Ausgabe 
12.12.1893
 
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Ö84 -

Geselligkeit.

Einezeitgemäße" Betrachtung.

Der rauhe Herbstwind schüttelt mit unwiderstehlicher Ge­walt die letzten Zeugen sommerlichen Lebens von den Bäumen. Gelb und braun rascheln die Blätter zu unfern Füßen und fröstelnd fliehen wir in die behaglich durchwärmten Räume des Hauses. Nach innen kehrt sich der Sinn, der Vergänglichkeit alles Schönen nachtrauernd. Doch, wie ein Phönix aus der Asche, so erhebt sich wieder im Menschen der Trieb zur Lebens« sreude, und wohl dem, der aus den düsteren Stunden des Lebens sich aufzuraffen weiß und es versteht, durch heiteren Sinn, holde Kunst und fröhliche Geselligkeit erhellende und wär­mende Sonnenstrahlen in sein Haus zu locken! Heiterer Sinn als das Gute, holde Kunst als das Schöne, frohe Geselligkeit als das Wahre, wie könnten diese drei in harmonischem Verein nicht das rechte Wohlbehagen bereiten? Jeder möge sein Bestes thun, ein solches sich und Andern zu verschaffen und wo das Eine oder das Andere ihm davon fehlt, darnach suchen und es zu erlangen streben. Wie Mancher hat den heiteren Sinn, doch die holde Kunst ist ihm nicht gegeben. Da hilft denn die fröhliche Geselligkeit ihm, Umschau zu halten, und siehe da, hier ist ein musikalischer Freund, dort stellt einer sein dramatisches Talent, ein anderer wieder seinen durch die Malerei gebildeten schönheitskundigen Sinn zuLebenden Bildern" gern zur Verfügung. So ruft denn die frohe Ge­selligkeit all' ihre talentvollen Jünger zu ihrem Dienste herbei, und heiterer Sinn, wie Lust und Liebe zur Sache weiß dann stets das Rechte zu finden, auch die Saiten anderer Seelen mitklingen zu laffen. Welche Befriedigung für den Gastgeber, frohe Gesichter um sich zu sehen! Es bedarf dazu gar nicht der leider ost jetzt in's Uebermäßige gesteigerten materiellen Genüsse. Wo man freundliche Sorge für andere geistige und gesellige An­regung getragen hat, wird solch' übertriebener, oft schwer er­kaufter Luxus gern entbehrt werden. Doch so Mancher, der dies liest, denkt vielleicht:Den guten Willen habe ich, doch das Wie" undWas" macht mir Kopfzerbrechen." Darum ist es wohl angezeigt, wenn ich an dieser Stelle Solche, denen an harm­loser Geselligkeit gelegen ist, auf ein neu erschienenes Werk aufmerksam mache, das zu freundlicher Hilfe bereit ist. Es ist das vom württembergifchen Hofschauspieler a. D. Paul Rüthling herausgegebene, im Verlag von Levy & Müller in Stuttgart erschieneneDilettantentheater für Damen", dessen acht kleine Hefte sich jetzt zu einem stattlichen Band vereinen, der, als Geschenk auf dem Weihnachtstisch, gewiß Manchem willkommen sein wird, und zwar nicht allein nur den Damen, sondern auch den Herren, da auch Herren arrangierend und mitwirkend, Nutzen aus diesem Werk ziehen können. Es ist hierin in reicher Auswahl vereinigt, was nach jeder Richtung hin fröhlicher Gesellschaft zu Hilfe kommen kann: Solo-Scherze, die, wenn sie mit richtigem dramatischen Verständniß vorge­tragen werden, effektvoll wirken, dann Duo-Scenen, deklama­torische Vorträge ernsten und launigen Inhalts, Polterabend, aufführungen und Hochzeitsgedichte, sinniger wie heiterer Art, Gedichte zu Lebenden Bildern, Geburtstagsaufführungen, Pan­tomimen, Scherze, Prologe zu verschiedenen Veranstaltungen, Begleitgedichte zu Geschenken, und Theaterstücke, nur für Damen, wie auch auf Mitwirkung von Herren berechnet, in heiterem, wie ernsten Genre. Kurz dem Suchenden bietet sich eine Fülle zur Auswahl, und die Dichtkunst geht darin oft Hand in Hand mit der Musik und Malerei. Jede dieser Musen trägt ihr Scheiflein dazu bei, der fröhlichen Geselligkeit dienstbar zu sein! Da ich selber aus diesem Werke manches mit Erfolg zur Aufführung brachte, kann ich es mit gutem Gewissen empfehlen. Vor allem möchte ich auf das hübsche, in jeder Häuslichkeit leicht aufzuführende LustspielDer Horcher an der Wand" aufmerksam machen, so wie auf das fünfactige StückDie alte Freundin" (eine Perle der Sammlung), das freilich eine größere Personenzahl erfordert, das aber, wenn bei der Auf-

I führung das Haupt-Augenmerk auf natürliche anmuthige und vortheilhafte Gruppierung gerichtet wird, und jeder im Spiel fein Bestes leistet, stets, wie ich aus Erfahrung mich überzeugt, eines guten Erfolges sicher sein darf. Es weht durch das Stück, in dem ein ganzes Mädchenpensionat vorkommt, ein sitt­lich-reiner frischer Hauch, der sich unwillkürlich dem Publikum mittheilt. Alles ist darin so lebenswahr und dabei so decent, heiter und anmuthend! Bei diesem vielen Guten, was das Dilettantentheater für Damen" bietet, ist wohl vvrauszufehen, daß es bald zum werthvollen Schatz für die Familie und Freunde harmloser Geselligkeit werden wird. Drum, Glück auf den Weg, junges Werk! Möchtest du selbst so willkommen überall sein, wie die fröhliche Geselligkeit, der du dienst.

Freienwalde a. d. Oder. W. Marth en.

Gemeinnütziges.

Reinigung -er Kleiderbürsten. Die eben gebrauchte Bürste reibe man jedesmal gegen ein reines Stück Papier, welches man mit einer Hand gegen die scharfe Ecke eines Tisches hält, so lange, bis das Papier, welches man beim Reiben immer verschiebt, rein bleibt. Dies ist in wenig Au­genblicken geschehen. Man schont die zu reinigenden Kleidungs­stücke auf diese Weise sehr, da die zu unreinen Bürsten oft mehr Schaden thun als der Gebrauch und der Staub.

Weiße Fensterbänke aufzufrischen. Man nehme Schlemmkreide, rühre sie mit etwas kaltem Regenwasser zu einem Brei und reibe mit dieser Mischung vermittelst eines Lappens die beschädigte Fensterbank so lange ein, bis sie wieder in alter Frische glänzt und wie neu angestrichen erscheint. Der Erfolg ist bei genügender Einreibung überraschend.

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Bunte Stickereien auf Leinen oder Baum- Wollenstoff zu wafchen. Man verkoche ein gewöhnliches Stück guter Waschseife, lasse das Wasser bis zur angenehmen Wärme erkalten und wasche in demselben den zu reinigenden Gegenstand tüchtig durch. Findet man ihn rein, so zieht man ihn durch klares warmes Wasser, drückt ihn aus und schlägt ihn zwischen zwei Tücher, um ihn aufgerollt gut auszuwinden. Hierauf fahre man mit einem gut durchhitzten Plätteisen rasch und leicht einmal auf der rechten Seite über den Stoff und die darauf befindlichen Stickereien, um ihm den Glanz zu erhalten, und plätte dann den Stoff auf der linken Seite mit kräftigen Druck so oft, bis er vollkommen trocken ist und die Stickereien schön hervortreten. Auf diese Weise behandelte Stickereien werden kaum von neuen unterschieden. Natürlich muß das Arbeitsmaterial ächtfarbig sein. Auch darf man nie mehrere Gegenstände, namentlich wenn sie verschiedenfarbige Stickereien tragen, zusammen waschen.

Vermischtes.

Vor Gericht. Richter (zum Angeklagten):. . . Nun, was haben Sie denn auf diese Beschuldigung zu erwidern?" Angeklagter:Ich bestreite Alles nur nicht die Kosten!"

Zoologisches. Professor:Wer kann mir noch so ein Thier nennen, das sich so zusammen rollt, wie der Igel?" Schüler:Der Rollmops'"

Modesrne Heirathsannonce. Dame, jung, hübsch, geistreich, arm, wünscht Herrn mit den entgegengesetzten Ei­genschaften behufs glücklicher Ehe kennen zu lernen.

Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.