Ausgabe 
13.4.1893
 
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B 171 -

an.

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welches er langsam weiter führen mußte.

Freilich," fuhr er ruhig fort,Ihre Mutter hatte sehr schöne Rosen, aber die Ihrigen, Tante Hanna, waren weit prächtiger noch, schade, daß die Leute sie so schmählich nieder« getreten haben, als der Blitz Ihre kleine Villa einäscherte."

Wieder wandte sie ihm da» Gesicht zu und sah ihn prüfend

Meine Rosen," wiederholte sie, sich über die Stirn

streichend,der Blitz meine Mutter"

Sie brach ängstlich ab, die Gedanken verwirrten und peinigten sie offenbar.

Er ließ sie jetzt in Ruhe und sah gespannt hinab in den Garten, durch deffen Pforte in diesem Augenblick eine Dame getreten war, welche langsam, den kleinen Strohhut in der Hand, durch einen der zierlich gehackten Wege wandelte. Es war Armgard Holten, welche auf des Doctors Bitte gekommen war, um zu erproben, ob der Anblick ihres einstigen Lieblings nicht die Erinnerung der Gegenwart bei ihr zu erwecken vermöge.

Die Unglückliche blickte jetzt wieder mit unruhig umher« irrenden Augen über den Garten hin. Die noch immer halb» gefesselte Denkkraft rang mächtig nach Befreiung und trieb ihr den Angstschweiß auf die bleiche Stirne. Jetzt fiel ihr Blick auf die weibliche Gestalt, welche genau jenen hellen Anzug trug, den sie nach ihrer Heimkehr von der Rheinreise bei ihrem Pfingstgruß getragen und in welchem Tante Hanna sie so gern hatte sehen mögen.

Dem guten Doetor klopfte doch ein wenig das Herz, als er bemerkte, wie Tante Hannas Augen sich immer starrer auf Armgard richteten, wie sie sich erheben wollte und seufzend zurücksank, dann die Hände nach ihr ausstreckte und sich immer weiter vorbog, bis sie plötzlich, als Armgard näher gekommen war und ebenfalls lächelnd die Hände zu ihr erhob, einen Schrei ausstieß und in Thränen ausbrach.

Doctor Peters winkte jetzt eifrig, heraufzukommen, und Armgard flog in's Haus, die Treppe hinauf, um im nächsten Augenblick vor Tante Hanna zu knieen-

Dieses Experiment war gut," murmelte der Arzt, sich vergnügt die Hände reibend,töte Thränen sind unbezahlbar."

Liebe, liebste Tante Hanna," rief Armgard, sie mit beiden Armen umschlingend und mühsam ihre Thränen zurückdrängend, wie freue ich mich, Sie wiederzusehen! Nicht wahr, Sie haben Ihre Armgard nicht vergessen?"

Sie sah bei diesen Worten mit zärtlicher Besorgnrß und tiefer Erregung in das blasse Gesicht und trocknete mit ihrem Tuch die Thränen von den welken Wangen.

Armgard, ein schöner Name." sagte Tante Hanna leise, sie unverwandt anblickend.Ich liebte einst diesen Namen. Bist Du Armgard?"

Tante Hanna, besinnen Sie sich doch," mischte sich hier der Doctor ruhig ein,Fräulein Armgard Holten auf Ebenheim ist diese junge Dame und, wenn ich nicht irre, war sie stets Ihr besonderer Liebling." (Fortsetzung folgt)

Nach und nach kam in der That ein anderer Ausdruck in ihre Augen, halb überrascht und erfreut. Sie strich sich über die Stirn und lächelte still beglückt, waren die Blumen doch immer ihre Lieblinge gewesen, deren Pflege ihr besonders am Herzen gelegen. Und heute war sie zum ersten Male im Stande gewesen, da» Bett zu verlassen, woran die hilfloseste Schwäche sie bislang gefesselt hielt. Die Greisin hatte aller­dings schon vorher einige hoffnungsreiche Zeichen des erwachen­den Bewußtseins für ihre Umgebung gehabt, weshalb Doctor Peters auf den Anblick des blühenden Gartens sein besonderes Augenmerk richtete und neben ihr stehend, sie unablässig be­obachtete.

Ihre Rosen waren doch schöner noch als diese, Tante Hanna!" sagte er plötzlich, auf den Garten hinausdeutend.

Sie wandte langsam den Kopf und sah ihn mit einem gespannten Ausdruck an.

Meine Rosen!" erwiderte sie, wieder hinausblickend. Ja, aber sie gehörten meiner Mutter."

Sie war mit ihrer erwachten Erinnerung in der Kindheit, im Elternhause, aber es war immerhin schon ein Resultat,

Im Försterhause wurde ihnen der Bescheid, daß der Kranke sehr aufgeregt und der Doctor, welcher bei ihm sei, einen fremden Besuch sicherlich nicht wieder gestatten werde.

Gehen Sie hinein und melden Sie dem Herrn Doctor, daß der Commiflar Frenzel ihn zu sprechen wünsche."

Man brachte ihm den Bescheid, in« Krankenzimmer ein­zutreten.

Da sind Sie endlich, Herr Commiflar!" rief Macbach ihm mit matter Stimme entgegen.Ueberzeugen Sie sich, daß ich fieberfrei bin und klar denke. Es wird mit mir wohl bald zu Ende fein, möchte aber vorher noch das Schrecklichste ver­hüten. Fräulein Holten hält mein Wort für tolle Fieber­phantasten, sie darf jedoch jenen Menschen nicht heirathen. Sie müssen dagegen einschreiten, Herr Commiflar, er ist der Mann mit dem rothen Strich."

Ich weiß es, Herr Marbach," beruhigte ihn der Com« miffar, während der Doctor ihn achselzuckend anblickte.Mein Ehrenwort darauf, daß wir ihn packen, den famosen Mister Prien, wir kennen ihn jetzt und zum Ueberfluß ist heute auch noch Mister Hilbrecht aus Chicago hier eingetroffen."

Marbach wollte sich überrascht aufrichten, fiel aber sofort kraftlos zurück.

Sieh, steh'," sagte Doctor Peters erstaunt,wir wollen unsere Kraft messen, da« ist ja kein schlechtes Zeichen."

Ist Mister Hilbrechts Vater gekommen?" fragte Mar­bach leise.

Nein, der Sohn, ich hab' ihn mitgebracht, Sie kennen ihn doch, Herr Marbach, wollen Sie ihn sehen?"

Der Kranke nickte, worauf der Commiflar hinausging und mit Mister Hilbrecht zurückkehrte.

Old boy, Mister Marbach, da bin ich selber, John Hilbrecht, meiner Mutter Sohn," sagte der Amerikaner, die durchsichtig bleiche Hand de» Kranken, welche auf der Decke lag, sanft erfaffend.Hab mich auf das Telegramm hin nicht lang besonnen, den Schuft von Prien mit einzufangen."

Ich danke Ihnen, Mister Hilbrecht!" erwiderte Marbach mit einem matten Lächeln.Nun kann ich ruhig sterben, weil die Hochzeit nicht stattfinden wird."

Hm, hm," machte der Doctor besorgt, da er dies wiederum für eine Phantasie des Kranken hielt und auch Mister Hilbrecht zog ein sehr erstauntes Gesicht.

Ich weiß Alles durch Ihren Freund, den Herrn Rein­hardt," sagte der Commiflar,Sie können sich auf uns ver­lassen, Herr Marbach!"

Mein armer, alter Reinhardt," flüsterte der Kranke, wird er nicht bald wieder gesund sein, Herr Doctor?"

Wir haben ihn bald herausgeflickt," beruhigte ihn der Arzt,nur jetzt keine Aufregung mehr, meine Herren, ich kann sonst für nichts einstehen."

Der Commiflar schien in den Augen des Kranken Angst und Unruhe zu lesen; der unglückliche junge Mann erregte seine ganze Theilnahme. Er beugte sich zu ihm nieder und sagte leise:Ich habe dem Mörder einen geschickten Jäger auf die Fährte gesetzt, da ich dem Polier Schulze glaube. Die Hochzeit wird nicht stattfinden, das kann ich Ihnen versprechen."

Marbach lächelte matt und drückte ihm dankbar die Hand.

Nicht wahr, Mister Hilbrecht, Sie bleiben hier, bis Sie den Vogel im Garn haben?" fragte er dann leise.

Versteht sich, Mister Marbach, werden Sie nur bald ge­sund, damit Sie ihn selber darin zappeln sehen, in der Schlinge nämlich, worin ihm unweigerlich der Hals zugeschnürt wird. God by, old boy!"

Er streichelte ihm mitleidig, wie einem kranken Kinde, die Hand und folgte dem Commiflar, welcher die Thür bereits geöffnet hatte.

* *

Tante Hanna saß in einem freundlichen Zimmer des Krankenhauses, wo sie selbstverständlich als Privatkranke be­handelt wurde. Man hatte einen großen bequemen Lehnstuhl an's offene Fenster gerückt, wo ihr noch immer etwas starrer Blick auf einen Garten fiel, dessen duftiger Blumenflor sie er­freuen und beleben sollte.

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