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Wer ist hier?'

Beruhigen Sie sich vollständig, gnädige Frau. Ich bin es, Erich Wolfram."

Er hatte secundenlang daran gedacht, seinen Arm zur rechten Zett zurückzuziehen, aber die Sache wäre lächerlich ge- wesen und so fügte er dann in gelassenstem Tone hinzu: Hoffentlich haben Sie keinen ernsteren Schaden erlitten."

Sie blieb immer noch die Antwort schuldig. Durch feine Stimme aus den letzten Nebeln der Ohnmacht jählings erweckt, rang sie nach Fassung. Es war Erich, an dessen Brust ihr Kopf gebettet lag, dessen Arm sie umfaßt hielt Erich!

Ein Traum das Ganze, eine Fieberphantasie.

Es konnte ja nimmer Wirklichkeit, nimmer anders als ein Wahn sein. v ,

Und sie schwieg pochenden Herzens. Vielleicht verscheuchte der erste Laut das beglückende Truggebilde.

Mein Kutscher sah Gottlob zur rechten Zeit, was g> schehen war," fuhr Wolfram fort.Er und ich suchten, bis wir so glücklich waren, Sie zu finden, gnädige Frau. Fühlen Sie sich jetzt leidlich wohl?"

Es rann kalt durch alle ihre Adern. Sein Kutscher! Und einen Augenblick hatte sie geglaubt, er fei ihr von Moldt aus absichtlich gefolgt.

Eine schnelle Bewegung, gewaltsam erkämpft, brachte sie aus dem Bereich seines Armes.Ich danke Ihnen, Herr Wolfram. Es geht schon besser."

Aber die Stimme klang matt wie ein Hauch, der Kopf der jungen Frau sank haltlos auf die Brust herab; sie hatte nur die nöthigsten Worte gesprochen, dann schienen ihre Kräfte völlig erschöpft. f

Du ist Dornau!" sagte aufathmend der Gutsbesitzer. Jetzt wird Ihnen bessere Hilfe zu Theil werden, gnädige Frau!"

Sie richtete sich auf wie electrisirt.Nicht nach Dornau!" bebte es über ihre Lippen.Bitte ich möchte so schnell als möglich nach Hause kommen-"

Erich hörte kaum, was sie sprach. Aus den Fenstern seines Großvaters schimmerte ihm noch in dieser Stunde ein Licht entgegen was bedeutete das?

Jetzt hielt die Equipage und Peter knallte tüchtig mit der Peitsche, um die Dienerschaft zu wecken. Erich sprang rasch zu Boden, dann klopfte er laut an die Hausthür, welche in­dessen in demselben Augenblick schon von innen geöffnet wurde. Auf der Schwelle stand der alte Herr Wolfram, dessen Gesicht in der hellen Beleuchtung einer Lampe noch bleicher und ver­fallener aussah, als sonst wohl.Guten Abend, mein alter Junge," sagte er in freundlichem Tone.Komm' herein, wir plaudern noch ein wenig zusammen "

Der Gutsbesitzer nickte hastig.Später", antwortete er. Später. Großvater, für den Augenblick habe ich keine Zeit. Frau Steffen muß sogleich geweckt werden, denn ich bringe eine Dame in das Haus. Es geschah mit einer Equipage unterwegs ein Unglück das Alles erzähle ich Dir nachher."

Und dann eilte er zu dem Wagen, um die junge Frau herauszuheken und in das Haus zu tragen. Sie wehrte ihm, aber er ließ sich nicht beirren, sondern legte sie auf das Sopha des nächsten schnell geöffneten Zimmers und brachte ihr vom Buffet ein Glas Wein, das zu trinken er sie beinahe zwang. Ihr geisterhaft blasses Gesicht hatte ihn zu sehr erschreckt-

Auch der alte Herr war näher getreten.Frau Bürklin! rief er im Tone des lebhaftesten Erstaunens.Mein Gott, Frau Bürklin!" , L

Da kommt die Haushälterin!" fchnitt ihm Erich das Wort in ziemlich summarischer Weise ab-Frau Steffen, Sie nehmen sich wohl dieser Dame ein wenig an, nicht wahr? Die gnädige Frau hat einen Unfall erlitten."

Die Haushälterin schlug ihre Hände zusammen.O mein Himmel! Blut! Und wie das Zeug aussteht!"

Anna erhob sich mit äußerster Anstrengung vom Sopha, sie streckte der gutmüthigen alten Frau beide Hände entgegen. Wollen Sie mir ein Kleid leihen, liebe Frau? Und ein Tuch? Ich möchte nach Hause!"

stürzten Wagen standen die Pferde schnaubend still, und Herr und Diener sprangen zu Boden, um nach der verunglückten Dame zu suchen-

Frau Bürklin!" rief mit lauter Stimme der Gutsbesitzer.

Frau Bürklin, geben Sie uns ein Zeichen!"

Aber nichts regte sich, es antworte kein Ton.

Ohnmächtig!" raunte Peter seinem Herrn in's Ohr, so vorsichtig und leise, als könne die Verunglückte jeden Laut hören.Oder vielleicht schon tobt!"

Das wolle Gott verhüten!"

Ein neuer Blitz zeigte jetzt den beiden Rettern aus nächster Nähe, daß das Pferd leblos am Boden lag und daß der Wagen gegen einen am Grabenrand stehenden Baumstamm geschleudert worden war- Von seiner unglücklichen Führerin ließ sich keine Spur entdecken.

Sie kann ertrunken sein," raunte Peter in demselben leisen, vorsichtigen Tone.

Wolfram schüttelte den Kopf-Das glaube ich nicht, mein Junge. Der Stoß ist offenbar ein sehr heftiger gewesen, die leichte, zarte Frau wurde also höchstwahrscheinlich auf die andere Seite des Grabens hinübergeschleudert."

Dann müssen wir hin, Herr."

Wolfram blieb die Antwort schuldig, aber er ging sogleich vorwärts, um eine in der Nähe befindliche schmale Stelle des Chausseegrabens zu erreichen und dort den Uebergang zu be­werkstelligen. Es war keine geringe Aufgabe, bei dem Toben des Unwetters einen Sprung auf durchweichtem Boden glück­lich auszuführen, aber dennoch gelang das Wagniß den beiden unerschrockenen Männern auf das Beste; sie kamen hinüber und schon nach wenigen Minuten war die Verunglückie gefunden.

Der Sturm hatte die Kapuze entführt und das reiche, schwarze Haar wild entfesselt. Auf der Stirn der bewußtlosen Frau zeigte sich eine rothe Spur, Blutstropfen drangen her­vor und unter dem Lockengeringel klaffte offen eine Wunde. Anna lag, vom Regen überfluthet, auf dem Gras und gab kein Lebenszeichen; ihr Gesicht sah aus wie das einer Leiche.

Peter," fragte seufzend der Gutsbesitzer,was fangen wir an?"

Ich weiß nur einen einzigen Ausweg, Herr."

Und der wäre?"

Wir tragen die arme Dame bis zu der Stelle, wo der Graben für das Vieh überbrückt ist, und dann zurück zum Wa^en."

Erich erstickte eine Verwünschung, die sich auf seine Sippen drängen wollte; er erfaßte die Ohnmächtige am Kopf und den Schultern, während Peter die Füße nahm, und so gingen Beide tapfer durch das nasse Gras bis an ein Heckenthor, das sich ohne Schlüssel öffnen ließ. Nach einer Viertelstunde war der Wagen auf der Landstraße wieder erreicht-

Lebt die arme Dame, Herr?" fragte der Kutscher.

Das mag der Himmel wissen. Kannst Du sie einen Augenblick ohne meinen Beistand halten, Peter?"

Das leichte Sing? Du lieber Gott, eine solche Feder."

Und der brave Peter reichte seinem Gebieter, nachdem dieser im Wagen Platz genommen hatte, die Ohnmächtige wie ein Wickelkmdchen hinein.Nun geht es doch nach Dornau, nicht wahr, Herr?"

Vorläufig ja. Aber vielleicht wirst Du später noch zur Stadt fahren müssen, Peter man weiß nicht, wie das Alles verläuft?

Und seufzend ergab sich Erich in das Schicksal, jetzt um die Ohnmächtige den Arm zu legen und ihren Kopf an feiner Schulter zu betten; es ging nicht anders, aber er hoffte heim­lich, daß doch dieser Zustand völliger Bewußtlosigkeit bis zur Ankunft auf Dornau andauern werde. Einmal dort angelangt, tonnte er die Sorge für seine Schutzbefohlene der alten Haus­hälterin überlassen und sich selbst gänzlich aus der Affaire ziehen.

Allein es sollte anders kommen. Das Rütteln des Wagens wirkte als Belebungsmittel; in Annas Körper kam eine leise Bewegung, sie tastete wie eine Blinde mit der Hand nach allen Seiten-