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Redaktion: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Gießen.
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Der Volksmund erzählt auch. Christus sei dereinst bei der Kreuzigung mit Ruthen gegeißelt worden, die vom Weiden, bäume genommen wären; und aus Trauer hierüber senke dieser Baum von da ab seine Zweige gegen die Erde-
Wie schon im Anfang gesagt, verflicht sich in der Sage die uralte Ueberlieferung mit der Religion, bei den Deutschen ist die Verbindung des Christlichen mit den Bolksgeschichten besonders auffällig. Auch dabei spielen Pflanzen vielfach eine Rolle. Im Saalfeldschen glaubte man seit langen Zeiten an kleine Wesen, die im Moos Hausen und sich in Moos kleiden, die Moosleute oder auch Moosweibchen. Sie werden Nachts von dem wilden Jäger verfolgt und dürfen sich ungestört nur ausruhen auf Baumstämmen, in welche drei Kreuze eingehauen sind. Darum sollen Holzhauer hierum von erscheinenden Moos- weibchen gebeten worden sein- Ein Bauer, der vorwitziger Weise durch Jagdgeschrei dem wilden Jäger mitjagen helfen wollte, fand am andern Morgen das Viertel eines Moosweib, leins als Jagdbeute an der Stallthür aufgehängt- Er durste ja nichts davon anrühren, um nicht schweres Unglück zu haben.
Als gefährlich und verhext gelten in manchen Sagen ge. wisse Pflanzen, einzelne derselben haben nur unter besonderen Umständen eine unheimliche Kraft. Bekannt ist es, daß im Kloster zu Corvei an der Weser einige hundert Jahre lang eine Lilie aus einem Kranze, der im Chor hing, jedem Bruder in seinem Stuhle erschienen sein soll, welcher drei Tage danach sterben mußte. Durch den Frevel eines jungen Ordensbruders, dem so der Tod verkündigt wurde und der die Lilie in den Stuhl eines älteren Genossen brachte, soll die Erscheinung ver. scheucht worden sein, der Frevler aber wäre, erzählen die Chroniken, plötzlich gestorben, während der erschreckte Alte wieder
genas.
Zwei recht gewöhnliche Pflanzen aus der Familie der Lippenblümler, der gemeine Dosten (origanum vulgare) und der gemeine Andorn (marrubium vulgare), in der Sage genannt Dosten und Darant, gelten als echte Hexenkräuter, aber als wohlthätige gegen Verführung und Festhalten durch Rixen und Gespenster.
Das Gebiet der eigentlichen Volkssage grenzt nahe an kleine Geschichten und Redensarten, wenn noch heute in aller Munde sind. Mancherlei abergläubige Gebräuche, an die man nicht mehr glauben soll und will und an die doch manch kind. lich Gemüth noch glaubt, sind bei uns gang und gäbe und werden auch wohl nie schwinden, trotz aller Civilisation, eben weil sie reizend sind. Deck Ausfinden eines vierblätterigen Kleeblattes legt man so gern die Bedeutung von Glück bei, das verliebte Mädchen freut sich innig, wenn das letzte Blätt. chen am zerpflückten Maßliebchen antwortet: „er liebt mich!' Die Bedeutung der Blumen hat förmlich zu einer Sprache, der Blumensprache, geführt, die als verliebte Spielerei betrieben wird. Ungleich höheren Werth haben die Blumen aber in den Märchen. Hierbei brauche ich an Dornenrörchen nur zu er«
und ihn führte. .
Auf den Rath des Fuchses diente er einer bösen Fee, tu* dem er deren goldgehörnte Kuh weidete- Konnte er dieselbe nicht auf der Weide halten, so mußte er sterben; durch dar Haar des Wolfes erlangte er die Hülfe von vielen hundert Wölfen, welche die Kühe nicht fortließen, durch den Rath der Fuchses erlangte er eine unsichtbar machende Kappe als w von der bösen Fee, indem er allen anderen Lohn aussM- Durch die Kappe gelang ihm die Rettung vor einem Heere von Kröten, die ihn bedrohten, al» er jene» Männchen retten wollte. Endlich befreite er drei Jungfrauen, die ein Drache in einem Berge verzaubert hielt. Er hauchte das silberne Haar an, ein Heer von Zwergen half ihm in den Berg em« dringen und den Drachen besiegen. Jetzt erst nahte ihm der Lohn für alle seine Handlungen. Da sah er die blaue Blume zum letzten Male, sie sprach zu ihm: „Ich bin die Seele deiner Mutter, die dich begleitet hat in allen Gefahren, bis du glücklich wurdest!" Damit verschwand sie, der Jüngling aber heirathete die Jüngste der geretteten Schwestern und warb glücklich und reich! .
i Wie schön wird hier der Glaube an die Mutter und der Segen, den auch die ärmste Mutter geben kann, versinnlicht in der zarten Blume, welche überall vor dem Jüngling herschwebt und ihm hilft zu guten Thaten des Mitleids und zu reichem Lohne! __________
den Zauber zu durchbrechen. Nehme man dem Märchen die Rosen und die Dornen — wie sehr würde es verlieren!
Das Märchen verkörpert in der Pflanze mit Vorliebe das Geheimnißvolle wie das Innige; und Völker, welche noch wahren Trost im Märchen suchen, wie die Zeltzigeuner, die stierend und nothleidend im Winter in Siebenbürgen in elenden Erd« höhlen Hausen, ste erzählen sich noch heute Märchen, tiefsinnig, rührend und erhebend. Ein solches ist die Erzählung von der blauen Blume der Mutterliebe, von einem neueren Forscher uns mitgetheilt, mit dessen kurzer Wiedergabe ich dem Leser noch zum Schluffe einen besonderen Einblick in die Bedeutung der Pflanze für das Volksgemüth zu geben hoffe. ,
Ein armes altes Mütterchen lag im Sterben und meinte bitterlich über ihren Sohn, den sie zurücklasien mußte allein ohne eine Seele, die es gut mit ihm meinte. „Komme um Mitternacht zu meinem Grabe und pflücke die Blume, die über mir wachsen wird, sie soll dir den Weg zum Glücke zeigen; das ist Alles, was ich dir hinterlaffen kann." Das waren ihrs letzten Worte. Der Sohn holte die Blume und ging mit ihr in die Welt- Mitleidig half er einem Wolfe, der verwundet, und einem Fuchse, dem eine Wespe ins Ohr gekrochen war, auch errettete er ein kleines Männchen vor der Versolgung einer bösen Fee in Krötengestalt. Alle, die er errettet, schenkten ihm etwas, der Wolf ein Haar, der Fuchs einen guten Rath, das Männlein führte ihn zu feinem König in eine Höhle, der ihm ein Haar aus feinem silbernem Barte gab. Aber dar Glück fand er nirgends, obwohl die Blume vor ihm herschwebte
Vermischtes.
Mangelhafte Sprachkenntniß- Mutter: „Aber Käthe, Du hast Dich ja von dem jungen Franzosen küssen lassen! Warum hast Du Dir'» denn nicht verbeten? - Tochter: „Aber Mama, ich,kann ja nicht französisch!"
Kasernenhofblüthe. Unterosfizier (zum Rekruten)- „He, Müller, etwas vernünftiger d’reinschauen! Gehirn markieren!" * ,
Fortkommen. Lehrer*(am Stammtisch): „Die Kartoffel kommen auf jedem Boden fort —." — Jacob: Keller aber aach; gestern erst Han se mir roie'r ’n Sack vuu gestohl’n."
liche Art erklärt Jene» Gras (anmdo atenaria L.) ist 1 innern; die Dornenhecke schließt die Verzauberte ab, aber Wen überall an den Küsten Europas gemein, kommt bisweilen auch blühen zwischen den Dornen und ein herzhafter Mter vermag auf^dem^Lande sonst vor/z.B. bei Berlin, Wittenberg, Mägde. 1 - 90^ bem Wrdiett bie
bürg, Dresden, es erscheint durch seinen hohen, steifen Halm und ährenförmige Rispe dem Roggen entfernt ähnlich, wenn es sich auch m Vielem unterfcheidet, namentlich durch die nicht verwendbaren Samenkörner, daher „taubes Korn".
Solche Erklärungen stehen in der Sage nicht vereinzelt da- Die auch bei uns in Gärten nicht selten angepflanzte Cirbelpinie (pinus cembra), ein bis 20 Meter hoher Baum, mit Nadeln, ähnlich denen unserer Kiefer, doch größer und zu fünf oder vier zusammenstehend, wächst wild in den höheren Alpenthälern an feuchten Stellen und trägt die eßbaren Cirbel- nüsse. Nach den Brüdern Grimm erklärt die Einwohnerschaft jener Gegend allgemein die Seltenheit derselben damit, daß dereinst die Knechte und Mägde ihre Zeit damit vertrödelt, die Früchte abzuwerfen und zu effen und daß deßhalb der Baum von den Besitzenden, der „Meisterschaft", erwünscht wor.


