Ausgabe 
8.8.1893
 
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Von besonderer Wichtigkeit ist es, die Augen der Kinder sorgfältig zu überwachen, wenn diese beginnen, ihre Augen zu einer regelmäßigen Beschäftigung zu gebrauchen. Die Kurz­sichtigkeit (Myopia), welche in neuerer Zeit viel allgemeiner verbreitet ist als früher, hat zwar oft genug in dem ange­borenen myopischen Bau des Auges ihren Grund; öfter aber ist dieselbe erworben, oder es bildet sich ein niederer Grad in Folge unzweckmäßigen Gebrauchs des Sehorgans zu einem höheren aus, wozu sich ost S ch w a ch s t ch t i g k e i t (Amblyopia) hinzu gesellt. Hier ist besonders in den Jahren des Schul­besuches große Aufmerksamkeit auf Schädigungen sowohl in der Schule als im Hause zu verwenden. Bei Wahl des Berufes sollte bet Neigung zu Augenschwäche stets der Rath eines erfahrenen Special-Augenarztes eingeholt werden. Denn es kann wohl ein Auge im Freien vollkommen seine Dienste thun, während es völligem Ruin entgegengeht, wenn es zu feinen Arbeiten (Gravirarbeit, Uhrmacherkunst) verwendet werden füllte. Kurzsichtige, welche die gehörige Ausdauer und Schärfe des Gesichts besitzen, können dagegen einen Beruf wählen, der ein längeres und angestrengtes Sehen in der Nähe erfordert, wenn sie nur die Augen angemeffen ausruhen lasien können, wie es nach jeder angestrengten Thätigkeit der Augen bei be­ginnender Ermüdung erforderlich ist. Ein Knabe, dessen Auge nach öfteren Augenentzündungen dauernd reizbar ist, darf keinen Beruf wählen, bei dem dis Augen starker Hitze oder grellem Feuer oder scharfen Ausdünstungen oder Staub und Rauch rc. ausgesetzt werden müßten. Für Mädchen gelten ähnliche Regeln: feine Arbeiten, Sticken, Wetßzeugnähen rc. passen nur für ganz gesunde und ausdauernde Augen, abgesehen von den sonstigen Nachtheilen einer anhaltenden sitzenden Lebensweise. Die Zeit der Geschlechtsentwickelung, zu welcher bei beiden Geschlechtern eine vermehrte Anlage zu Entzündungszuständen der Augen vorhanden ist, erheischt eine besonders sorgfältige Ueberwachung von Seiten der Eltern und Erzieher.

Im reiferen Alter ist das Auge zahlreichen Störungen und Leiden ausgesetzt, welche durch die Berufsbeschäftigung bedingt werden- Damit die äußersten Anstrengungen von einem sonst gesunden Auge ertragen werden, ist vor Allem hinreichen­des Licht und richtige Beleuchtung erforderlich. Die Netzhaut gewöhnt sich wohl allmählich an geringe Lichtstärke und lernt selbst im Halbdunkel noch feine Gegenstände genau erkennen; ja, ihre Empfindlichkeit nimmt bei abnehmendem Licht sogar noch zu. Aber gerade deshalb wird ein Auge, welches lange das Tageslicht entbehren mußte, so empfindlich, daß schon mäßiges Licht dasselbe blendet. Ueberhaupt ist jeder rasche Wechsel von sehr verschiedenen Helligkeitsgraden nachthetlig, und das Auge gewöhnt sich nie daran. Es ist schädlich, zu lesen oder zu schreiben rc-, während die Sonne das Papier bescheint. Auch das Licht des Vollmondes, Feuer der Hoch­öfen, elektrisches Bogenlicht können die Augen bei längerer Einwirkung schwächen. Sehr intensives Lampenlicht ist durch matte Glocken zu dämpfen und andererseits zu schwaches Abend­licht beim Lesen zu vermeiden. Nachtheilig wirkt auch das Licht, welches von Hellen Wänden, glatten Gegenständen oder beschneiten Flächen zurückgeworfen wird. Je gleichmäßiger die Verkeilung des Lichtes, desto wohlthätiger ist es dem Auge, und darum ist uns auch das diffuse Licht der Sonne, das Tageslicht, am wohlthuendsten.

BeikünstlichemLicht kann nicht allein die Lichtstärke, sondern auch die Farbe des Lichtes das Auge reizen und in einen Zustand der Erregung versetzen. Das vorwiegend gelbe und rothe Strahlen enthaltende Lampenlicht greift die Augen mehr an als Tageslicht, läßt Farben anders als bei diesem erscheinen und macht die Verarbeitung farbiger Stoffe schäd­lich, die offen brennenden Lichter, Kerzen und Gasflammen geben eine unruhige Beleuchtung; am besten eignen sich Oel- und besonders Petroleumlampen. Der Fuß der Lampen sollte stets dunkel gefäröt sein, damit nicht falsches Licht in die Augen falle. Falsches Licht nennt man dasjenige, welches, wenn das Auge aus einen Gegenstand gerichtet ist, gleichzeitig

von anderen Punkten aus die Netzhaut trifft. Ferner strenge man die Augen nicht gleich nach Tisch an, gehe öfters in's Freie und laste den Blick in die Ferne schweifen, um die Spannung der inneren Augenmuskeln aufzuheben und das Accommodationsvermögen für ferne Gesichtsobjecte zu üben. Fleißiges Auswaschen der Augen mehrmals des Tages ist sehr rathsam, besonders bei unreiner Luft, nur soll es nicht Morgens früh gleich nach dem Erwachen und nicht mit ganz kaltem Master geschehen.

Kommen größere Partikelchen mit dem Staub oder über­haupt ein fremder Körper in die Augen, so reibe man nicht an denselben, sondern suche die Augenlidspalte offen zu erhalten, rolle die Augen stark hin und her und wasche dieselben mit frischem Wasser aus. Verletzungen der Hornhaut durch kleine Metallsplitter, wie sie bei Arbeitern in Eisen-Fabriken häufig vorkommen, erfordern stets ärztliche Behandlung. Kommen ätzende Substanzen in das Auge, wie Mineralsäuren oder Kalk, so ist vor allen Dingen fleißiges Auswaschen nöthig, dann träufle man lauwarme Milch oder Oel ein und mache kalte Umschläge, bis der Arzt kommt und das Weitere ver­ordnet. In einer mit Tabakrauch erfüllten Atmosphäre wer­den die Augen stark gereizt, zumal wenn der Rauch direct von der Cigarre an das Auge herantritt. Mäßigkeit in Speise und Trank ist fiir das Auge vorthetlhast. Die Wahl einer Brille muß unbedingt dem Arzt übertragen werden, weil nicht immer diejenige Brille die beste und richtige ist, welche im Augenblick das deutlichste Bild giebt; schon manches Auge ist durch die Umgehung ärztliches Rathes bei dieser wichtigen Entscheidung zu Grunde gegangen. Kurzsichtige sollten hier ganz besonders vorsichtig sein. Bei beginnender Fernsichtig­keit sollte möglichst bald eine Convexbrille benutzt werden. Zu langes Warten ruft Reizbarkeit des Auges hervor, die das Sehvermögen gefährdet. Schließlich sei mit Nachdruck vor dem Gebrauch der zahlreich angepriesenen Augenwaster gewarnt.

Vermischtes.

Herabgekommen. Bettler (der einen Pfennig ge­schenkt bekommen hat):Ja, lieber Herr, ich habe auch mal bestere Zeiten gesehen früher hätte ich nicht unter zwei Pfennig genommen I" * *

Verlockend. Miether:*Jst die Luft im Hause hier auch gesund?" Wirth:O sehrl" - Miether:Wirklich?" Wirth:Die letzte Familie, die hier wohnte, bekam sämmt- lich, vom Vater bis zum jüngsten Kind, den Gelenkrheumatis­mus und kein einziges ist gestorben."

O *

Auch ein Bahnunglück., wie ift's gegangen auf Ihrer Tour nach Kufstein?"O, ich hab' ein schreck­liches Bahnunglück g'habt."Was ...?"Freilich steigt plötzlich mein Schneider zu mir in's Coup6!"

Das macht nichts.Ich habe Sie holen laffen, Herr Doctor; aber, ufrichtig gestanden, ich hon keen großes Ver­trauen zu die Aerztel"Das macht nichts! Ein kranker Esel hat auch kein Vertrauen zum Thierarzt, aber der der heilt ihn doch!" * *

Darum.Wie konntest Du nur den Menschen hei- rathen! Warst Du denn so verliebt in ihn?"Nein, aber eine Andere war's!"

Hohe Bildung.Mein Fräulein, ein Zephyr spielt mit Ihren Locken."Jeffas, thun S' das abscheuliche Vieh weg!"

Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.