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GsMeinirntziges.
Grüne Erbsen einzumachen. Grüne Erbsen einzumachen ist zwar eine leichte Sache und doch klagt so manche Hausfrau der anderen: „Ach, meine Erbsen sind in diesem Jahre wieder ganz sauer geworden und ich habe doch die schönsten und reifsten Erbsen genommen!" Und woher kommt es? Weil man eben noch zu sehr am Altgewohnten hängig die Erbsen, bevor man sie in Flaschen füllt, wäscht und m Salz- waffer gar kocht. Das ist aber ein vollständig unrichtiges Verfahren, denn meistens entsteht die Säure durch Waffer, welches häufig salpeterhaltig ist, oftmals aber auch durch die zum Einkochen verwendeten Geschirre. Die grüne Erbse soll gar nicht in Waffer, sondern in der Flasche ohne Waffer und Salz gekocht werden; man fülle die grün abgepflückten und enthülsten Erbsen in weithalsige Flaschen, welche gut verkorkt und in Stroh gewickelt, in einem Keffel zwei Stunden der Kochhitze ausgesetzt werden. Besitzt man einen Backofen, fo kann man das folgende, noch einfachere Mittel anwenden: Die mit Erbsen- körnern gefüllten Flaschen werden beim Brodbacken, sobald das Brod aus dem Ofen ist, in denselben auf etwas Stroh gelegt und nach Verschließung desselben zwölf Stunden darin gelassen. Die Flaschen werden dann an einem kühlen Ort aufbewahrt. Von dem guten Verschluß derselben hängt die Haltbarkeit der Erbsen größtentheils ab. Ein practischer und billiger Verschluß ist folgender: Die Flaschen werden am oberen Rande mit Gummi arabicum bestrichen und sofort mit in Waffer erweichtem und abgetrocknetem Pergamentpapier verbunden. Sobald das Papier ganz trocken ist, wird dasselbe ebenfalls mit Gummi arabicum bestrichen, so daß sich ein vollständiger Ueberzug bildet. Dieser Verschluß ist dem eines verzinnten an Güte gleichkommend und halten sich die Erbsen sowohl als jedes Eingemachte, auf diese Art verklebt, sehr gut.
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Rother Johannisbeerttqueur Rothe Johannisbeeren werden abgebeert und ausgepreßt. Dem Saft setzt man die gleiche Maßmenge Cognac oder in Ermangelung desselben Kornschnaps zu und versüßt mit gemahlenem Zucker. Auf ein Liter Flüssigkeit rechnet man 175-250 Granim Zucker. Dann wird durch Fließpapier filtrirt.
Kirschen ungekocht einzumachen. Sehr reife und große Sauerkirschen werden abgespült und mit feingestoßenem Zucker, von dem man 250 Gramm auf ein Pfund Kirschen rechnet, sowie einigen Stückchen ganzem Zimmt in weithalsige Einmachgläser gefüllt, mit Blase Überbunden und 4—6 Wochen in die Sonne gestellt. In der ersten Woche muß man sie täglich einmal umschütteln. Nach Verlauf obiger Zeit bewahrt man sie an kühlem Ort. * #
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Erdbeertrank. Erdbeeren, welche man auch mit Himbeeren oder Johannisbeeren vermischen kann, werden in einem Topfe zerquetscht, etwas Citronensaft betgegeben, Waffer nach Verhältniß zugegoffen, nach einer halben Stunde mit starkem Auspreflen durch ein Tuch geseihet, worauf die Flüssigkeit mit etwas Zucker gesüßt und erforderlichenfalls noch einmal durch- geseihet wird. Man hat alsdann ein sehr angenehmes Getränk sür Kranke und Gesunde. * #
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Heidelbeertrank. Zu dem Safte frischer oder an der Sonne getrockneter und wieder in Waffer aufgeweichter Heidelbeeren fügt man Waffer und Zucker. — In ähnlicher Weile wie Erdbeer- und Heidelbeertrank bereitet man auch Getränke aus Johannisbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Kirschen u. s. m-, welche sämmtlich einen angenehm-erfrischenden Geschmack besitzen.
Gedünstete Heidelbeeren. Ein einziges, sehr wahr- scheinlich aber weniger bekanntes Recept beehre ich mich hier
mit Ihnen als Beitrag meinen Schwestern anzuempfehlen; es ist dies „Gedünstete Heidelbeeren". Alljährlich kaufe ich etwa 20—25 Centner schöne, reife Heidelbeeren, wasche sie sorg- fältig, aber rasch ab und sülle dieselben in Selterswafferkrüge. Während dem Füllen müffen die Krüge öfters fest geschüttelt werden, damit die Heidelbeeren sich möglichst fest zusammen- setzen. Sodann werden die Krüge mit Schweinsblasen gut verschlossen. Dieselben werden nun in einen mit kaltem Waffer gefüllten Blechtopf gestellt und zur Verhütung eines Zusammenstoßens der Krüge die Zwischenräume mit Heu oder Stroh ausgefüllt. Auf gutem Feuer wird das Waffer zum Sieden gebracht, der Topf mit den Krügen hiernach weggestellt und so lange stehen gelassen, bis das Wasser wieder vollständig er- kältet ist. Die Krüge werden an einem kühlen Ort ausbewahrt. Beim Gebrauch schlage ich den Kopf des Kruges ab und heraus fällt — vorne der vorzügliche Saft, eine feste, der Form ähnliche Masse, die ein hochfeines Aroma verbreitet und, tüchtig mit feinem Zucker bestreut, der feinsten Tafel Ehre macht. Keine bessere und billigere, aber auch keine gesundere Beilage zu Mehlspeisen kann ich mir senken für Kranke sowohl als Gesunde. Die so gedünsteten Heidelbeeren halten sich Jahre lang.
Veriirischtes
Am Telephon. Abonnent: „MeinFräulein! An wen muß man sich wenden, um sich über Ihren nachlässigen Dienst zu beschweren?" — Telephon-Assistentin: „Das weiß ich nicht, mein Herr, und wenn ich es wüßte, so wäre es Dienst- geheimniß." * ,
Durch die Blume. „Mein Gott," sagte eine Dame zu einem Besuche, den sie gern los hätte, „wie die Zeit in Gegenwart geistreicher Menschen so rasch herumgeht I Ich meine. Sie wären erst fünf Minuten hier und doch ist es schon fast eine ganze Stunde!" * ■ *
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Anerkennung. Lieutenant (an der Table d'höte sein Couvert musternd): „Zwei Messer und keine Gabel - schneidiger Kellner das!" * *
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Das verbesserte Kirchenjahr. „Hans", sagte der Pastor in der Kinderlehre, „nenne mir die Hauptseste des christlichen Kirchenjahres." Nach einigem Nachdenken brachte Hans zögernd heraus: „Ostern." - „Richtig und welche noch? fragte der Pastor. — „Weihnachten," fügte Hans nach und schwieg - „Noch ein schönes Hauptfest," rief der Pfarrer, „weiß es denn Niemand, Kinder? Das dritte große Fest. Ah, Du, Lottchen, weißt es — alfo wie heißt das Fest? „Schweineschlachten!" war die triumphirende Antwort.
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Brodneid. Köchin: „Sag' mal, Fritze, weeßte nich 'n Schatz vor unser Stubenmädel?" — Soldat: „Na hör mal, det Bischen, was bei Euch übrig bleibt, det krieg' ich Mz jut alleene uff." , e
Zur Schöpfungsgeschichte. Ein cholerischer Herr leidet an Zahnschmerzen und diese erpressen ihm die zornige Anklage wider den Schöpfer: „Der Himmel hat die Zähne nicht für die Menschen, sondern für die Zahnärzte erschaffen.
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Menschenkenntnis Frau A.: „In welches Seebad gehen Sie?" - Frau B.: „Nach Helgoland." - Frau A-: „Warum gehen Sie nicht lieber nach Ostende? — Frau B. . „Eigentlich geh' ich nach Ostende, aber wenn ich gesagt hätte, ich gehe nach Ostende, dann hätten Sie doch gewiß gefragt, warum ich nicht nach Helgoland gehe."
Redaction: A. Scheyda.^Hind Verlag der Brnhl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.


