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Dienstag, den 12. September.

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Das Erbe.

Preisgekrönte Erzählung von R. Blankenburg.

(Fortsetzung.)

Eine Todtenstille entstand, als der Vorlesende geendigt hatte und das Schriftstück zusammenfaltete, aber nur für wenige Augenblicke, bann war Hertha aufgesprungen und auf Erich zugeeilt. Seine Hand ergreifend, zog sie ihn aus der Fensternische hervor in die Mitte der Stube.Ich nehme nicht an, was meines Vaters Güte mir bestimmt," rief sie in fliegenden Worten,ich lege es in meines Bruders Hand." Ihr Mann war heftig, mit zornigen Mienen, aufgesprungen, aber sie beachtete es nicht, athemlos fuhr sie fort:Es ist ein furchtbarer Jrrthum geschehen, Mutter, Malte! Ein Jrr- thum oder noch Schlimmeres, durch den des Vaters Testa­ment ausgefallen ist, wie wir es gehört haben. Er glaubte Erich der großen Sünde schuldig und entzog ihm fein Erbe, aber noch auf seinem Sterbebett hat er die Wahrheit er­fahren und ihm mit feinem letzten Athemzug feine Liebe ge­schenkt. Wie könnte ich nehmen, was solcher Irrung seinen Ursprung verdankt! Ich weise es zurück, ich übergebe es Dir, mein einziger Bruder, und" Sie kam nicht weiter, mit eisernem Griff umspannten die Finger ihres Mannes ihr Hand­gelenk.Schweig', Hertha!" herrschte er sie an.Welches Recht hast Du, zurückzuweisen? Weißt Du nicht, daß es einer Frau nicht zusteht, ohne ihres Mannes Erlaubniß über sein und ihr Eigenthu» zu verfügen?"

Ich weiß nicht, was Du meinst, Malte," tief sie be­stürzt, indem sie versuchte, ihre Hand frei zu machen.Die Mutter hat mir doch versichert und Du hast zugestimmt, als ich Dich fragte"

Er unterbrach sie, höhnisch auflachend.Daß ich ein Narr gewesen wäre, Dir damals zu widersprechen! Aber jetzt was denkst Du, daß die Gütergemeinschaft bedeutet,, die wir mit einander ausgemacht haben? Glaubst Du, ich' ließe mich gleich Dir von den Worten des Menschen blenden, den des Vaters letzter Wille als Dieb gebrandmarkt hat?"

Mit rauher Gewalt löste sie ihre Hand von Erichs Arm, den sie krampfhaft umfaßt hielt und, sie mit sich fortziehend, führte er die wie gebrochen Dahinschwankende zu dem nächsten Stuhl. Dort neben ihr stehen bleibend, hielt er seine schwere Hand auf ihre Schulter gelegt, als ob er die unglückliche Frau unter die Macht seines harten Willens beugen wolle.

Erich hatte bisher schweigend gestanden. Jetzt richtete er sich zu seiner vollen Höhe auf und, den flammenden Blick

Über die Anwesenden gleiten laffend, sagte er mit lauter klarer Stimme:Die Anordnungen des Testaments sind un­gerecht. Mit schändlicher List und bodenloser Verworfenheit hat man gewagt, die unbesonnene Handlungsweise eines Jüng­lings zu benutzen, um meinen Vater zu betrügen und mich um mein Erbe zu bringen. Wer den Diebstahl begangen hat, deffen man mich bezichtigte? Welche Hand kann es sein, als die, welche jetzt ausgestreckt ist, mein Recht zu nehmen und mein Gut zu rauben ? Seht ihn an," rief er heftig, indem er sich schnell zu Malte wandte,auf dem Antlitz des Mannes dort steht dasSchuldig" geschrieben in Buchstaben, die keine Macht auf Erden auslöschen kann. Und dort," er schwieg, aber feine Hand wies auf die Frau, welche auf dem Sopha saß und versuchte, den Kopf trotzig in die Höhe zu heben, während doch ein Schauer durch ihre Glieder schlich und ihre Zähne hörbar aufeinander schlagen machte. Mit steigender Erbitterung fuhr Erich fort, indem er feine großen, dunkeln Augen fest auf sie gerichtet hielt:Ich fordere Rechenschaft von Dir, die meines Vaters Weib war und mir Mutter fein sollte, und die sein Ohr mit erlogenen Berichten vergiftet hat! Du weißt meine Unschuld bester, als irgend ein Mensch auf Erden, denn Deiner Tochter Hand, die Du dem Unwürdigen zum Opfer gäbest, ist Dir nicht zu werth gewesen, um Deine Schuld zu verbergen und sein Schweigen zu erkaufen. So wahr ein Gott im Himmel lebt, der Herzen und Nieren prüft und recht richtet, ich will nicht ruhen, bis ich Euere Schande ans Licht gebracht habe, bis Ihr zu meinen Füßen um Barm­herzigkeit fleht und Euere Missethat vor aller Welt Augen offenbar geworden ist."

Wie gebannt hatten die Augen Aller an Erich gehaftet, der groß und gewaltig dastand, bebend vor heftiger Ent­rüstung und heiligem Eifer. Aus dem Antlitz des Notars malte sich Bestürzung, in dem Maltes war trotzige Abwehr zu lesen, während der Ausdruck der Mutter die scheue, fast abergläubische Furcht wiederspiegelte, welche ihr Herz bangend durchzog. Als Erich geendigt hatte, wehte es wie ein kalter Schauer durch die Stube. Pastor Helfer war zu ihm ge­treten und hatte die Hand auf seinen Arm gelegt, als ob er ihn bitten wolle, feine Selbstbeherrschung zu wahren, und Erich war der Mahnung eingedenk, denn er biß die Zähne zusammen, daß ihnen kein weiteres Wort entschlüpfen konnte. Einige Minuten herrschte Todtenstille, dann hatte Malte sich gesammelt. Indem er mit ausgestrecktem Finger zur Thür hinwies, sagte er mit heiserer Stimme:Fort von hier, hin­weg aus meinem Hause!"

Erich wandte den Blick voll auf ihn.Ich gehe," sagte er jetzt ganz gelassen,ich weiche Dir, aber ich werde zurück-