Ausgabe 
8.4.1893
 
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Gießen.

Nr. 41

1893.

AntevhnlLungSbLatt jum Gishenev Anzeiger* (Genepnl-Anzeigev)

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(Fortsetzung).

.. Steindorf ließ sie nicht mehr frei. Schmeichelnd zog er dre Widerstrebende auf die Bank zurück und glitt auf seine Kniee meder, sie mit den süßesten Tönen der Liebe anstehend, dre furchtbaren zehn Jahre aus ihrem Leben zu tilgen und dort wieder anzuknüpfen, wovon diese Bank so stumm und doch so beredt erzählen mußte.

"0, Geliebte, stoße mich nicht von Dir," schloß er im Tone tiefsten und wahrsten Schmerzes.Laste mich nicht tröst, los hinausziehen, nachdem der Tod mir Alles geraubt. Lotta kniet neben mir und bittet für ihren unglücklichen Vater. - Glaube an meine Liebe, Theuerste, welche den Weg wieder zuruckgefunden hat zu ihrem ursprünglichen Heim."

, ,, Asgard war so völlig verwirrt und betäubt daß sie halb ohnmächtig sich ihrem Geschick ergab und von Schwäche ubernmnnt, Lotta im Sterbehemd mit der Wunde an der Stirn zu sehen vermeinte. Sie hörte, wie von einem peinlichen Traum umfangen, die Versicherung seiner Liebe und Dankbar, leit, duldete mit jenem seltsam körperlichen Schmerz im Herzen seine Küste und erhob sich endlich mechanisch, um sich von ihm ins Haus zurückgeleiten zu lassen-

Ob und was sie ihm geantwortet, das wußte sie nicht zu sagen, konnte sich dessen auch niemals wieder erinnern, nur so mel empfand sie, daß ihre Leute sie scheu und besorgt anblick- & J n ? manr.Ee eines Verbrechens beschuldige, und daß Mamsell Evers sich mit der weißen Schürze über die Augen fuhr, als ob sie über sie weine.

F°rten drucken lassen und unsere Verlobung b/kannt machen?» fragte Steindorf, als sie in ihrem Wohn- "E seiner Seite erst zum rechten Bewußtsein dessen ge­langte, was Men geschehen war. Erschreckt blickte sie ihn an.

nX~~ bkuht Ihre Lotta ein Jahr im Grabe? I J mir »och Zeit, ich fühle mich so schwach,

Recht^daM " Un6 ®elbe verurtheilen und sie hätte ein ist grausam, Geliebte, und nur die Liebe »et* zu bieten, ja, sie würde Dir sagen, laß ihn "^t von Tllr, den armen einsamen Vater, sondern schließe sofort das Band, welches ihm eineHeimath und ein liebendes tzerz gibt."

r: ^ein, nein, nicht so bald schon," wehrte sie angstvoll ab, sei barmherzig, Julius, gönne mir Zeit, gesund zu werden."

Tante Hannas Geheimniß

Original-Roman von E. v. Linden-

Weshalb sollen wir noch warten, mein Lieb ?" schmeichelte er, den Arm um sie schlingend, mit zärtlicher Stimme.Jeder Tag nutzlosen Harrens und Bangens beraubt unser Glück. Sind wir nicht Beide frei und unabhängig? Brauchen wir uns dem Urtheil der Welt zu beugen? O, gib mir das öffentliche Recht, Dein natürlicher Beschützer und Berather zu sein. Nicht wahr, Du willst es, ich darf laut mein Glück ver- künden, o, sage es, daß es Dein Wille ist!"

Weshalb sollte sie sich noch länger gegen das Unabänder­liche sträuben? Zischelte die Verleumdung nicht längst schon und hatte ihren Namen mit, ihm in Verbindung gebracht? Konnte sie jetzt noch denselben anders reinigen, als durch eine Heirath mit dem Manne, welchen sie einst geliebt hatte?

Sie neigte deshalb müde und resignirt das Haupt und bat ihn leise, sie nun allein zu lassen.

Steindorf küßte sie zärtlich, drückte ihre Hände an sein Herz und ging mit triumphirender Miene hinaus.

Es hätte ihn vielleicht doch unangenehm berührt, wenn er gesehen, wie verzweiflungsvoll sie die Hände rang und wie starr und unheimlich ihre Augen auf die Thür sich richteten, als diese sich öffnete und Mamsell Evers eintrat.

Haben Sie Befehle für mich, Fräulein?" fragte die Alte, sich langsam dem Tisch nähernd.

Armgard schüttelte den Kopf und öffnete die Lippen, brachte aber keinen Laut hervor.

Ach, lieber Himmel, wenn ich's mir nicht gedacht habe," rief die Mamsell in einem bei ihr ganz ungewöhnlich meiner, lidjen Tone,nun sind Sie richtig wieder krank geworden und der letzte Betrug kann ärger werden als der erste."

Armgard starrte sie mit weit geöffneten Augen, als sähe sie etwas Furchtbares, an und hauchte leise, mit sichtlicher An- strengung:Welcher Betrug?"

Ach Gott, ich meine nur so, von wegen einem Rückfall. Kommen Sie nur rasch in'S Bett, liebes Fräulein, ich will die Medicin und auch den Doctor holen lassen. Er war vorhin erst hier."

Ja, ich fühle mich krank, gute Evers!" erwiderte Arm­gard noch immer sehr leise.Nur Eins möchte ich noch sagen, daß ich daß ich mich verlobt habe."

Sie hatte bei diesen Worten ihr Gesicht abgewandt und bebte wie im Fieber. Dann suchte sie sich zu erheben, wobei die Mamsell sie schweigend unterstützte. Auch ihr schien der Schreck über diese Mittheilung in alle Glieder gefahren zu sein, da sie auffällig zitterte-

Als sie ihre Herrin entkleidete, da diese schwach und willen, los wie ein Kind war und durchaus nicht den Eindruck einer glücklichen Braut machte, hielt sie sich als ihre alte Dienerin,