Ausgabe 
8.4.1893
 
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(Schluß.)

Während hier mehr gewarnt wird, rächt die Pflanze in einer friesischen Sage auf eine höchst eigenthümliche, natur­geschichtlich intereffante Weise einen Frevel. Eine reiche Stavorenwittwe hatte einen Schiffer beauftragt, ihr das Beste als Ladung mitzubringen, was er finden könnte. Er lud schönes, polnisches Getreide ein, das damals gerade hoch im Preise stand, wurde aber lange durch Stürme zurückgehalten, so daß er erst zurückkam, als der Getreidepreis gefallen war. Erzürnt ließ die Wittwe die ganze Ladung in den See werfen. Da wuchs an dieser Stelle eine Sandbank vor dem Hafen empor und auf der Sandbank zeigte sich ein Korn, das aber taub war und keine Frucht brachte. Die Sandbank wuchs und wuchs und sperrte allmählich den Hafen derart, daß er zu Grunde ging. Diese Sage ist deßhalb auch so wichtig, weil sie unwillkürlich ein weit verbreitetes Gras, das sogenannte Sandrohr, von den Leuten auch taubes Korn oder Dünenhelm genannt, weil es die Düne beschützt vor der Wirkung der Fluth, in nahe Beziehung zum Roggen bringt, also gewissermaßen die Verwandtschaft dieser Pflanzen auf eine ganz eigenthüm«

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Meine Botschaft von Ihnen erreichte es nur mit Mühe, ihn zu veranlassen, sich zu entfernen."

Armgard sah auf den Brief und dann auf die alte Wirth« schafterin. Ihr Stolz bäumte sich bei den Worten derselben auf und fühlte die Erniedrigung, welche für sie in der Respect« losigkeit lag, mit welcher man ihres Verlobten erwähnte. Durfte sie das dulden, da sie doch einmal den verhängnißvollen Schritt gethan und es keinZurück" mehr für sie geben konnte? Und war sie es ihm nicht schuldig, unbeirrt bei ihm auszuharren, nachdem ihm das Liebste entriffen war und alle Welt sich ur­plötzlich veranlaßt sah, Steine auf ihn zu werfen? War er nicht, seines Erbes beraubt, ein unglücklicher Mann, zu welchem sie allein kraft der Vergangenheit gehörte?

Sie richtete sich mühsam auf und sagte in einem so scharfen Tone, wie Mamsell Evers ihn nie von ihr vernommen: Sie scheinen ganz zu vergessen, daß Sie von meinem Ver­lobten sprechen, Evers, ich dulde einen solchen Ton nicht und ersuche Sie, der übrigen Dienerschaft es einzuprägen, daß man in Herrn Steindorf den künftigen Gebieter zu ehren hat- Wem das nicht zusagt, der möge sich bei Zeiten nach einem anderen Dienst umsehen."

Das ließ an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig und Mamsell Evers war auch eine Weile ganz sprachlos. Wenn Armgard so redete, dann mußte sie den Verlobten ja wirklich lieben, zumal sie die alte treue Dienerin zum ersten Male wie eine Fremde, wie jede andere beliebige Magd behandelte. Nun gut, das durste sie sich nicht jetzt schon gefallen lassen, da ihres Bleibens in Ebenheim nach der Hochzeit doch nicht länger sein konnte.

Da ist es wohl besser, daß ich gleich heute meinen Bündel schnüre, Fräulein 1' sagte sie mit einer Stimme, als sei ihr die Kehle zugeschnürt.Herr Steindorf, das fühle ich, kann mich nicht leiden und würde mir nachher doch gleich den Laufpaß geben. Da ist es besser, ich gehe freiwMg."

Armgard antwortete nicht, fondern wandte ihr Gesicht nach der anderen Seite.

Ich darf Ihnen wohl gleich Adieu sagen, Fräulein!" fuhr die Mamsell zögernd fort.

Langsam wandte sich Jene ihr zu.

Kannst Du's über Dein Herz bringen, Evers, dann geh'!"

Mehr sagte sie nicht, aber es war übergenug für die alte, treue Seele, die schluchzend auf die Kniee sank und Arm­gards Hand mit ihren Thränen benetzte-

(Fortsetzung folgt.)

Die Wanze in der WoMssage und im Wotksrnärchen Von Dr. W. Wcillus.

goldet, und das genügt. Der liebe schöne Papa konnte drüben stolze Ladys heirathen, aber er liebte nun einmal nur die gute Tante Armgard, die so reich und eine gutmüthige Närrin war.

Entsetzt fuhr Armgard empor und starrte wild um sich. Hatte nicht erst Tante Hanna gesprochen und zuletzt gar die tobte Sotto ?

O, mein Gott, behüte mich vor Wahnsinn!" flüsterte sie angstvoll.Errette mich vor meinen eigenen Gedanken."

Dann horchte sie plötzlich auf. Draußen im Corridor erklang es wie ein Wortwechsel. Sie konnte jetzt deutlich die Stimmen unterscheiden es war der Doctor und Steindors. Gewiß verlangte der letztere in seiner gebieterischen Weise, zu ihr gelassen zu werden, wogegen der Arzt kalt und energisch proteflirte.

Sie erhob sich geräuschlos, trotz ihrer Schwäche wie von einer Feder emporgeschnellt, und begab sich in das daranstoßende Cabinet, von wo sie ungesehen und ungehört ihr Schlafzimmer erreichte. Mit bebender Hand den Riegel vorschiebend, da die Mamsell durch ihr Ankleidecabinet zu ihr gelangen konnte, schwankte sie nach ihrem Bett und sank halb ohnmächtig darauf nieder. Sie fühlte sich hier wie geborgen und dankte im Innern dem alten Doctor, der sie mit seinem lauten Protest rechtzeitig gewarnt hatte.

Als in diesem Augenblick die Mamsell Evers athemlos durch die Thür des Cabinets eintrat, sah sie, daß diese bei ihrem Anblick wie erlöst aufaihmete-

Wer lärmt so ungebührlich im Corridor?" fragte sie matt.

Herr Steindorf behauptet, Sie wären nicht krank, liebes Fräulein, der Doctor wolle Sie nur dazu machen."

Geh' und sage, daß ich sehr leidend und nicht im Stande sei, ihn zu empfangen," flüsterte Armgard mühsam.

Mamsell Evers ließ sich das nicht zweimal sagen. Sie ging wieder denselben Weg zurück nach dem Corridor und sah den Doctor dort mit sehr finsterem Gesicht allein stehen.

Ist er fort?" fragte sie ihn leise.

Der alte Herr lachte grimmig in sich hinein und deutete hohnvoll auf die Thür des Wohnzimmers.

Der läßt sich nicht abfpeifen und zeigt ihr jetzt schon, wer Herr im Hause ist. Thörichtes Frauenzimmer!"

Doctor Peter» ging nach diesen halblaut gesprochenen Worten rasch fort, während Mamsell Evers die Lippen energisch zusammenpreßte und dann ahne Zögern jene Thüre öffnete. Mit unwilligem Erstaunen sah sie, daß Steindorf das Schreib- Cabinet ihrer Herrin geöffnet halte und ohne Weiteres bis zum zweiten Zimmer vorgedrungen war. Sie ging ihm nach und richtete ihre Botschaft unerschrocken aus.

Steindorf blickte sie stirnrunzelnd an.

Hat meine Braut, Ihre Gebieterin, Ihnen dies persön­lich auf getragen?" fragte er kurz.

Ich würde den Befehl sonst nicht ausgerichtet haben," lautete die Antwort.Das Fräulein ist sehr leidend und hat sich zu Bett begeben müssen."

Er schritt in'S Cabinet zurück und warf einige Zeilen in französischer Sprache auf ein Blatt Papier, das er in ein Couvert schob und mit der Aufschrift versah-

Geben Sie dies dem gnädigen Fräulein!" befahl er, auf das Briefchen deutend.

Ohne Gruß schritt er sodann hinaus und Mamsell Evers hörte, wie er das Haus verließ-

Gott gnade uns Allen, wenn der die Gewalt hier erst hat," seufzte die Alte kummervoll, indem sie mechanisch die elegante Handschrift ansah und dann mit dem Brief zu ihrer Herrin sich begab.

Der Doctor hatte einen langen Disput mit dem jungen Herrn gehabt," sagte sie, den Brief übergebend,er setzte doch seinen Willen durch."

Wer? Der Doctor?"

Gott bewahre, nicht er, fondern der künftige Herr von Ebenheim, dessen Brief ich dem Fräulein gebracht und der schon durch alle Zimmer drang, um Sie zu sehen und zu sprechen.