Ausgabe 
9.2.1893
 
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in Cäclliens Zimmer und streifte die Handschuhe an ihre Finger.

Hast Du noch irgend einen Auftrag für mich, CM?"

Die Baronin führte das Taschentuch an ihre Lippen. Willst Du meine Pulver in der Apotheke erneuern laffen, Ruth? Oder soll ich den Diener schicken?"

Cäciliens durchsichtige weiße Finger reichten ihr das Blatt. Bleib" nicht so lange fort, mein Liebling/' bat sie mit un­sicherer Stimme.

Fühlst Du Dich denn so schwach, CM? Soll ich lieber für heute den Wagen wieder abbestellen?"

Rein, nein, geh' nur. Wie hübsch Du bist, Ruth, wie ganz geschaffen, einen Mann zu beglücken. Vielleicht heirathest Du bald."

Ein jähes Roth färbte das liebliche Gesicht des jungen Mädchens.Ich sollte heirathen, CM? Niemals, deffen sei sicher."

Das weißt Du nicht, Kind. Gott schenke Dir tausend­fältigen Segen."

Ruth beugte sich liebevoll über ihre kranke Schwester. Du bist so geändert, so sonderbar, Cilli. Soll ich nicht lieber den Arzt herausschicken?"

Die Baronin schüttelte beinahe heftig den Kopf.Nein, auf keinen Fall, Liebe. Du irrst, vollständig; ich bin nicht kränker als gewöhnlich."

Dann Adieu, bis ich wiederkomme. Schlafe, Cilli, Deine Pulver bringe ich Dir mit!"

Adieu! Adieu!"

Ruth verließ das Zimmer und die Baronin lag regungs­los mit gefalteten Händen auf dem Bette. Der Schnee knirschte unter dem Druck der Wagenräder; -jetzt verhallte das letzte Geräusch und nun war es ganz erstorben. Die weit offenen Augen der jungen Frau sahen ziellos in's Leere.

Eine leise, vorsichtige Hand öffnete die Thür, Adele setzte sich mit einer Stickerei an das Fenster.

Soll ich vorlesen, gnädige Frau?"

Cäcilie schauerte wie im Fiebersrost.Haben Sie die Bibel, liebe Adele?'

Die Gesellschafterin blickte plötzlich auf.Verzeihung, gnädige Frau ich verstand nicht!"

Haben Sie die Bibel?"

Das war in einem etwas bestimmten Tone gesprochen; es schien jede Widerrede von vornherein abschneiden zu wollen. Mit spitzen Fingern erfaßte Adele das heilige Buch und legte es vor sich auf den Tisch.

Welches Kapitel, gnädige Frau?"

Lesen Sie den hundertdreiundvierzigsten Psalm."

Dann schloß Cäcilie die Augen, ihre Hände lagen leicht gefaltet auf der Decke.

Herr, erhöre mein Gebet, vernimm mein Flehen um Deiner Wahrheit willen, erhöre mich um Deiner Gerechtigkeit willen. Und gehe nicht in's Gericht mit Deinem Knechte, denn vor Dir ist kein Lebender gerecht. Denn der Feind verfolgt meine Seele und schlägt mein Leben zu Boden, er legt mich in das Finstere, wie die Toden in der Welt. Und mein Geist ist in mir geängstigt und mein Herz in mir verzehrt."

Adele schob das Buch von sich; ihr Gesicht war verändert, aschbleich. Solche Dinge an einem Novembertag, wenn der Wind den Schnee gegen die Fenster wirft und kein Geräusch bis zu uns dringt, wenn Alles in der Natur an den Tod erinnert!

Cäcilie lächelte traurig.Fürchten Sie den Tod, Adele?"

Wer fürchtet ihn nicht, gnädige Frau? Es sind unbekannle Schrecken, die sein Name in unsere Seele trägt."

Der Tod ist ein Freund, ein Erlöser," sagte kaum ver­ständlich die Baronin.Gerade das Leben birgt die Schrecken."

Soll ich weiter lesen, gnädige Frau?"

Noch die nächsten Verse nur wenig."

Ich breite meine Hände aus zu Dir, meine Seele dürstet nach Dir wie ein dürres Land. Herr, erhöre mich bald, mein Geist vergeht, verbirg Dein Antlitz nicht vor mir"

Adele sprang auf, ein Schluchzen ihrer Gebieterin ließ

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sie plötzlich verstummen; das heilige Buch flog unsanft in eine Ecke.

Weinen Sie nicht, gnädige Frau! Das kommt von diesen schaurigen, immer an Sünde und Strafe erinnernden Worten. Soll ich Ihnen etwas vorspielen oder einen Roman lesen? Es sind neue Sachen da!"

Cäcllie schüttelte den Kopf.Nein, Adele, nein. O, ich bin todestraurig, auf mein Haupt ist ein vernichtender Schlag gefallen."

Gnädige Frau, Sie sprechen im Fieber."

Die Baronin hielt mit ihren beiden heißen Händen die Rechte des jungen Mädchens umklammert.Weshalb sollte ich es Ihnen verschweigen, Adele? Das Alles wird ja so bald schon offenkundig werden! Mein alter Onkel hat mich enterbt, Ruth bekommt das ganze Vermögen."

Ruth?"

Die Gesellschafterin fchrie es fast; ein Blitz des ungemefsen- sten Haffes sprühte aus den schwarzen Augen hervor.Das ist eitt Verbrechen, gnädige Frau, eine Abscheulichkeit ohne Gleichen."

Cäcilie ließ den Kopf schwer auf das Kiffen zurücksinken. Ich weiß es nicht," sagte sie seufzend,vielleicht war die Ab­sicht gut; der sterbende Mann glaubte das Rechte zu thun. Aber ich bin schwer, unendlich schwer betroffen worden. Es ist mir, als sei der Platz, den ich hier im Hause einnehme, erschlichen; ich Unglückliche, die nichts besitzt, nichts auf der Welt, um damit die Liebe des Barons zu gewinnen, zu erhal­ten, die nur Mitleid erregen kann, aber keine Zärtlichkeit!"

Und als die Gesellschafterin schwieg, setzte sie hinzu:Ich habe meinem Manne kein Kind geschenkt, sein Name stirbt aus um meinetwillen, ich war seit dem ersten Jahre unserer Ehe krank, ihm eine Last, ein Hemmniß überall. Jetzt wird ihm auch das Vermögen, welches mir gehören sollte, von der frem­den Willkür entzogen. Das ist der letzte, schwerste Schlag."

Adele schauderte.Wie kalt es ist!" flüsterte sie unwill­kürlich.

Das macht die Aufregung. Mir ist, als hätte ich Eis in den Adern. O, Adele, Adele wenn ich ruhiger werden könnte."

Fräulein Aßmann hat kein Herz," sagte die Gesellschaf­terin.Sie kann scherzen und lachen, ihre Blicke glänzten heute Morgen vor Freude."

Weil sie auf alles Geld freiwillig verzichtet. Der Baron soll ganz so über die Erbschaft verfügen, als sei diese ihm persönlich zugefallen meine Schwester denkt gewiß an sich selbst immer zuletzt."

Adele biß sich auf die Lippen.Dann ist ja Alles gut," sagte sie in verändertem, hartem Tone.

Alles!" klang es wie ein Hauch aus den Kiffen hervor. Nur die schreckliche Unruhe, die Fürcht ich kann sie noch nicht beherrschen."

Die Gesellschafterin ließ den Fenstervorhavg herab und entzündete eine Lampe.Soll ich lesen, gnädige Frau?"

Heute nicht, Adele. Laffen Sie mich für eine Stunde allein mir ist das Herz unsagbar schwer. Ich möchte schlafen."

Ohne ein Wort verließ die Gesellschafterin das Zimmer, dem leisesten Winke gehorchend, schattengleich wie immer. Auf ihrem blaffen Gesichte lag der Ausdruck eines leidenschaftlichen, nicht zu verbergenden Haffes.

Als sich die Thür hinter ihr geschloffen hatte, erhob sich die Baronin, warf ein großes Tuch um ihre Schultern und ging mühsamen Schrittes zum Schreibtisch. Hier, im hellen Licht der Lampe, erschien ihr Antlitz wie von Perlmutter, bläu­lich weiß, ohne einen Hauch von lebendiger, frischer Farbe.

Sie schrieb lange und nahm dann den Brief mit sich in ihr Schlafzimmer. Die Jungfer wurde an diesem Abend nicht gerufen. Cäcilie machte ihre Nachttoilette ohne Hilfe und blieb allein, bis Ruth aus der Stadt zurückkam; dann ertönte erst die Klingel.

Ich laffe Fräulein Aßmann bitten."

(Fortsetzung folgt.)