Ausgabe 
12.10.1893
 
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Wanzgrube zugefüllt. Es empfiehlt sich, die Stämme sofort niederzulegen. Dies geschieht, indem man eine kleine Furche zieht und für die Krone entjprechend mehr Erde aushebt. Der Stamm wird nun sanft zur Erde gebogen und festgehackt. Unter und über Stamm und Krone wird etwas Tannenreifig gelegt und mit einer circa 2 Zoll dicken Erdschicht bedeckt.

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Die verschiedenen Knollenpflanzen im Zimmer, wie Begonia, Gesneria, Gloxinia, werden jetzt ihre Sommer- triebe von selbst abwerfen, andernfalls müssen wir fie durch allmäliges Trockenhalten hierzu bewegen. Ein Abschneiden noch zu grüner Triebe ist zu vermeiden, da diese ihre Nährstoffe der Knolle zurückgeben. Nach Abwerfen der Blätter werden die Knollen herausgenommen und in Kästchen mit trockenem Sande im warmen Zimmer aufgehoben. Es ist auch das Stehenlaffen im Topfe bei völliger Trockenheit anwendbar und stellen wir diese dann auf einem Spinde int warmem Zimmer auf. Diese müffen aber im Frühjahre jedenfalls neue Erde bekommen.

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Gurrensamen zu gewinnen. Man läßt völlig reife Gurken, nachdem sie ganz gelb geworden sind, einige Tage liegen, schneidet sie der Länge nach durch und drückt die Gallerte mit dem Samen in ein Gefäß. Hier bleibt der Samen etwa zwei Wochen oder auch länger liegen, bis die Gallertmaffe verfault ist. Alsdann werden die Samenkörner durch tüchtiges Spülen mit reinem Waffer und fortwährendes Abgießen des Schmutzwaffers gereinigt und zum Trocknen aus- gelegt. Taube Körner fließen mit dem Waffer ab. Die da­bei verwandten Gurken kann man wie Senfgurken einmachen.

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Hagebutteucompot. Die dazu nöthigen Hagebutten werden gut gewaschen, in kaltem Waffer 12 Stunden einge- weicht und dann mit Saccharin ganz weich gekocht. Man kann auch frische Hagebutten mit Saccharin statt Zucker in Dunst oder Saft einkochen, nachdem man sie zuvor von Haaren und Samen sorgfältig befreit hat.

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Champignons in Blechbüchsen. Die Champignons werden gereinigt, gekocht und dann in Blechbüchsen gefüllt; die Räume zwischen den Champignons werden mit Olivenöl aus­gefüllt. Die Büchsen werden darauf verlöthet, mit Ausnahme einer Stelle, die erst zugelöthet wird, nachdem die Büchsen auf 100 Grad erhitzt sind, um Waffer und Luft, welche sich noch in der Büchse befinden, auszutreiben. Selbstverständlich nimmt man zum Conserviren nur mittelmäßig große, gut geschloffene Champignons. Statt in Büchsen kann man sie auch in Gläser einmachen. Man füllt die Gläser nur gut dreiviertels mit Champignons und Olivenöl, schließt sie gut zu, bindet den Kork mit Bindfaden fest und stellt die Gläser in kaltes Waffer, das man allmälig bis zum Siedepunkt erhitzt und läßt sie dann 10 Minuten kochen, nimmt sie heraus und verlackt sie nachher.

Kitt zum Berstreichen für Oefen. Vorzüglich ist: Lehm und ein Theil Borax wohl gemischt. Riffe kann man verstreichen mit feingestebtem Braunstein, der mit Wafferglas zu einer knetbaren Masse verarbeitet isi. Dieser Kitt wird so hart wie Eisen.

Garnirter Wäschekorb. Die zur Aufnahme von gebrauchter Wäsche bestimmten sogenannten Bienenkörbe lasten sich mit geringen Mitteln hübsch garniren. Inwendig bekleidet man den auf drei Füßen von Rohr ruhenden Korb mit rothem, blauem oder olivenfarbigem Caschmir je nach der Farbe der Gardinen und Bettdecken. Am oberen Rand muß das Futter einen halben Meter überstehen, so daß es beutelartig zusammen­gezogen werden kann. Zu dem Zweck wird es neun Centimeter breit umgesäumt und mit einem Zug versehen, durch den man

eine dicke Wollschnur leitet, an deren beiden Enden sich Pontt pons befinden. Der Ansatz des Beuteltheils wird durch eine zwölf Centimeter breite, ausgeschlagene volle Rüsche aus Casch. mir gedeckt. Zur Verzierung des Korbes dienen zwei breite gestickte Streifen, welche von oben nach unten fchräg laufend angebracht sind; man kann sie auf Panamastoff, Javacanevar oder Filz sticken, am hübschesten macht sich ein fortlaufendes Kreuzstichmuster. Die Streifen werden von beiden Seiten mit schmalen Stoffrüschen besetzt.

Vermischtes. -

Spiele für die Jugend. Die tanzenden Papierstückchen. Die Kinder sitzen oder stehen alle um einen großen Tisch herum. Auf die Mitte desselben wird eine Menge ganz kleiner Schnitzelchen von sehr dünnem Papier hin­gestreut. Dann nimmt man eine Stange Siegellack, reibt mit einem wollenen Lappen nicht zu stark zehn- bis zwölfmal über die eine flache Seite hin und hält dann die Stange in einiger Entfernung über die Schnitzelchen; so fangen sie an, eins nach dem anderen, lebhaft, ost in possirlicher Weise, sich an den Siegellack anzuhängen. Damit sie schneller tanzen, bewegt man den Siegellack hin und her, so lange, bis sie entweder ab- gestoßen werden oder auch einen Augenblick hängen bleiben. Mit einer trockenen Glasröhre, z. B. mit dem Glascylinder an der Lampe, kann man ganz dieselbe Probe machen, wenn man die Röhre mit einem Stück seidenen Zeuge» gehörig reibt.

Unmöglich. Tante:Nun, Gretchen, Papa hat sich gewiß recht gefreut, daß der Klapprrstorch Euch Zwillinge ge­bracht hat. Was sagte denn Papa dazu?" Gretchen: Mir siehen alle Haare zu Berge und . . ." Tante: Na, und?" Gretchen:Und er hat gar keine mehrl"

Jnformirt. Hansl:Data, wie wissen denn die Astronomen scho voraus, daß a Sonnenfinsterniß kummt?" - Vater:Dummer Bua, glaubst denn, d' Astronomen lesen koa' Kalender nöt?"

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Entfernte Verwandtschaft. A.:Es wundert mich, daß Sie sich um Ihren jüngsten Bruder gar nicht küm­mern I" B-:Aber erlauben Sie mir, da» ist doch schon eine ganz entfernte Verwandschaft da liegen ja fünf Ge­schwister dazwischen!" $

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Der Jung:Warum hat denn die Mutter einen so breiten Rand an den Zwetschenkuchen gemacht?" Dar Mädel:O, Du Dummer! Daß man sich nicht schmutzig macht, wenn man ihn anfaßt I" * ,

Complicirt. A.:Mensch, Du flehst ja schrecklich aur, was fehlt Dir denn?" B.:O, ich komm' mir vor wie eine Menagerie; gestern Abend Schafkopf gespielt - Schwein gehabt Bock getrunken Spitz erwischt - Affen nach Hause gebracht, heute Kater brrr!"

Vom Kasernenhof. *Wachtmeister:Sie erhalten acht Tage Kasernen-Arrest, Einjähriger, weil Sie dem Herrn Lieutenant zu familiäres Honneur erwiesen haben." Ein­jähriger:Der Herr Lieutenant ist ja aber mein Vetter." Wachtmeisier:Das ist ganz egal, respectiren müssen Sie ihn doch und wenn er selbst Ihr Vater wäre."

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Am Postschalter. Fräulein:Ist ein Brief da 0. 100?" - Beamter:Nein, aber 0. 0. 100!" - Fräu­lein:Das wird er wohl sein, mein Schatz stottert nämlich etwas!"

Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.