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1893

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Samstag, den 9. December.

Dunkele Mächte.

Novelle von H. v. Limpurg.

kFortsetzung.)

Es waren in der That nur etwa fünfzehn Personen, die zum folgenden Tage eine Einladung erhielten und zwar aus der nächsten Nachbarschaft, unter ihnen der Oberförster Fels mit seinem Sohnei Für letzteren hatte sein Vater abgesagt, da er am selbigen Vormittag verreisen wollte.

Therese, welche die Einladung und Absage vernommen, fühlte ein unerklärliches Bedürfniß, dem Geliebten noch ein letztes Lebewohl zuzurufen; sie kannte jene abgelegene Stelle des Parkes, an der die Landstraße vorbeiführte und, ohne auch nur einem Menschen zu sagen, wo sie hingehe, eilte sie hinaus. Der Fürst und ihr Vater politisirten beim Kaffee, die Gräfin schrieb Briefe, somit war die junge Dame frei und folgte jener dunklen Macht, die sie hinaustrieb zum letzten Liebesgruß. Sie wußte ziemlich genau, zu welcher Zeit der Wagen fahren mußte, um den Eisenbahnzug zu erreichen, der Arthur in die Residenz bringen sollte.

Mit pochendem Herzen, bleich wie eine Lilie, lauschte sie jedem Geräusche entgegen und ihre zitternden Lippen stammel­ten athemlos:Arthur, mein Arthur! Wie ist's denn möglich, daß ich Dich aufgeben mußte um jenes schrecklichen Mannes willen. Ich liebe Dich ja immerdar, treu und herzinniglich."

Ein dumpfes Stöhnen entrang sich dem unglücklichen Mädchen, aber sie raffte sich mit Ausbietung der letzten Kräfte zusammen, als jetzt Rädergeraffel sich hören ließ und gleich darauf der Wagen in Sicht kam. Da vergaß sie Alles um sich her, den Ring am Finger, den fremden, neugierigen Kut­scher auf dem Bock. Sie breitete jubelnd und schluchzend beide Arme aus und rief dem Geliebten entgegen, dessen ernstes, edles Antlitz sich aus dem Fenster bog:Arthur, mein Arthur, lebe wohl!"

Lebe wohl, Therese," klang es zurück und dann war Alles vorbei wie ein Traumgebilde! Halb ohnmächtig sank Therese zu Boden und rang die Hände in namenloser Qual, denn sie fand keine Thränen, ob auch das Schluchzen in ihrer Stimme vibrirte; der Alp sank schwer und eisig von Neuem auf ihre Brust.

Ein neues Leben," sagte sie endlich ganz kalt und ruhig und stand auf,ich muß suchen, damit fertig zu werden und mein Wort einlösen, dem Fürsten eine treue Gattin zu sein. Vorwärts, das Leben ist ja doch nur eine schwere Pflicht und

das Glück fliegt wie Wetterleuchten am Menschen vorbei. Es wird Zeit, an die Toilette zu denken."

Und dennoch, trotz dieser Vernunftsgründe, nahm Therese mit zitternder Hand ein Lindenblatt auf, das am Wege lag, um es wie ein Heiligthum der Erinnerung an diese Stunde aufzubewahren.

*

Das gab ein Lachen, Fragen, Glückwünschen im Schlosse, als die Gäste kamen. An der Seite der Mutter stand Gräfin Therese in hellrosafarbener duftiger Toilette, in den Händen ein kostbares Bouquet von ihrem Verlobten, und verneigte sich liebenswürdig nach allen Seiten; sie antwortete auf alle An­reden, dankte und plauderte wie jede wohlgeschulte Weltdame, aber sie kam sich selbst vor wie ein ausgezogener Automat, wie ein Mensch, dem das Schicksal mit eiserner Faust das Herz aus der Brust gerissen, um es ihr blutend vor die Füße zu werfen!

Der Fürst strahlte vor Glück, ebenso der Graf, nur die beiden gräflichen Damen, Mutter und Tochter, erschienen zu­weilen sehr ernst und manch' heimlicher Blick der Gäste flog prüfend über dieselben hin. Man ging zu Tische und der Fürst bot mit flammendem Auge seiner Braut den Arm.

Sie beneiden mich Alle um Dich, mein Lieb," flüsterte er ihr zu;nur schade, daß jener anmaßende Försterssohn nicht mehr da ist, der Dir neulich den Hof machte. Ihm gönnte ich die Ueberraschung, Dich als meine Braut zu sehen."

Die arme Therese zuckte zusammen, als sei ein Donnerkeil neben ihr zu Boden gefallen, aber sie beherrschte sich doch so weit, um dem Fürsten gar keine Antwort zu geben; sie ließ sich schweigend auf ihrem Platze nieder, aber keiner ihrer Blicke streifte auch nur den Verlobten. Welch' ein qualvoll lange« Diner war es für sie, das junge Mädchen meinte, es werde nie ein Ende nehmen und athmete endlich wie erlöst auf, als die Gräfin sich erhob.

Der Oberförster Fels trat jetzt zu der letzteren und begann irgend eine gleichgültige Unterhaltung, dann aber mit einem Male, als gerade Niemand in der Nähe war, frug er hastig: Wie ist denn diese rasche Verlobung zu Stande gekommen, Frau Gräfin? Als wir vorgestern Abend das Schloß verließen, habe ich meinem Sohne sehr ernst in's Gewissen geredet, aber wie ich damals fürchtete, niDlos. Wer von den beiden jungen Leuten hat zuerst entfagt?"'

Ich weiß es nicht," seufzte die Gräfin,nur das ist mir klar, daß mein Kind eine so tiefe Wunde im Herzen trägt, die weder Zeit noch Vernunftsgründe zu heilen vermögen. Sie erklärte nur auf jede Frage, daß sie freiwillig des Fürsten