schalotten, Thymian, Muskat und eine Kleinigkeit (etwa eine Messerspitze) Piment beigemischt werden- Die Maffe kommt hierauf in eine mit dünnen Speckscheiben aus- gelegte Kasserole und wird vier Stunden im Wafferbade im Ofen gebacken- *

Um Würmer aus Blumentopferde zu ver­treiben. Das einfachste Mittel ist, Abends Brodstückchen auf die Erde des Topfes zu legen, an welchen sich die Würmer während der Nacht sammeln und am Morgen mit diesen leicht entfernt werden können.

Verinischtes.

Vom Exercirplatz. Unteroffizier (nach dem Para^- marfch):Kerls, ich will Euch in Euren eigenen Augen Mi blamiren, sonst ließ ich Euch Alle eine Stunde nachexerciren!"

Scharf beobachtet. *Du, schau', das sind Neuver­mählte!"Woran erkennst Du denn das?"Well er ihr immer auf's Kleid tritt!"Das kann doch später auch noch passiren!"O nein, ba gibt er schon Obacht, wenn er einmal weiß, was die Kleider kosten!"

Kein Unterschied. Richter:Zeuge, war es ein harter Gegenstand, mit dem Sie der Angeklagte wiederholt auf den Kopf schlug?" Hieselbauer:'s war schon zu dunkel, Herr Richter, ich hab's nimmer unterscheiden können!"

Vor Gericht. Richter: ^Wurden Sie nicht schon einige- male wegen Diebstahls vorbestraft?" Angeklagter:Nee, immer nachher!" * *

Eben deshalb.Kennen Sie den Doctor, der eben vorüberging?"Ja, er ist ein beschäftigter Irrenarzt." - Wie, ein Irrenarzt? Ich sehe ihn ja in Privathäusern be­handeln."Eben; die ihn holen, sind alle verrückt."

Im Dorfwirthshaus. Gast:Wann kommt denn einmal mein Kalsbraten?" Kellnerin:Gleich wird er da sein. Der Hausknecht rennt schon der Katz' nach, die ihn aus der Pfann' g'stohlen hat!" * ,

Ein Vorschlag. Kutscher A.:Du, wollen wir ein« mal wetten, wer am meisten von uns trinkt!" Kutscher B.: Nein, aber ein anderer Vorschlag; ich trinke und Du bezahlst; wer da» am längsten aushalten wird."

Unnöthig-Du, Vater* warum sagt man dennguten Appetit", aber nichtguten Durst"?"Weil's das nicht braucht I"

Redaction: A. Scheyda.

Druck und Verlag der Brühl'fche» Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch)

in Gießen.