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„Gewiß I Gewiß I — Aber nein, diese Nässe! — Kommen Sie nur mit mir, gnädige Frau, ich will Sie führen."
Anna raffte alle ihre Kräfte zusammen, sie schien jetzt durch den Wein und vielleicht auch durch die seelische Aufregung für dxn Augenblick gestärkt; es war ihr möglich, mit der Haushälterin das Zimmer zu verlaffen, so daß die beiden Herren allein blieben. Der ältere Wolfram sah lächelnden Blickes in das Gesicht seines Enkels.
„Nun, Erich, Du wolltest ja erzählen!"
Der Gutsherr zuckte die Achseln. „Es gibt da nur sehr wenig zu berichten, Großvater," antwortete er.. „Die Frau Consul fuhr selbst — Du kennst ja ihre Passionen — und als der Wagen umwarf, wurde sie vom Bock geschleudert. Das ist Alles!"
„Und Du warst zufällig in der Nähe, Erich, oder vielleicht -"
„Durchaus zufällig, Großvater, ich gebe Dir die bestimmte Versicherung."
Der alte Herr ließ sich so leicht nicht aus dem Sattel heben. „Nun, dann mußt Du für diese günstige Gelegenheit dem Himmel ganz besonders danken," antwortete er. „Du konntest ihr das Leben retten, mein Junge, bedenke doch, welche untilgbaren Verpflichtungen dadurch für Dich entstanden sind."
Erich hob abwehrend die Hand. „Großvater, ich gäbe viel darum, die Ereigniffe der letzten Stunden überhaupt ungeschehen zu machen. Gott weiß wie viel! Aber laß uns doch lieber von Dir sprechen," setzte er dann hinzu. „Weshalb bist Du nicht schlafen gegangen?"
Das Gesicht des alten Mannes umdüsterte sich zusehends „Weil ich noch mit Dir sprechen muß, Erich. Ganz nothwendig."
„Ueber Deine Pläne in Bezug auf mich, Großvater?" „Das und Anderes."
Der Glanz in seinen Augen war erloschen, er sah wieder ebenso bleich und abgespannt aus, wie vorhin. „Ich gehe in mein Zimmer, Erich. Willst Du mich später dort aufsuchen, mein guter Junge?"
„Wenn Du es wünschest, gewiß, Großvater."
„Ich rechne darauf."
Und dann ging der Achtzigjährige fort, die Treppen hinauf in sein eigenes Zimmer, so langsam, so schwerfällig, daß Erich mitfühlte, wie sauer es dem Alten wurde, immer Stufe nach Stufe zu erklimmen. Was hatte nur der Großvater? Irgend etwas quälte ihn. Das wußte Erich schon seit der Unterredung des letzten Abends.
Aber was nur, was? Es ließ sich so gar nichts denken.
Der einsame Mann grübelte und grübelte, ohne auch nur eine Vermuthung auffinden zu können- Gerade aus diesem Grunde freilich wurde das Unbekannte zum Gespenst, deffen Anblick Herzklopfen verursachte.
Erich sah auf die Uhr. „Bald Zwei!" Diese Nacht schien endlos.
Dann erklangen auf dem Flur leichte Schritte, Frau Steffen öffnete die Thür und ließ eine seltsam komische Erscheinung hereintreten, die kleine schlanke Frau Bürklin in den Kleidern, die für sie selbst, eine behäbige, rundliche Matrone, aus derben Wollenstoffen angefertigt waren. Ruths Gewänder hatten sich viel zu lang gezeigt, die der guten Frau Steffen hingen wie flatternde Beduinenburnuffe an der eleganten Erscheinung der jungen Wittwe, die jetzt mit ziemlich sicheren Schritten dem Gutsbesitzer entgegenging.
Ihr Gesicht war vom Blut gereinigt, das Haar aufgesteckt und die Wunde mit einem weißen Tuche verbunden. In den dunklen Augen blitzte ein seltsamer, dem Gutsherrn unverständlicher Triumph; er wußte nicht, was die nächsten Minuten ihm selbst und der Dame bringen würden.
Draußen hatte das Unwetter ausgetobt; man hörte von der Remise her einen Wagen langsam vorfahren.
„Wie befinden Sie sich jetzt, gnädige Frau?" fragte Erich. „Befehlen Sie, bitte, nach Wunsch über mich und mein Haus."
(Fortsetzung folgt-)
Jom Thee.
Von I. Tropp.
(Nachdruck verboten.)
Herr und Frau N. beehren sich, Herrn M. zu Thee und Abendbrod einzuladen. Wen überlief nicht schon ein gelindes Gruseln, wenn er beim Nachhausekommen eine solche Einladungskarte zu einem ästhetischen Thee vorfand. Wir Deutsche sind in Bezug auf das Essen etwas sehr materiell veranlagt, so häufig wie bei uns während des Tage» wird in keinem mir bekannten Lande gegessen, und zum Abendtisch verlangt der Magen eines Durchschnittsdeutschen etwas Substantiellers als Thee und dünne Butterschnitte. Dieser Umstand, zusammen mit den früheren hohen Preisen des Thees, hat es wohl bewirkt, daß der Thee- genuß in Deutschland so wenig allgemein ist.
So lange als China das Monopol der Produktion besaß, war der Preis sehr hoch, aber seit den dreißiger Jahren, als man den Theebaum in Assam wild wachsend fand, fing man in Britisch-Ostinßien die Theecultur an, und trägt dieselbe heute schon circa 40 Millionen Kilo zum Weltconsum bei. In Südamerika und Afrika scheint die Pflanze nicht recht zu gedeihen; man hat die Versuche ziemlich aufgegeben. Aber auf Ceylon befaßt man sich neuerdings sehr mit Anlage von Pflanzungen. Die Kräuselkrankheit des Kaffeebaumes hat dort solche Verbreitung genommen, daß es eine Frage der Zeit ist, und der vorzügliche Cey-onkaffee wird vom Markt verschwunden sein. Die Pflanzer suchten im Thee Ersatz und fanden ihn; die Ceylonthees sind gut-
Ueber den Consum in den Stammländern existirt keine Statistik; aber jedenfalls ist der Chinese der stärkste Theetrinker der Welt- Der Export aus den theeproduzirenden Ländern beträgt jährlich etwa 190 Millionen Kilo im Werthe von etwa 284 Millionen Mark. Wie man sieht, eine ganze respectable Summe, von welcher der größte Theil noch immer nach China wandert.
Von den Völkern westlicher Cultur sind die Australier die eifrigsten Theetrinker. Es kommen dort auf den Kopf der Bevölkerung etwa 3-/2 Kilo das Jahr. Ihnen zunächst, indessen bedeutend hinter ihnen stehen die Engländer mit 2,16 Kilo. Doch spielt die Theetaffe im englischen Leben eine große Rolle, und concurrirt sie vielfach erfolgreich mit dem Bterglase. Den nach Millionen zählenden Temperenzlern (Teatotallers — nur Theetrinker) ersetzt der Thee als Stimulans vollständig die geistigen Getränke; und wenn man, wie es im Lande Sitte ist, im Laufe des Abends auf ein Plauderstündchen bei einer Familie vorspricht, ist man sicher, eine Tasse Thee zu bekommen. Die Enthaltsamkeitsbestrebungen würden ohne den Thee bei weitem nicht die Erfolge haben. Für manche Berufsklaffen ist die Enthaltsamkeit von geistigen Getränken vorgeschrieben; so beschäftigen die meisten Bahngesellschaften nur Temperenzler (Teato- taller) als Lokomotivführer.
Rußland gilt gewöhnlich als Theeland, aber wenn wir die Consumziffer sehen, sind wir erstaunt. Es kommt nur V5 Kilo auf die Person. Es ist dies ein Zeichen, daß das Theetrtnken auf dem Lande nicht so sehr verbreitet ist. Der Muschik (ruffische Bauer) hat nicht immer baar Geld, und wenn er welches hat, legt er es lieber in Wodka (Schnaps) an. Der Städter trinkt fleißig und meist guten Thee. Ich freue mich jedesmal, nach einer guten Durchschüttelung im E-senbahncoup«, auf den Thee in der nächsten Bahnstation, welcher dort Tag und Nacht bereit steht. Bezeichnend ist der ruffische Ausdruck für Trinkgeld: na tschai (für Thee). Das Wort tschai stammt jedenfalls von dem chinesischen tscha, wie der Thee noch heute wie vor 1200 Jahren, als die Cultur und der Genuß desselben in China begann, dort genannt wird. Ursprünglich erhielten die Russen ihn direkt von den Chinesen auf Kameelkarawanen durcy die Mongolei; aber der Karawanenthee, welcher heute m Nischnei- Nowgorod verkauft wird, hat wohl meist feinen Weg über London dorthin gefunden. . „ . r. , . .
Eine eigentliche Art Thee ,st der in Nordasten bei den Baschkiren und Kirgisen übliche Zregelihee. Es sind dres Abfälle und Blätter geringer Qualität, welche geknetet und in Ziegelforrp gepreßt werden- Die mongolischen Völker genießen


