Ausgabe 
9.5.1893
 
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so nimmt er bald de» kleinen Raum des Nestes für sich allein in Anspruch; er schnappt den Andern das Futter vor den Schnäbeln weg, er drängt sie aus dem Neste und sie müssen leider verhungern. Von einem Auffressen derselben kann also durchaus keine Rede sein und auch davon nicht, daß er sich im Herbste in einen Sperber wozu doch eine große Dumm­heit gehöre verwandele.

Es läßt sich also nicht leugnen, daß der Kuckuck durch die Vernichtung anderer Vogelbruten im Haushalte der Natur als schädlich erscheint. Allein bedenkt man seine oben geschil- derte, überaus wichtige Thätigkeit, bedenkt man ferner, daß ein einziger Kuckuck mehr und noch dazu viel schädlicheres Ungeziefer vertilgt, als sechs bis acht der kleineren Vögel zu­sammen, so muß man doch zugeben, daß der Schöpfer gleich­wohl auch hier eine weisliche Einrichtung getroffen hat, und die Menschen müssen den Kuckuck als einen höchst nützlichen Vogel erachten und ihm daher Schonung und Hegung zu Theil werden lassen.

Gießen, im Mai 1893. Curschmann.

GeineiirnLWses.

Wie Deine Nase ftische Luft in den Körper schaffen soll, so laß durch die Lungen der Wohnung das sind die geöffneten Fenster das LebenselementLuft" in reichlichen Strömen in Deine Zimmer fluthen- Es ist dies die einfachste und natürlichste Lufterneuerung Ventilation. Die hereingelassene Luft muß aber frisch und rein sein. Zum Waschen nimmst Du ja auch kein schmutziges Wasser.

Umtopfen und Arbeiten mit Erde überhaupt erzeugt rauhe Hände. Etwas Borax dem Waschwasser beige­setzt, beseitigt bald diese Erscheinung.

Orchideen. Nach dem Verpflanzen müssen sämmtliche Orchideen mit großer Vorsicht begossen und behandelt werden. Sobald sie jedoch anfangen, frische Wurzeln zu machen, braucht man nicht mehr so ängstlich zu sein und kann mit der Ent­wicklung des jungen Triebes die Feuchtigkeit bedeutend ge­steigert werden.

Frisch eingelegte Knollen von Begonien, Gloxinien, Canna soll man nicht sofort angießen, man darf sie überhaupt erst wenn sie treiben nach und nach anfeuchten, denn sie ge- brauchen kein Wasser, bevor sie Triebe haben. Es wird durch Trockenhalten dem Verfaulen der Knollen am besten vorgebeugt.

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Anstrich für Gartenbänke. Man nimmt gereinigten Graphit, Kautschuck und Schellack, verbindet die Stoffe mit etwas Bleizucker und reibt die Maffe schließlich mit Lein- und Terpentinöl zusammen. Dieser Anstrich bewährt sich gegen alle Wttterungseinflüsse und ist besonders wegen seiner langen Dauerhaftigkeit sehr beachtungswerth.

Ernaillirtes Kochgeschirr wieder hell zu machen, ohne daß die Glasur darunter leidet. Man thut für etwa drei Pfennige Pottasche und ebensoviel Chlorkalk zusammen in den dunkel gewordenen Topf, gießt drei Liter Wasser hinzu und stellt dm Topf eine Zeit lang an einen warmen Ort. Das Geschirr wird wieder klar und rein.

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Ein vorzügliches Räucherungsmittel in Kran­kenzimmern ist gemahlener Kaffee, von dem man einige Messerspitzen voll auf Kohlen wirft. Gemahlener Kaffee wird auch mit Vortheil zur Conservirung von Wildpret und anderem Fleisch angewendet, indem man dasselbe damit bestreut.

Vermischtes.

Das europäische Weib, seine Tugenden und Fehler, bespricht der bekannte Florentiner Gelehrte Paolo Mantegazza in einem Feuilleton derF. Z." Zwei Faktoren sind nach Mantegazzas Ansicht hauptsächlich geeignet, auf den ethischen Character der Frau Einfluß zu nehmen: die Religion und die größere oder geringere Freiheit, die dem Weibe gewährt wird. Die prostetantische Familie ist ein günstigerer Boden sür die normale und gesunde Entwickelung der weiblichen Individualität, als die katholische, und größere Freiheit des Weibes verbürgt größere Tugendsicherheit. Die Palme der Schönheit gebührt nach Mantegazza der Spanierin. Sie ist herrlich schön, berauschend schön. Sie hat sehr kleine Hände und Füße, große Augen, wie die geöffneten Fenster eines Palastes aus parischem, sonnengebräuntem Marmor, blendende Körperformen voll Reiz und Leben, schwarzes, langes, üppiges Kopfhaar. Im übrigen religiös, sehr unwissend, sehr eifersichtig, empfindlich, nachlässig und stolz. Das italienische Weib ist von mancherlei Typus. Sinnlich geschmeidig, mit keltischer Nase in der Lom­bardei, tizianischblond, und marmorbleich in Venedig, majestätisch und marmorn in Rom, sehr griechisch in Neapel und Palermo so bietet es alle Schönheiten der europäischen Erde. Es ist kunstsinnig, leidenschaftlich, bescheiden, aber unwissend und wenig treu. Die Deutsche ist wenig graziös, aber kräftig und widerstandsfähig gegen die Einwirkung der Zeit und der Gefühle. Blond, blauäugig, mit weißer Gesichtsfarbe, besser zur Gattin als zur Geliebten tauglich, mehr Frau als Weib, naiv, gutmnthig, fleißig, eine vortreffliche Hausfrau und Mutter, bedeutend gebildeter, als alle übrigen europäischen Frauen. Die Engländerin ist die Schönheit selbst in allen ihren Haltungen und Bewegungen und ihrer ganzen Allmacht. Ihr Haar zeigt den Schimmer des Goldes; sie hat himmlische Augen, Pfirsichtetnt, eine edelgeformte Nase, vollkommen schöne Zähne. Sie ist zurückhaltend, ein bischen hypochondrisch, aber thätig, keusch; Sklavin der Etikette. Die Russin ist ein orienta­lisches, zu früh nach Europa verpflanztes Weib; sie vereinigt in sich die furchtbar verführerischen Reize des wilden und de» civilisirten Weibes. Die Französin ist Katze und Schlange, Palme und Veilchen, voll Grazie, auch wenn sie nicht schön ist, stet» dreifach Weib und dreifach entzückend; die kleine imper­tinente Nase, die zarten Körperlinien, der wunderschöne Mund machen sie zur anbetungswürdigen, t>egehren»werthen Verführerin. Sie ist liebenswürdig, unübertrefflich kokett, zumeist untreu-

Das Marterl. Auf dem Felde des Schwarzwald­bauern Hannesle steht ein Marterl, das heißt ein Kreuz, das zum Gedächtniß an ein Unglück, welches sich auf der Stelle zutrug, errichtet worden ist.No", fragt der Jacob den Hannesle,für wen häsch denn des Krizli mache Io?" Des ifch für mei Weib."Dei Weib lebt ja noch!" Aber do Han i fe kenne g'lernt-",

Blafirt.Du willst Dich scheiden lassen, Emma?" 3a."Warum denn?"Nun, es ist nachgerade lang­weilig, immer denselben Namen zu schreiben."

Ach so.Sieh' doch dieses Schlachtroß."Was, der dürre Klepper ein Schlachtroß?"Nun ja, ein Roß zum Schlachten."

Ja so!Du, Ede, ich koofe mir jetzt 'n Pferd!" Du? Hast ja keen Geld! Wie koofste Dir denn bet?" Na, pfundweise I" 1

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Je nachdem. Herr:Na, Johann, Du stehts ja hier so lange, Du hast gewiß recht großen Durst?" Johann: Das kommt ganz auf Sie an, Herr."

Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.