266
und wußte, Erna hatte Aerger gehabt und schluckte ihren Zorn hinunter, für den unfehlbar die arme Minna der Blitzableiter fein mußte. Sie wollte den Schwager schnell aus dem Zimmer haben, um der Jungfer genügend Zeit für das Ordnen des Haares zu gewinnen.
„Schwager Hans," hob sie an, „ein armer Mann wartet draußen I Er hat ein Anliegen und ist schon zu verschiedenen Malen dagewesen. Laß ihn nicht abweisen I Es sieht sonderbar aus, kommt Jemand und er steht frierend und wartend in der Vorhalle!"
Ein böses Zucken flog um Hans von Maltens Mund- Er verließ das Zimmer, etwas von Bettelei und unnützer Schererei vor sich hin grollend.
„Was hat Schwager Hans?"
„Nichts von Bedeutung, Kleine!" Erna legte den Finger auf den electrischen Telegraphen, die Jungfer herbeizurufen.
„Entschuldige Asta, ich muß mich beeilen, Minna ist ge- wöhnlich gerade dann langsam und ungeschickt, wenn es schnell gehen soll. Du bist wohl so freundlich und machst gleich em- mal die Runde durch Saal und Zimmer." Sie wollte es der Schwester nicht merken taffen, daß ihr Honigmonat schon vor-
junge Schwägerin. ,
Asta hatte nur einen Blick auf ihre Schwester geworfen
über. , . .
Asta entfernte sich mit einem Achselzucken und einem bedauernden Blick auf die Jungfer. Musternd durchwanderte sie die elegant ausgestatteten Räume. Es gab nicht viel zu ändern, hier und dort eine Kleinigkeit, eine Statuette, die sich aus dem Grün wirksamer abhob, eine seltene Pflanze, die besser zur Geltung gebracht werden könnte. So gelangte sie bi» in ein Zimmer, an welches sich das Arbeitsgemach ihres Schwagers
kann Sie unmöglich heute und morgen befriedigen!" hörte sie ihren Schwager sprechen. „Sie müssen sich unbedingt gedulden, Herr Wiesel. Ihr Geld ist doch nicht verloren; ich feilsche ja nicht um die Procente, für die Sie es thun! Ich kann mich nicht gleich in den Flitterwochen mit meiner Frau auf Kriegsfuß stellen. Sie müssen doch ein Einsehen haben!
Der unangenehme Besucher lachte gezwungen. „Sie scherzen, Herr von Malten! Sind Sie doch bereits volle sechs Wochen verheiratet. Es ist mir doch nicht um die Procente! Ich komme in Ihrem eigensten Interesse, die Sache in Ord- nunq zu bringen. Als ob mir das Geld jetzt bei Ihnen nicht ftdier genug wäre. Ich bin gut unterrichtet und weiß recht wohl, was für vermögender Leute Kind die gnädige Frau Ge- mahlin ist. Sind doch nur ihrer Zwei in der Familie! Ist nicht jedes unter Brüdern seine 200,000 in Thalern werth? - Habe ich mich denn gescheut, Ihnen Summen vorzustrecken, dä Sie keinerlei Aussichten hatten, zur Zeit, als keiner der großen Bankiers am Ort zehn Goldstücke au Ihren Namen risküt hätte? That ich's etwa^aus „Speculation? - Helf n wollte ich Ihnen aus purer Gutmütigkeit. Was hat ein Oisizier ohne Mittel? Ein nobles Elend — kann Einem in der Seele leid thun! - Ich will Sie nicht drängen, Herr von Malten, was denken Sie von mir! Ich will kein Geld per sofort, nur die kleine Unterschrift der gnädigen Frau, daß sie mit gutstehen will dafür. Die alten Schuldverschreibungen habe ich gleich mitgebracht, ich bin ein vorsorglicher Mann, dazu das Formular, um den neuen Schein auszustellen. Bitten Sie die gnädige Frau Gemahlin, sie möge so gut sein unv unter^tchnen-rbelte ^opf von dem Gehörten. Sie floh aus dem Zimmer und hörte den guten Rath nicht mehr, welchen Arnold Wiesel ihrem zögernden Schwager erteilte, die „zig von den fünfzigtausend Mark zu verschlucken und in der Schr st Raum zu lassen, sie nachher ganz fein einzufugen, Alles nur damit die gnädige Frau in den Flitterwochen k^nen zu großen Schreck bekäme. Vielleicht würde sie sich der Bagatelle Halver gar nicht die Mühe nehmen, genau hinzusehen.
Hans von Malten begab sich mit dem PapiernachErna ■ Zimmer. Asta traf er im Salon, sie stellte eine Blattpflanzen gruppe um- Er hieß seine Frau das Mädchen Hinausschi Sie waren allein-
bis sie eingetreten war. , \
Sie schaute durch die broncevergitterte obere Glashalfte der Thür nach ihm zurück. Die stechenden hellblauen Augen folgten ihr. Es berührte sie unangenehm- „August, was will der Mann?" fragte sie den Burschen ihres Schwagers, der hinter ihr die Thür einklinkte. „Hat er em Anliegen?
„Bettelei, gnädiges Fräulein, nichts als Bettelei I Er war I schon öfter da, um den gnädigen Herrn zu sprechen. Erst waren der Herr Lieutenant verreist und dann waren der Herr Lieu- tenant nicht zu Hause und dann wollten der Herr Lieutenant nicht zu Hause sein. Ich habe ihm schon steigt, heute wäre nicht daran zu denken, wir hätten große „Fäte (so hatte sich die Jungfer vornehm ausgedrückt), er solle einen andern Tag wiederkommen."
„Schon gut, August!" Sie schritt weiter.
Freudig grinsend schaute ihr der Bursche Er war durch die lange Unterhaltung mit dem gnädigen Fräulem in seiner Selbstachtung gestiegen, und Minna sollte es ihm nur noch einmal anzuhören geben, er könnte nicht zehn Worte her I vorbringen, ohne eine Dummheit zu sagen- ,
Asta ließ im Vorzimmer den weichen, warmen Mantel von den Schultern gleiten. Minna zupfte ihr Spitzen und Bänder zurecht, die sich bei der Fahrt gedrückt- „Das gnädige Fräu- lein sehen entzückend aus," schmeichelte sie dabei. „Wenn nur die gnädige Frau bald mit der Toilette ansangen wollten- Sie sprechen noch mit dem gnädigen Herrn. Nachher muß Alles fliegen und sitzt es nicht gleich, wie es soll, werden die gnädige ^““„sTroerbe treiben," versicherte Asta. Sie eilte durch die Gemächer zum Boudoir ihrer Schwester und ließ sich nicht ]
Hans?onÄa?ten stand am Schreibtisch und zwar so, daß er der Eintretenden den Rücken zukehrte und sie nicht wahr« nehmen konnte. Das Geräusch war ihm entgangen, weil er mit der Linken auf der Tischplatte trommelte. „Geh nicht zu weit, Erna, ich warne Dich," sprach er. Es klang eigenthirrn-
^Erna^war^am Fenster damit beschäftigt, einer frühzeitigen gefüllten Hyacinthe eine Blüthe nach der andern abzukneifen. Die Erde des Topfes war bereits weiß überdeckt und der Stengel seines duftenden Schmucks zur Hälfte beraubt- Sie wandte sich um: „Ah, da ist mein Schwesterchen I Bist hübsch zeitig eingetroffen! Das hast Du recht gemacht, Kind. Doch stimmten die freundlichen Worte fchlecht zu der finsteren Miene.
Auch Hans versuchte heiter und unbefangen zu erscheinen und bewillkommnete mit ein paar freundlichen Redensarten die
Erna hatte sie darum gebeten. Das enfant temble wm Bei gewissen Gelegenheiten sehr brauchbar; sie hatte künstlerischen Geschmack und wußte hier und da einen Wink zu geben, besonders in Toilettensachen, der nicht zu verachten war. Asta stieg vorsichtig aus dem Wagen und raffte das Spitzenkleid zu- sammem^ fi(e-b |W bo$ nicht auf, Johann?" erkundigte sie sich mit geheuchelter Aengstlichkeit- r, , ....
„Nein, gnädiges Fräulein können unbesorgt sein, bemühte sich der Alte, sie zu beruhigen. v ,
„Gewiß?" Damit war sie dem schützenden Schirm ent« schlüpft und lief schon durch den Vorgarten-
Johann setzte pflichtgetreu die alten Beine m schnelle Bewegung und keuchte hinterdrein. „ ...
„Sie hätten sich den Schnelltrab sparen können, lachte sie ihn aus- „Kommen Sie ja nicht zu früh mich abholen und vergessen Sie die Pelzgefütterten nicht."
Sie nickte ihm ein Adieu zu und sah befremdet auf einen in der überdeckten Halle vor der Hausthür wartenden Mann in schäbiger Kleidung- Er stampste noch den Schnee von den Füßen und schlug ihn mit dem rothgewürfelten Taschentuch von Schulter und Arm herunter- Bei ihrem Näherkommen zog er den bereits abgestäubten Hut bis zum Knie, sich nef verbeugend und in dieser unterwürfigen Stellung verharrend,
„L an Dich
„L angelegen wahrhaf dern- 5 Handschi aber lies hättest 3 zu dem, Dann kc Bankier
„W „und glo wie Du Anna ei Geldes z willst, w
„W kann's, Strehlen die Mali Ein Spr
„Ke darfst 5D: die gerin in welche
„W „Ft der Kehl
„M
„D> „Die Sn sicher ge!
Sie den Sche nehmbar
Har über's I Vierundf wollen! !
Vor Elsa von mit dem kehrte sic „Di „Gerade
»Ni schnippisc t "S- bringe m
Der seines M und beeil
Sie sich halb reist?" fi
»Jv
Italien c „As „Si men für ist ein p:
„Sc wenigsten die junge Trumpf
Der mein Fr


