Ausgabe 
9.3.1893
 
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Maue Augen.

Blaue Augen, holde Sterne, Glänzt so lieblich und so mild; Reinster Spiegel der Gefühle, Oft von tiefem Weh' erfüllt!

Blaue Augen, wenn sie lächeln, Machen sie die Welt so schön, Möchten immer, ohne Ende, In die lieben Augen sehn!

Blaue Augen, streuen Blumen In das Leben immerdar, Fesseln oft für alle Zeiten Herz an Herz so wunderbar.

Blaue Augen, wie beherrschen Sie so manchen jungen Mann, Wie ein Frühlingshimmel lächeln Ihn die holden Augen an!--

An der Pforte lauscht der Knabe, Blickt zum Fensterl still empor, Wo die blauen Augen wohnen, Die sein Herz sich auserkor.

Und er hofft und harret lange, Manche Stunde eilt dahin; Fühlt sein Herz so heftig pochen, Aufgeregt den ernsten Sinn!

Und er schreitet düster weiter, Einmal noch blickt er zurück Nach den lieben blauen Augen, Dem erträumten Lebensglück I

Wieder schaut er in die Ferne, Liebe hält sein Herz geschwellt, Doch das Fensterl bleibt geschloffen Und der dunkle Vorhang fällt.--

Und die Freuden sind verklungen, Seine Sonnen sind verglüht, Und der Hoffnung junge Rosen Sind verweht und abgeblüht I

Was ist endlich ihm geblieben

Von den sel'gen Tändelei'«? Was so süß die Lippen flüstern, Ist oft Trug und leerer Schein!

Traue nie den schönen Augen, Die so schelmisch nach dir schau'n, Kannst den süßen Schmeicheleien Selten in der Welt vertrau'«!

Th. Loos.

Genreinnütziges.

Krautwürstchen. Die halbirten Krautköpfe werden in Salzwaffer gekocht, dann abgekühlt, die großen Blätter ge­wickelt und fest ausgedrückt. Dann wird Speck in kleine Würfel geschnitten, in der Pfanne zergehen lasten und Zwiebel in dem­selben geschwitzt, die Würstchen eines neben das andere hinein­gelegt, Pfeffer und Salz nebst Fleischbrühe darüber und zuge­deckt weich dämpfen laste«.

Die Balsamine als Fensterpflanze. Will man die Balsamine in Töpfen ziehen, so thut man am Besten, wenn man verschiedene Aussaaten macht; die eine im März oder April für den Sommer- und Herbstflor, die anderen gegen Ende Mai oder im Juni zum späten Herbst- und Winterflor. Die Balsamine liebt eine nahrhafte Erde, Wärme und reich­liches Gießen; nur gieße man nicht, wenn die Erde in den Töpfen noch feucht oder naß genug ist. Zur Zeit, wo sich die Pflanze zum Blühen anschickt, ist ein flüssiger Düngerguß von Zeit zu Zeit wohl angebracht. Die schönsten Balsaminen sind die Rosen- und Kamelien-Balsaminen.

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Erbsensuppe mit Schweinsohren und Schweins­rüssel. V4 Liter Erbsen wird mit einer zerschnittenen Möhre und etwas Sellerie in Master weichgekocht und durch ein Sieb gestrichen; währenddem hat man auch gepökelte Schweinsohren oder einen gepökelten Schweinsrüssel in reichlichem Master weich gekocht, worauf man sie erkalten läßt. Die Erbsen werden mit der Schweinsbrühe oder anderer Fleischbrühe verdünnt, worauf man die Suppe mit einer hellbräunlichen Mehlschwitze seimig kocht und über den in feine Streifen zerschnittenen Schweinsohren oder dem Schweinsrüffel nebst gerösteten Sem­melwürfeln anrichtet.

Der Rutz, namentlich von Holzfeuerung, ist ein vor­zügliches Düngemittel für Rosen. Man überbrüht den Ruß mit siedendem Master, womit, wenn es erkaltet ist, die Rosen be­gossen werden.

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Leber-Knödel. Reibe für 20 Pfg. Leber fein, 6 Semmel eingeweicht mit 4 Eiern abgerührt, Petersilie, Zwiebel gewiegt, Pfeffer und Salz dazu gethan; ist die Masse zu fest, thue noch ein Ei hinein, mache kleine Klöße und koche sie in Salzwaffer, dann erst in Fleischbrühe aufgetragen.

Vermischtes.

Unangenehmes Zusammentreffen. Gatte:Ist es denkbar, Karoline, nun haben wir die Köchin kaum vierzehn Tage und Du willst sie schon wieder fortschicken?!" Gattin: Ja, es geht nicht mit ihr; Alles, was ich nicht kochen kann, kann sie auch nicht!"

Goldfische. . . . Haben Sie aber Ansichten, Herr Goldheimer . . ." Also, wenn ein anständiger junger Mensch einer ihrer Töchter wirklich von ganzem Herzen zugethan wäre . .Aber erlauben Sie mir, meine Töchter haben es

nicht nöthig, aus Liebe geheirathet^zu werden!"

Auf der Secundärbahn. Beamter (zum Zugführer eines mit großer Verspätung ankommenden Personenzugs): Wo habt Ihr Euch denn wieder so verspätet?" Zug­führer :Ja wir richten uns nicht mehr nach Stunde und Minute, sondern halten uns nur an das Datum!" »

Sicherer Beweis.Zehn Briefe sende ich ihr nun schon unfrancirt, und alle hat sie angenommen! Kein Zweifel mehr, sie liebt mich!"

Markt-Humor. Obstlerin:Sie Fräuleinchen!" Aeltliches Fräulein (sehr geschmeichelt):Weßhalb nennen Sie mich denn Fräulein? Sehe ich so aus?" Obstlerin:Na, ja, für eine junge Frau sind Sie halt doch schon zu alt I"

Bei der Abreise.Nun will ich Ihnen einen guten Rath geben, Herr Wirth! Sie haben Ihr Hotel zur Stadt London genannt taufen Sie es um und nennen Sie es zur Stadt Wanzleben!"

Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gietzeu.