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|iert, meine Dankbarkeit zu beweisen." — Wissen Sie das nicht mehr? — Im Garten jubelten die Vögel und auf dem Tisch stand ein großer Strauß weißer und blauer Blumen. — „Vielleicht komme ich einst in die Lage, etwas von Ihnen zu erbitten," erwiderte ich, über Ihren Eifer lächelnd. „Und mein Wort darauf, daß ich diese Bitte erfülle, wenn ich es kann, und wenn Niemand dadurch ein Unrecht zugefügt wird!" riefen Sie lebhaft und legten Ihre Hand in die meine. Erinnern Sie sich dessen?"
Magda bejahte weder, noch verneinte sie.
Noch einmal rief er ihr die ganze Scene ins -Gedächtnlß, allerlei Einzelheiten anführend, und wiederholte endlich die Frage.
Die Wirkung feines Blickes, der ernste, eindringliche Ton der Versicherung, mußten wohl ihren kindischen Widerstand besiegt haben.
„Ich erinnere mich," sagte sie leise.
„Nun so spreche ich jetzt die Bitte aus: „Bleiben Sie Ihrer Freundin auch ferner zur Seite. Verkünden Sie ihr diesen Entschluß sogleich und ohne unseres Gesprächs zu erwähnen."
Ueberrascht, entzückt und doch eigenthümlich bewegt fühlte sich Rafaele, als Magda kaum fünf Minuten später bei ihr eintrat mit den Worten:
„Ich nehme meine Weigemng zurück und werde Dich begleiten, wenn Du nach P. ziehst."
Es lag etwas Seltsame», Fremdes in dieser Zustimmung, die so fest und entschieden und doch so freudlos und kühl klang.
„Hat Frank Dich überredet?"
Die zögernde Frage war wohl berechtigt.
„Nein! Ich folge Dir, weil ich nicht anders kann."
Wie sich da» anhörte! — Als hätte die Seele keinen Theil daran. —
Aber Rafaele warf sich doch an die Brust der Jugendfreundin und bedeckte die marmorkalten Lippen mit Küssen.
VI.
Schneller als sonst wohl üblich wurde die Vermählung vollzogen. Todesahnungen quälten Frau v. Waldau, und der Wunsch, ihres geliebten Kindes Schicksal in bewährten Händen zu wissen, trieb sie zu beinahe fieberhafter Hast. Alle Vorbereitungen wurden mit unheimlicher Schnelligkeit getroffen.
Rafaele setzte dieser Eile keine Einwendungen entgegen, nicht weil sie sich dem Arzte geneigter gefühlt hätte, aber weil sie einmal entschlossen, ein Opfer zu bringen, dieses ganz und rückhaltlos bringen wollte. Jedes Zweifeln und Schwanken widerstrebte ihrem starken, klaren Sinn. Ganz anders erging es Magda. Diese war sich selbst zum traurigen Räthsel geworden. Oft meinte sie, Frank zu hassen und zu fürchten und empfand fast unwiderstehliche Lust, ihn zu fliehen und sich angstvoll in irgend einem vergessenen Winkel der Erde vor ihm zu verbergen. Des Nachts schreckte sie wohl empor über den von ihren eigenen Lippen ausgestoßenen verzweiflungsvollen Ruf: „Mein Gott, rette mich vor ihm! Ich fühle mich in Schlingen verstrickt, die zu zerreißen meine Kraft nicht ausreicht!" und dann war es ihr doch wieder, al« würde sie eher die Erde von Pol zu Pol durchwandern, als seine Spur verloren geben. — Wenn dieses Gefühl nicht Liebe war, dann mußte sie es einen unbegreiflichen Zauberbann, etwas Uebermächtiges und Unerklärliches nennen, etwas, wovor ihre Seele zagte und das sie doch nicht hätte missen mögen. — Und dazu gesellte sich eine peinliche, drückende Empfindung Rafaele gegenüber. Diese kam ihr wie ein in demantener Klarheit leuchtender Stern vor, der ruhig seine Bahn wandelt, während sie selbst sich mit einem flackernden Irrlicht verglich. — War es bange Sorge um die Freundin, war es ein entwürdigendes Gefühl ganz unberechtigter Eifersucht, was Magda oft die Hände ringen, was sie laut aufstöhnen ließ: „Gott im Himmel, hilf! Sie dürfen einander nicht angehören!"
Der Allmächtige hörte aber dieser Flehen nicht. In der Dorskirche wurden Rafaele und Georg getraut. Der Winter hatte einen weichen, weißen Teppich über die Stufen, die zu dem Haupteingang der kleinen Gotteshauses empor führten,
gebreitet. Schneeflocken fielen in bas Haar der Braut, als sie dem Wagen entstieg, und flimmerten neben den Myrthenblüthen. Feierlich erklangen die Töne der Orgel, und frische, Helle Kinder, stimmen sangen ein frommer Lied. Die beiden Mütter drückten sich die Hände. Frau Frank» Antlitz strahlte. Nun war dem geliebten Sohn auch der höchste Wunsch nicht unerfüllt geblieben. Der Priester vereinte ihm da» heißgeliebte Weib, und die Bahn zum Ruhme stand dem Ehrgeizigen, nicht mehr durch kleinliche Verhältnisse Gehemmten, frei, So inbrünstig dankte sie Gott noch nie, so froh und stegesbewußt sah sie niemals in dir Zukunft. —
Hinter ihr kniete Magda und schluchzte, al» sollte ihr dar Herz brechen. Sie selbst hatte die Freundin mit dem Kranz und dem wie Morgennebel feinen und durchsichtigen Schleier geschmückt und dabei gedacht, daß sie dieselbe lieber in den Sarg betten, als vor den Altar geleiten würde, und dennoch regten sich nicht Haß und Mißgunst in ihr, sondern nur eine unbeschreibliche Wehmuth, eine tiefe Traurigkeit, wie sensitive Naturen sie vor herannahendem, schweren Unheil empfinden. „Könnte ich nur sterben, sterben für die Beiden!" dachte sie, und dieser Gedanke raubte ihr sogar die Fähigkeit, zu beten.
Die übliche Hochzeitsreise unterblieb. Das junge Paar begab sich sofort nach P.
Trotz der Winterzeit umwanden Blumenguirlanden von seltener Pracht Treppen und Thüren, sowie den Schreibtisch des Doctors. Die Äittwe würde lieber ihr Letztes hingegeben, als dem Sohn und seiner jungen Gemahlin keinen freundlichen Empfang bereitet haben.
„Willkommen!" rief Frank und breitete, auf der Schwelle stehend, die Arme aus.
Rafaele schien die Bewegung nicht zu bemerken. Sie reichte ihm die Hand und sagte: „Ich werde stet» meiner Pflichten gedenken und jede Sorge mit Dir theilen, Georg."
Ein Ausdruck bitterer Ironie machte seine Züge beinahe unsympathisch. „Ich danke Dir für diese» beglückende und vielverheißende Versprechen," erwiderte er spöttisch.
In seiner Mutter scharfen Adleraugen leuchtete e» zornig auf. Sie öffnete bett Mund, al» wolle sie eine scharfe Bemerkung machen, bezwang sich indeffen, und geleitete die Neuvermählten in einen zierlichen Salon und von da in mehrere sehr hübsch und gemüthlich eingerichtete Zimmer.
„Ich hoffe, Deinen Geschmack getroffen zu haben," sagte sie zu Rafaele, aber nicht mit schmeichelndem, sondern mit Zu- stitnmung heischendem Ton.
„Gewiß!" erwiderte die junge Frau gleichgültig.
„Dann empfange noch einmal meine Glückwünsche, lieber Kind, und glaube: die Gattin eine» berühmten Mannes zu sein — und das dürfte Georg in nicht zu später Zeit wer- den — ist eine seltene Bevorzugung, welche da» Schicksal nur Wenigen gewährt- Wir Frauen sind gewöhnlich verurtheilt, eine sehr unbedeutende Rolle zu spielen, und sollten Diejenigen segnen, welche einen verklärenden Schimmer ihrer Größe aus uns fallen lassen."
„Ich unterschätze die Verdienste Deine» Sohnes nicht," klang es kühl abweisend von den Lippen Rafaelens.
Frank furchte die Stirne. „Sind Briefe eingegangen?" fragte er, das Gespräch schroff unterbrechend.
„Ja; sie liegen in Deinem Arbeitszimmer." Er ging- Wie fest klang doch sein Schritt! Al» schreite eine belebte, eherne Statue über den Corridor, war e» anzuhören.
So bekannt und lieb wie in dem kleinen Hause, das er nun verlassen, grüßte ihn hier Alles. Da stand der Bücher» schrank, dort die Chaiselongue, auf die er sich oft geworfen, um stundenlang über ein Problem nachzudenken. Hier war auch der Secretär, bedeckt von Zeitungen und Schriften. Da» alte Notizbuch lag auf der rechten Seite und daneben sah man Bleistifte, Federn, eng beschriebenes Papier — Alles, Alles hatte die Mutter hingelegt, wie er es seit Jahren gewöhnt gewesen — sogar der Todtenkopf grinste ihm entgegen. Aber heute mochte der Doctor den alten, guten Kameraden nicht sehen. Er schob die Miniatur-Staffelei, auf der einige hübsche Skizzen standen, vor, stieß aber dabei unvorsichtig an da»


