Ausgabe 
9.2.1893
 
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Gemeinnütziges.

Gegen Katarrhe. In der winterlichen Zeit mit ihren trockenen Frosttagen und eisigen Nord« und Ostwinden, wie auch mit den feuchtkalten Thauwinden aus Süden und Westen mit dem oft schnellen Wechsel der Uebergangrtage und den dabei häufig eintretenden Erkältungen und Katarrhen muß allen Ernstes immer wieder auf eine ganz einfache, leichte Manipulation hingewiesen werden, welche einen Schnupfen kaum aufkommen läßt und selbst einen Halrkatarrh mit seinen mancherlei bösen Folgen noch zurückhalten kann, wenn die An­wendung rechtzeitig genug erfolgt. Diese einfache und nicht» kostende Manipulation besteht darin, daß man Waffer au» einem Glase durch die Nase zieht und nachher wiederum durch Gurgeln den gelösten Schleim, der im Munde sich gesammelt hat, entfernt. Niemand sollte, ob klein oder groß, seine Toilette für beendet betrachten, bevor er sich dieser kleinen Mühe unter­zogen hat. Für gewöhnlich benutzt man in gesunden Tagen kaltes Wasser dazu. Nur wenn dieses durchaus nicht vertragen wird, oder wenn wirkliche Erkältungszustände und entzündliche Reize und Anschwellungen vorhanden sind, ist dies Verfahren mit lauwarmem Wasser vorzunehmen und im Laufe des Tages öfter» zu wiederholen. Gar manche sich vorbereitende An­steckung mit schweren Erkrankungen kann durch diese kleine Mühewaltung beseitigt und verhütet werden. Jeden Tag sollte da» Morgenrezept lauten: Aufstehen, ankleiden, Wasser durch die Nase ziehen, gurgeln, waschen, kämmen, Kaffee trinken- Nach einiger Gewöhnung wird e» einem zum Bedürfniß, so daß man e» nicht wieder aufgeben kann.

Das Treiben der Blumenzwiebeln im Zimmer. Die im October gepflanzten Treibzwiebeln dürfen jetzt warm gestellt werden. Man bringe die allmählich an höhere Wärme gewöhnten Zwiebeln auf das Fensterbrett des Wohnzimmers. Gießt man hier die Töpfe stets derart mit erwärmtem Wasser, daß die Erde immer gleichmäßig feucht, aber nicht naß ist, schützt man sie ferner vor Zugluft und starke Wärmeschwank' ungen, so werden sich die Blumen rasch entwickeln. In der Wärme des Wohnzimmers gelangen alle stützen Hyacinthen und Tulpen, dann auch die niedlichen Scillas und die treib­baren Narzissen, Tazetten und Jonquillen zur Entwickelung. Die übrigen Treibzwiebeln, namentlich Krokus, Schneeglöckchen, Schachblumen, Muskat-Hyacinthen u. a. sollten im Zimmer nicht vor Mitte Januar und nur bei einer Temparatur von 6-8° R. getrieben werden; sie entwickeln sich dann unter Einwirkung der Wintersonne meist schon in wenigen Tagen, während sie bei höherer Wärme vom Ungeziffer befallen werden und verderben. Die Hyacinthen auf Gläsern vertragen kein eigentliches Treibverfahren; man bringt sie, nachdem sie die Zwiebeln ordentlich bewurzelt und eine etwa 12 Centimeter lange Spitze getrieben haben, von ihrem bisherigen dunklen und kühlen Standort am besten zwischen die Doppelfenster des Wohnzimmers. Bei Frost öffne man über Nacht die inneren Fensterflügel etwa» oder bringe die Gläser ganz in's Zimmer. Obwohl nicht warm gehaltene Hyacinthen mehrere Kältegrade ertragen, ist doch die oben geschilderte Vorsichtsmaßregel ge­boten, denn die Gläser platzen, falls das Wasser in ihnen ge­friert. Auf Gläsern zwischen Doppelfenstern gepflegte Hya­cinthen blühen in der Regel im März und April.

Vermischtes.

Eine alte, aber wahre Geschichte. Das Gleich, niß ist von jeher ein wirksame» Mittel gewesen, um allgemeine Wahrheiten nachdrücklich zur Erkenntntß und Geltung zu bringen. Eine solche Wahrheit ist z. B., daß die Kindererziehung nur dann ersprießlich sein kann, wenn Vater und Mutter an einem

Strange ziehen. Hören wir nun, was hierüber da» Gleichniß sagt: Ein Mann hatte einen kleinen Garten mit seiner Frau umgegraben und bestellt. Ein Beet ist noch leer; da säet er heimlich, um seiner Frau eine Freude zu machen, Salat darauf. Den andern Tag denkt seine Frau an da» leere Beet und steckt, um ihrerseits dem Manne eine Freude zu machen, Bohnen darauf. Jeden Tag nun gehen Mann und Frau heimlich zu dem Beete, um zu jäten, ohne von der Aussaat der andern Ehehälfte Kenntniß zu haben. Die Frau hält den Salat für Unkraut, der Mann die Bohnen, auf diese Weise erhält der Mann keinen Salat und die Frau keine Bohnen. So ist der Erfolg der Kindererziehung, wenn die Mutter erlaubt, was der Vater verbietet, und der Vater ausreißt, was die Mutter gepflanzt hat.

Der Klapperstorch und die Sonntagsruhe. Clara, das Töchterchen eines Kaufmanns, der sich wiederholt im häuslichen Kreise über die Sonntagsruhe geäußert hat, ist zugegen, als er der Mama aus der Zeitung den Roman vor» liest.Was ist denn das, ein Sonntagskind?" unterbricht die Kleine den Papa.Ein Kind, das gerade an einem Sonn­tag vom Storch gebracht worden ist," belehrt der Vater- So! Dann gibt es also jetzt keine mehr?"Warum denn nicht?"Nun, weil wir doch jetzt die Sonntagsruhe haben und der Storch da keine Kinder bringen darf," entgegnete Clärchen gewichtig und wendet sich wieder ihren Puppen zu.

Vorsicht.Heut' hab' ich aufg'sagt die Lauferei wird mir zu viel; alle Tage zwölf Glas Bier holen und jede» in einem anderen RestaurantI"Warum denn das?" Die Frau will's so, weil sie fürchtet, wenn ich'» in einem Restaurant hol', so sagen die Leut': Der Herr trinkt!"

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Vom Lande. Bauer (zu einem Herrn): -Ja, wissen Se, wir Bauern hier theilen uns in zwei Klassen, in solche, die nix haben und in solche, die gar nix haben."

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Natürlicher Grund. Fremder:Ihr Dorfschulze sieht aber sehr angegriffen aus, der ist wohl krank gewesen?" Bauer:Ach nein! Aber der arme Mensch hat in den letzten Wochen so häufig seinen Namen schreiben müssen!"

Abgeführt. Erste Frau:Mein Mann ist das Muster eines Ehegatten; er hält mir Pferd und Wagen!" Zweite Frau:Das hat meiner nicht nöthig, der trägt mich auf den Händen I'

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Unterwegs.Ich benütze grundsätzlich keinen Personen­zug, ich benütze nur durchgehende Züge!"Ach, Sie sind wohl Cassirer!"

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Zu viel verlangt Jagdgast (dem eben beim Treiben ein paar große Schrote in bedenklicher Nähe um den Kopf pfeifen, wüthend zu dem unvorsichtigen Schützen):Zum Teufel, Herr, denken Sie denn, ich sei mitten im Winter in einer Hagelversicherung?"

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Was er fühlte. Der Herr Pfarrer setzt einem bösen Buben den Kops zurecht. Als er fertig ist, fragt er den Sün­der:Nun sag' mir einmal, was hast Du denn bei meinen Worten gefühlt?"Daß daß mt der Herr Pfarrer all'weil in'» Gesicht gespuckt haben!"

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X Falsch verstanden. Hausfrau (zu ihrem neuen Dienst­mädchen vom Lande):Rest, mein Mann ist nicht wohl legen Sie ihm heute Abend eine Flasche in's Bett!" Resi: Weißwein oder Rothwein?"

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Neugierig. A.:Sag' mal, lieber Freund, ist Deine Frau neugierig?" B.:Die? - Die ist überhaupt blos aus Neugierde auf die Welt gekommen!"

Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'fchen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gietzcn.