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Einmal, nur ein einziges Mal, Eltern.
zu einer schönen, anmuthigen jungen Dame heran. Sie liebte ihre Adoptivmutter und fühlte sich inmitten ihrer Vögel und Blumen glücklich. Von der großen Welt außerhalb Bergsdorf wußte sie nur wenig, denn nur selten kamen Gäste in das Schloß. „ , ,
Doch die Gräfin hegte ehrgeizige Pläne sür ihre Adoptivtochter, und sie beabsichtigte, sobald Martha ihr siebzehntes Jahr erreicht haben würde, mit derselben nach der Residenz zu gehen und sie in der Gesellschaft einzuführen. Bei ihrer Anmuth und Schönheit würden sich Viele um sie bewerben, und von diesen wollte die Gräfin den Edelsten und Besten
fragte sie nach ihren „nicht wahr, ich bin gesagt?" lautete die
gewisiern, ob die Gestalt vor ihm nicht nur eine Täuschung seiner Sinne sei. t r
Plötzlich wandte Martha stch um, und eine tiefe Gluth färbte ihr Antlitz.
Mit dem Hute in der Hand ging der MNge Mann auf Martha zu und verbeugte sich ehrfurchtsvoll vor ihr, als wäre sie eine Königin. „ , , „ r ,
„Verzeihung, wenn ich Sie erschreckt habe," sprach er, „aber ich habe mich hier im Walde verirrt und kann den Weg zur Landstraße nicht finden. Hätten Sie wohl die Güte, mich zurechtzuweisen?"
„Sie müssen dort den Weg zur Rechten einschlagen," antwortete Martha, und ihre Augen begegneten dem schönsten, edelsten Gesicht, das ste je gesehen hatte.
Statt aber nun seines Weges ruhig weiterzugehen, zögerte der junge Mann noch.
„Die Wälder hier sind so herrlich," sprach er weiter, „wie ich sie noch kaum schöner gesehen habe. Gehören dieselben zur Bergsdorser gräflichen Besitzung?"
Martha antwortete mit einer stummen Neigung des Kopses, denn sie hatte so seltsame Gedanken. Wer war dieser schöne Fremde? Woher kam er? ,, , ,
! Sie verlieren Ihre Blumen, gnädiges Fräulein/ sagte er galant, indem er sich bückte und sie wieder aufhob. „Ich hörte Sie soeben ein reizendes Lied singen, das ich noch nicht kenne," sprach er weiter, „von wem ist es?"
Da schwand Marthas Schüchternheit und sie erzählte ihm, daß sie es Tags zuvor gelesen habe und nicht aus dem Ge- dächtniß bringen könne. Sein Auge ruhte fest auf ihren edlen fiüaen, fein Ohr war entzückt von dem Klang ihrer Stimme. Gab es wohl ein herrlicheres Bild, wie die milden Strahlen durch das grüne Laub fielen und auf ihrem schönen Antlitz und goldenen Haar hell erglänzten? Nie vergaß er sie, wie sie so dastand, den Blick gesenkt und die kleinen weißen Hände voll Glockenblumen. , L
Wollen Sie mir eine dieser Blumen geben?' fragte er. „Als Erinnerung an den schönsten Morgen, den ich je erlebt, und an das lieblichste Gestcht, das ich je gesehen habe - nur
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„Die alte Regine wird meinen Dienst verlasien, wenn ich noch einmal ähnliches Geschwätz höre," sagte die Gräfin stolz. „Höre mich an, mein liebes Kind. Du bist mein Adoptivkind, aber kein Mensch auf der Welt hat irgendwelche Anrechte auf Dich. Ich hatte einst selber ein Töchterchen, und als der unerbittliche Tod mir dieses raubte, wurdest Du mir sür sie gegeben. Außer mir hast Du keine Verwandte."
„Wer war meine Mutter?,' sagte das junge Mädchen . ernst, „bitte, erzähle mir etwas von ihr."
„Es gießt nichts zu erzählen, mein Kind," erwiderte die Gräfin, „ste war meine Freundin, wir sind zusammen ausgewachsen und ich adoptirte Dich. Und nicht wahr, Martha, Du brauchst außer mir doch gewiß Niemand?"
Als Martha sah, daß dieses Thema die Gräfin schmerzte und aufregte, berührte sie es mit keinem Wort wieder.
„Mama," sagte sie eines Tages, nicht wirklich Deine Tochter?"
„Wer hat Dir solche Thorheiten gereizte Antwort der Gräfin.
„Die alte Regine," versetzte Martha, „sie meinte, ich sei nur Deine Adoptivtochter, und meine wirkliche Mutter lebe
Halb schüchtern, halb lächelnd reichte sie ihm die gewünschte Blume; sein Gesicht erglühte, als er sie aus ihren Händen nahm; noch mehr Worte zitterten auf seinen Lippen, gern hätte er ihr gesagt, wie schön, wie lieblich, wie anmuthig sie se und daß er sie nie vergeflen könne; gern hätte er sie nach ihrem Namen gefragt, wo sie wohne und warum sie so allein in dem dichten Walde umherstreifte, aber er that nichts von alledem — mit einer stummen, ehrerbietigen Verbeugung verließ er ste.
Martha kehrte heim, aber das Leben war ein anderes für sie geworden. Etwas Neues, Schönes mischte sich bei Tag in ihre Gedanken, bei Nacht in ihre Träume. Sie wußte nicht, warum das Gesicht, das sie an jenem Morgen im Walde gesehen, ihr beständig vor Augen schwebte, warum der Tan jener Stimme ihr immer in den Ohren klang, warum em jebes Wort, das er gesprochen, in ihrem Herzen lebte.
Sie wußte nicht, daß an jenem Maimorgen das erste Glied zu einer Kette geschmiedet wurde, die sie für ihr ganzes Leben binden sollte; die Bergsdorser Wälder sollten ihr ebenso verhängnißvoll werden, wie einst ihrer schönen jungen Mutter.
Fünftes Capitel-
„Du bist ein fonderbarer Mensch," sagte Herbert von Dalborn zu seinem Freunde, dem jungen Grafen von Rovvea, ! „daß Dich nichts befriedigen kann? Was u>W Du mehr « Du bist jung, hübsch, reich und ohne Schulden. Da steh mich an — mich armen Kerl, mein ganzes Eigenthum reicht nichr aus, um meine Cigarren davon zu bezahlen; ich stecke ms uv f die Ohren in Schulden, Alles geht mir schief und bei alledem bin ich wohl glücklicher wie Du."
„Ach, laß mich in Ruh', ich bin verstimmt, erwiderte i der junge Graf mürrisch. „ . x
i „So sage mir doch nur, woran es Dir fehlt I sprach
An einem schönen Maimorgen verließ Martha ihr Lager früher als gewöhnlich. Die alte Regine hatte ihr am vorher- gehenden Abend gesagt, daß wer neun Tage hintereinander sein Gestcht im Matthau bade, derselbe sich ewige Schönheit bewahre. Martha beschloß, das zu versuchen, und sie stand an diesem Morgen fast mit der Sonne auf, während der Thau noch auf Rafen und Blüihen lag, ahnungslos, daß mit diesem Tage die traurige Geschichte ihres Lebens beginnen würde. I
Eine goldene Gluth schien sich auf die Erde herabgesenkt zu haben, als Martha auf dem Hügel nahe der Bergsdorser Straße angelangt war. Die friedliche Stille, die in der Natur rings um sie herrschte, wurde nur unterbrochen durch den fröhlichen Gesang der Vögel. Im Thal waren hier und da Landleute emsig auf ihren Feldern beschäftigt, blöckend zog eine Schafheerde zu ihrem Weideplatz, sorgfältig -bewacht vom treuen Schäferhund.
Froh und heiter stimmte Martha ein Lied an. Sie wandte ihre Schritte dem nahen Walde zu, immer Heller erklang der volle, glockenreine Ton ihrer Stimme in die Morgenluft, als sie an der Strophe ihres Liedes angelangt war:
„Weißt Du, was zu bedeuten hat
Der Glockenblume Bläue?
Zu sagen werd' ichs nimmer satt:
Es ist das Bild der Treue!"
Man hätte meinen können, Bäume, Wind und Blumen lauschten in stiller Anstalt.
Martha wähnte sich allein, als sie so singend die hübschen Glockenblumen pflückte; doch auf dem breiten Waldwege kam plötzlich ein vornehmer junger Mann daher. Er blieb stehen und beobachtete ein paar Minuten lang in stummer Verwunderung das schöne goldhaarige Mädchen, um sich zu ver-


